"Earth, Wind & Feiern": Jan Delays tanzbare Songs mit Haltung

Stand: 22.05.2021 17:11 Uhr

Es wird wieder genäselt: Jan Delay ist nach sieben Jahren zurück und spricht über sein 5. Soloalbum "Earth, Wind & Feiern". Für dieses hat sich der Hamburger Hip-Hopper von mehreren Stilrichtungen inspirieren lassen.

von Susanne Birkner

Leute lieben Labels, sagt Jan Delay. Deswegen hat er den Stil der neuen Platte leicht ironisch als "funkyreggaeafroboogielatinskatrap" beschrieben. "Ich hab sonst immer gesagt, ich mach eine Reggae-Platte, eine Rockplatte, eine Funkplatte und habe mich immer ein bisschen an alten Stilistiken orientiert. Und diesmal hab ich einfach gesagt: Wenn wir eine Platte machen, dann machen wir alles, worauf wir Lust haben", sagt Delay.

Und worauf Jan Delay diesmal keine Lust hatte: Live eingespieltes Schlagzeug. Die Konsequenz: "Dass wir dann die Live-Drums rausschmeißen und ich die Drums runterprogrammiere", erklärt der Hamburger Musiker. "Dadurch hat man nicht nur einen roten Faden, wenn man mit so vielen Musikstilen und Genres rumspielt, sondern auch einen eigenen Sound für die Platte gefunden, das war super."

"Earth, Wind & Feiern": Platte der Zusammenkunft mit Gästen wie Marteria

Der Sound ist gut, der Stilmix funktioniert, auch bei den wenigen ruhigen Liedern. Gäste wie die Rapper Marteria, Denyo oder Summer Cem setzen Akzente. Trotzdem klingt alles angenehm vertraut nach Jan Delay - und seiner großartigen Band im Hintergrund.

"In der Corona-Zeit hätte ich die überhaupt nicht machen können, nicht einmal häppchenweise", meint der Künstler. Es sei eine Platte der Zusammenkunft. Songs, Texte - fast alles sei schon vorher fertig gewesen, während Corona kam dann nur noch der Feinschliff. Obwohl die erste Single-Auskopplung "Intro" wie ein Kommentar zur Zeit wirkt.

Ja, es sind finstere Zeiten
Aber das muss gar nicht sein
Lass uns die Wolken vertreiben
Ich hab' Sonne dabei
Nur positive Vibes, Mann
Mit 'nem Bass und 'nem Groove
Earth, Wind & Feiern
Und alles wird gut
Und alles wird gut
Hook aus dem Song "Intro" von Jan Delay

Jan Delay verbindet Haltung mit Positivem Denken

Die Zeiten seien vorher auch schon finster gewesen, meint Delay. Das würden die meisten Leute vergessen. Deswegen verbindet Jan Delay in "Earth, Wind & Feiern" sehr tanzbare Songs mit einer sehr klaren Haltung. "Ich hatte Sachen, die ich sagen wollte", schildert Delay. "Und sehr viele Sorgen und sehr viele Ängste, auf die Zukunft bezogen, mit dem Rechtsruck und dem drohenden Klimakollaps." Aber er wollte nicht jammern und meckern und schimpfen, sondern er wollte eine positive Platte machen "Zum Tanzen, zum Feiern, zum Gutfühlen, um daraus Energie und Kraft ziehen, um dann diese blöden Sachen anzugehen", meint Delay.

So sorgt der letzte Song von "Earth, Wind & Feiern" auch für ein Gefühl, das man zuletzt vor Corona hatte: Wenn man auf der Tanzfläche steht und der Kopf sagt: Ab nach Hause jetzt, aber das Herz will einfach im Hier und Jetzt immer weiter und weiter feiern. Das ist schön - und macht Hoffnung.

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