Balletttänzerinnen des Schleswig-Holsteinisches Landestheaters bei Proben © Schleswig-Holsteinisches Landestheater

"Junge Choreografen": Tanzabend am SH-Landestheater

Stand: 02.12.2021 15:51 Uhr

Zehn Balletttänzerinnen und -tänzer des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters zeigen, was sie selbst ausdrücken wollen. "Junge Choreografen" heißt dieses Format, das offen für Experimente und neue Ideen ist.

von Peer-Axel Kroeske

Dreimal Deutschland, jeweils zweimal Spanien, Japan und Taiwan und einmal Italien, Kanada und Brasilien. Das Ballettensemble ist eine junge internationale Truppe. Und dieser Abend bietet die Chance, alle etwas persönlicher kennenzulernen. Vor der Probe ein reges hin und her an der kleinen Bühne. Kurze Absprachen auf Englisch: Wer filmt wen mit dem Handy? Dann geht es los.

Ein Paar beginnt mit blitzartigen, magisch eleganten Bewegungen. Wie durch ein unsichtbares Band scheinen sie verbunden, wenn er seine Hand ausstreckt und sie synchron dazu zurückweicht. Annäherung, Distanz, Berührung. "State of Flux" - also sinngemäß "Zustand des ständigen Wandels" hat die Kanadierin Mackenzie Brousson ihre Choreografie genannt, die sie von außen verfolgt. Nach fünf Minuten wechselt sie dann selbst auf die Bühne. So geht es reihum. Ein Konzept, das sich schon vielerorts bewährt hat, weiß Ballett-Leiter Emil Wedervang Bruland: "Ich wollte jedem Tänzer diese Möglichkeit geben, weil ich auch so angefangen habe."

Choreografien rund um das Thema "Freiheit"

Balletttänzerinnen und -tänzer des Schleswig-Holsteinisches Landestheaters bei Proben © Schleswig-Holsteinisches Landestheater
Die Choreografien der Balletttänzer des Schleswig-Holsteinisches Landestheaters sprühen vor neuen Ideen.

Auch die Japanerin Riho Otso tanzt zunächst, was sich ihre Landsfrau Risa Tero ausgedacht hat, bevor sie dann tauschen und ihre Choreografien dran sind - eine über die Schönheit und eine mit dem Titel "Von Herz zu Herz". Hier sollten die Zuschauer auf die Farben achten. "Blau ist zum Beispiel traurig, bedeutet Ruhe oder ist wie Wasser - es hat verschiedene Bedeutungen. Und ich kombiniere diese Bedeutungen alle in einem Stück", sagt die Japanerin.

Das übergeordnete Thema ist die Freiheit. Und die hat Bruland seiner jungen Truppe gelassen. Er hat nur ein paar Tipps gegeben: "Ein typischer Anfängerfehler, den ich auch selber gemacht habe, war zu versuchen, zu viel reinzustecken. Jede kleine Idee, die man hat, versucht man dann in eine Fünf-Minuten-Szene reinzupacken. Manchmal wird es dann zu viel."

Ein Ballett-Stück über Genderrollen

Auch der 20-jährige Ben Silas Beppler nutzt die Chance, das erste Mal vor einem großen Publikum im professionellen Umfeld seine eigenen Tanzideen zu zeigen. Nur zweimal hat er bisher choreografiert: "Das war aber in der Schule. Das zweite Mal war für meine Bachelorarbeit. Das gehört dazu, dass man für seine Hochschularbeit choreografiert. Das wurde auch aufgeführt, aber nur hochschulintern. Das war schon zu Corona-Zeiten."

Er ist einer der wenigen, die mit Requisiten arbeiten. Dabei bleibt es übersichtlich: Ein Paar knallroter Schuhe mit hohen Absätzen für den Herren und ein Zylinder für die Dame liegen auf dem Boden. Moment mal - stimmt das so? "Wie Riho wollte ich ein kritisches Stück machen, das die Leute ein bisschen zum Nachdenken bringt", erzählt Beppler. "Ich habe mir die Genderrollen ausgesucht, an denen wir festhalten. Man geht in die Spielabteilung und man sieht, dass Jungs und Mädchen getrennt sind: Mädchen sind pink, Jungs sind blau. Ich habe mir vorgestellt, wie es ist, wenn sich zwei Menschen näherkommen und diese Rollen vertauscht sind? Was passiert, wenn wir auch diese Rollen ablegen?"

Viel Interpretationsspielraum für die Zuschauer

Die jungen Choreografen des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters nehmen sich noch mehr vor: Die Bandbreite reicht von Pas de Deux über das Spiel mit Taschenlampen bis zu einer Aufwartung leicht unheimlicher Gestalten in Anna Schumachers Szene "When The Music Is Loud Enough" mit Trash, Techno und Träumen. Starke Impressionen. "Stücke & Inspirationen" titelt das Programmheft und gibt dabei nur vage Hinweise, was die Szenen darstellen sollen. Aber da haben dann die Zuschauer die volle Freiheit, all das zu interpretieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 02.12.2021 | 20:00 Uhr

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