Festivalbesucher tanzen an der Turmbühne auf dem Gelände des Fusion-Festival 2019 © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Festival-Sommer in MV fällt nicht komplett ins Wasser

Stand: 13.04.2021 17:40 Uhr

Die Corona-Pandemie scheint auch in diesem Jahr den Festivalsommer zu vermiesen. Es gibt aber durchaus noch Hoffnung, denn in Mecklenburg-Vorpommern sind weiterhin viele fleißige Macher*innen dabei, die Festivalsaison vorzubereiten.

von Golo Schmiedt

Die renommierten Festivals in Mecklenburg-Vorpommern, etwa das Immergut Festival, Fusion und Airbeat One, sollen in diesen Sommer noch stattfinden. Die Immergut-Veranstalter haben ihr Festival vorsorglich von Mai auf August verschoben und sind momentan in Gesprächen mit dem Ordnungsamt in Neustrelitz, da dieses Jahr wegen der Hygieneauflagen alles viel komplizierter sei, so Rike Tesch vom Veranstalter-Team. Auch die Zahl der Zuschauer wurde von 5.000 auf 3.000 reduziert, und natürlich wird es ein Testkonzept geben: "Besucher müssen sich bei Ankunft testen lassen oder einen Test mitbringen", sagt Tesch. "Wenn er negativ ist, bekommen sie ihr Bändchen und dürfen rein. Auch am letzten Tag gibt es noch mal Tests bei uns im Testzentrum."

Anders als in den vergangenen Jahren wird es aber kein Partyzelt geben. Es soll also alles weitestgehend unter freiem Himmel stattfinden und nicht in geschlossenen Räumen. Der Umgang mit Behörden sei in diesem Jahr ganz anders als noch 2020: Man vertraue dieses Jahr mehr auf Testkonzepte und sei insgesamt zugänglicher, meint Tesch.

Fusion Festival wird auf zwei Wochenenden verteilt

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Gäste des Fusion Festivals.

Corona: Fusion-Veranstalter wollen alle Gäste testen

Der Veranstalter hat ein entsprechendes Testkonzept erarbeitet. Voraussetzung ist aber, dass die Infektionszahlen sinken. mehr

Auch das Fusion Festival in Lärz hat ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet: Ähnlich wie beim Immergut-Festival wird es bei Anreise und zum Ende des Festivals Tests geben. Allerdings werden die Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr aufgeteilt: Es wird zwei Festivalzeiträume geben, um die Menschen besser verteilen zu können. Jeweils 35.000 Fusion-Gäste an zwei Wochenenden Ende Juni und Anfang Juli sollen demnach vor und während des Festivals getestet werden. Wenn im Sommer in Mecklenburg-Vorpommern Tourismus erlaubt ist, dann wollen die Veranstalter ihr Festival durchziehen.

Airbeat One mit 80.000 Besuchern geplant

Die Veranstalter von Airbeat One in Neustadt-Glewe sind ebenfalls sehr zuversichtlich: Sie planen ihr Festival mit der vollen Kapazität, also mit 80.000 Besuchern. Natürlich wird es auch dort ein Test-Konzept geben, und darüberhinaus wird auf dem Festivalgelände komplett bargeldlos bezahlt: Dafür bekommen alle Besucher Armbänder mit Mikrochips, was noch weniger Kontakte zur Folge hat. Die Verantwortlichen hoffen darauf, dass das Impftempo anzieht, sodass Anfang Juli mehr Sicherheit existiert.

Meeresrausch-Festival auf Usedom abgesagt

Dagegen haben die kleineren Veranstalter teilweise keinen ganz so langen Atem, weil dort überwiegend Ehrenamtliche und Freiwillige alles organisieren. Das Team vom Meeresrausch-Festival auf Usedom musste seine Veranstaltung absagen, weil es zu viele ungeklärte Fragen gab und der Aufwand für die Macherinnen und Macher nicht zu stemmen wäre, sagt einer der Veranstalter, Maik Eichler. Alleine die lange Schlange beim Testen am Eingang wäre ein riesiges Problem, und auch sonst gäbe es viele Schwachstellen, da man alle wiederholt testen müsste. Das sei nicht realistisch, und das sei auch nicht das, was die Veranstalter wollten. Man hätte zwar eine hohe fünfstellige Förderung bekommen, aber das sei ihnen am Ende doch alles zu unsicher gewesen.

Festivalmacher finanziell angeschlagen

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Der Schriftzug "Hurricane" in der Abenddämmerung.  Foto: Benjamin Hüllenkremer

Hurricane und Deichbrand-Festival sind abgesagt

Weil die Lage wegen Corona zu unsicher sei, haben die Veranstalter die Festivals in Scheeßel und Cuxhaven abgesagt. mehr

Im kommenden Jahr ist Corona hoffentlich kein so großes Thema mehr wie in diesem. Doch die Festivalmacherinnen und -macher sind dennoch finanziell etwas angeschlagen. Umso wichtiger ist es, sich in Zukunft zusammenzuschließen und Erfahrungswerte untereinander auszutauschen. Aus diesem Grund wurde vor kurzem das Festivalbündnis Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen, eine Art Dachverband. Es wird Fachtage geben, bei denen Dozenten die Festivalorganisatoren zu Themen wie Sicherheit, Recht oder Hygiene informieren. Einer der Gründer des Festivalbündnisses ist Daniel Nietsch. Er hat schon Wünsche und Forderungen, was Zukunft betrifft: "Ich halte es für wichtig, dass die Landesregierung Hilfsgelder für die nächsten zwei bis drei Jahre einplant, um unsere tolle Festivallandschaft zu erhalten. Man darf nicht vergessen, dass Festivals in der jeweiligen Region soziokulturelle Aufgaben haben und lokale Initiativen, Wirtschaftsunternehmen und Künstler in Festivals einbinden." Nietsch und seine Mitstreiter seien auch schon dabei, ein Papier für politische Forderungen zu erarbeiten. Darin soll alles stehen, was sie konkret brauchen, um die Festivals in Mecklenburg-Vorpommern zu erhalten.

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Klatschendes, stehendes Publikum vor farbigen Scheinwerfern. © iStock Foto: Dirk Freder

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 13.04.2021 | 19:05 Uhr

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