Oliver Mascarenhas (vorne links) und Julian Scarcella (vorne links) mit Musikern im Hintergrund © Mehr Demokratie e.V. Foto: Julian Scarcella

Experiment: Musikerinnen und Musiker vertonen Klimadebatte

Stand: 15.09.2021 17:13 Uhr

Bei ihrem Projekt "Climate Crisis? Stop and listen!" lassen Oliver Mascarenhas, Cellist der NDR Radiophilharmonie, und der Gitarrist Julian Scarcella Statements aus der Klimadebatte zu Musik werden.

Oliver Mascarenhas (vorne links) und Julian Scarcella (vorne links) mit Musikern im Hintergrund © Mehr Demokratie e.V. Foto: Julian Scarcella
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von Raliza Nikolov

Wenn es um die Klima-Debatte geht, ist Streit vorprogrammiert. Aber wie können die unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen in ein produktives Verhältnis zueinander gesetzt werden? Der Cellist Oliver Mascarenhas hat zusammen mit dem Gitarristen und Komponisten Julian Scarcella Statements von Personen des öffentlichen Lebens herausgesucht und vertont.

Projekt vertont unterschiedliche Positionen zur Klimadebatte

"Da gibt es ein Statement von Papst Franziskus, der sagt, wir dürften die Jugend nicht ihrer Zukunft berauben, wenn wir immer mehr CO2 in die Luft stoßen", so Mascarenhas. "Oder Alice Weidel, die meint, diese ganze Klima-Hysterie sei an den Haaren herbeigezogen und ziehe letztendlich den Deutschen das Geld aus der Tasche. Es gibt also ganz unterschiedliche Positionen, aber das bietet uns Musikern einen fruchtbaren Nährboden, um musikalisch zu antworten."

Die musikalischen Antworten wurden Mittwochabend uraufgeführt. Aus einem Keller in Hameln senden die Musikerinnen und Musiker ihre Botschaft in die Welt. Es sind expressive Songs für Solo-Cello, Streichquartett und Band.

Cellist Oliver Mascarenhas: "Man muss den Diskurs wagen"

Oliver Mascarenhas © Jo Titze Foto: Jo Titze
Der Cellist Oliver Mascarenhas ist seit 1997 Mitglied der NDR Radiophilharmonie und außerdem vielseitig solistisch aktiv, vor allem im Crossover-Bereich.

"Die Essenz der Klimadebatte ist, dass dort teilweise sehr konträre Stimmen aufeinanderprallen, aber das ist ja selbstverständlich erlaubt", sagt Mascarenhas. "Es kann nicht immer nur 'Ja und Amen' geben, sondern man muss den Diskurs wagen, und manchmal muss man sich streiten. Es wäre nur schön, wenn es dann am Schluss eine möglichst einhellige Lösung gibt, und das haben wir versucht mit dieser Musik."

Die Autorin Ute Scheub beschreibt sich selbst als "Geburtshelferin für ökosoziale Projekte und Geschichten des Gelingens". Sie wird mit ihren Texten weitere gedankliche Impulse geben und legt Wert auf die klingende Botschaft des demokratischen Miteinanders.

Autorin Ute Scheub über Resonanz und Stimmigkeit

"Sowohl in der Demokratie als auch in der Musik geht es um Resonanz", so Scheub. "Und es geht um Stimmen. Stimmen sind ganz zentral für die Musik, aber eben auch für die Demokratie. In allen diesen Begriffen wie 'abstimmen', 'umstimmen' oder 'übereinstimmen' ist das Stimmorgan mit drin. Und Demokratie bedeutet für mich, dass die Resonanz und Stimmigkeit da sein muss zwischen Regierten und Regierenden, sonst taugt das Ganze nicht so viel."

Die Vielstimmigkeit ist ein notwendiges Wesensmerkmal der Demokratie, ebenso die Langsamkeit von Entscheidungsprozessen. Ute Scheub hofft, mit Projekten wie diesem etwas zu bewirken, gesteht aber: "Ich tue mich schwer mit Stimmen, die andere Stimmen ausschließen wollen. Die Rechtspopulisten leugnen nicht nur die Klimawissenschaft, sondern sie leugnen auch die Notwendigkeit, dass diese Demokratie vielstimmig sein muss."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 15.09.2021 | 09:20 Uhr

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