Stand: 14.09.2020 14:47 Uhr

Hamburger Pianist in freiwilliger Hongkong-Quarantäne

Der Hamburger Pianist Alexander Krichel in einem Hotelzimmer in Hongkong © Alexander Krichel
Der 31 Jahre alte Hamburger Musiker Alexander Krichel hat eine umwerfende Aussicht aus dem Hotelzimmer in Hongkong.

Der Hamburger Konzertpianist Alexander Krichel verbringt gerade zwei Wochen eingeschlossen in einem Hongkonger Hotelzimmer - allein mit einem Klavier. Das ist die Voraussetzung dafür, dass er in der Metropole ein Konzert geben darf. Daniel Kaiser hat mit ihm gesprochen.

14 Tage Quarantäne - Kein zu hoher Preis für ein Konzert

Vierzehn Tage Quarantäne für ein Konzert - das sei kein zu hoher Preis, sagt der Hamburger Konzertpianist Alexander Krichel. "Für uns Künstler ist gerade nichts wirklich normal. Wenn wir jetzt auftreten wollen, müssen wir eben kreativ sein", lacht der 31-Jährige. Er hatte kürzlich das wohl weltweit erste Klassik-Live-Konzert in einem Iserlohner Autokino gegeben.

Hamburger Pianist Krichel spielt in Hongkong täglich live

Der Hamburger Pianist Alexander Krichel in einem Hotelzimmer in Hongkong © Alexander Krichel
In der Einsamkeit des Hotelzimmers führt Alexander Krichel ein Videotagebuch mit kleinen Konzerten.

Auch das neue Vorhaben spricht für die Leidenschaft des umtriebigen Hamburgers. "Es ist auch für mich eine neue Erfahrung, mit einem Klavier eingesperrt zu sein." Die Hong Kong Sinfonietta hatte Krichel eingeladen, ein Konzert zu spielen. Das Orchester und das Hotel haben dafür gesorgt, dass ein Klavier auf dem Zimmer steht und die Nachbarzimmer nicht belegt sind, so dass er spielen kann, wann er will.

Jeden Morgen um acht Uhr deutscher Zeit meldet Krichel sich auf seinem Facebook-Profil und bei Instagram, erzählt von seinem Tag und spielt ein Stück auf dem Klavier. "Krichel's Quarantiano Diary" nennt er sein Videotagebuch. "Ich spiele jeden Tag live ein kleines Konzert. Das gibt mir viel Energie."

Das Essen wird jeden Tag auf den Tisch vor die Tür gestellt. "Der Tisch steht so, dass ich das Zimmer nicht verlassen kann. Ich bin seit Tagen keiner Menschenseele begegnet", berichtet der Hamburger. Der Ausblick aus dem großen Fenster auf Hongkong ist phänomenal. Auch sonst ist auf den wenigen Quadratmetern für Abwechslung gesorgt.

Das Orchester hat ihm eine Yoga-Matte und einen Stepper aufs Zimmer bringen lassen. Er lese viel und habe Zeit zum Komponieren, sagt der Musiker: "Tatsächlich verbringe ich wenig Zeit im Bett, sondern sitze meistens am Schreibtisch oder am Klavier.“ Nach seiner Rückkehr aus Hongkong startet Krichel im Oktober in seine Konzertsaison. Diese führt ihn unter anderem nach Wien, Warschau und Salzburg.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 14.09.2020 | 19:00 Uhr

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