Kinder stehen mit Instrumenten auf einer Wiese © picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke Foto: Robert Kneschke

Erste Studie zum Amateurmusizieren in Deutschland

Stand: 25.03.2021 12:33 Uhr

Das Deutsche Musikinformationszentrum hat die erste repräsentative Studie zum Amateurmusizieren vorgestellt. Einige Ergebnisse überraschen.

Kinder stehen mit Instrumenten auf einer Wiese © picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke Foto: Robert Kneschke
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von Anna Kremer

Rund 14 Millionen Menschen machen in Deutschland in ihrer Freizeit Musik. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Deutsche Musikinformationszentrum nun vorgestellt hat (hier in voller Länge zum Nachlesen). Befragt wurden mehr als 1.000 Menschen ab 16 Jahren aus dem ganzen Land. Mehr als 300 Eltern gaben zudem Auskunft über die Musizier-Gewohnheiten ihrer Kinder. Somit liegen auch Daten über die Altersgruppe sechs bis 15 Jahre vor.

Ein nicht sehr überraschendes Ergebnis gleich zu Beginn: Das beliebteste Instrument bei Hobbymusikerinnen und -musikern aller Altersstufen ist das Klavier. Ansonsten gibt es große Unterschiede in den verschiedenen Altersgruppen.

Mit zunehmendem Alter nimmt das Musizieren ab

Bei Kindern im Alter zwischen sechs und 15 Jahren macht jedes zweite Kind Musik, das heißt es spielt ein Instrument oder singt. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen ist es immerhin noch jedes Dritte und in den Altersgruppen ab 30 Jahren nimmt das Hobbymusizieren weiter ab - da sind es etwa 12 Prozent.

Eine Erklärung liegt nahe. Im Alter von 16 Jahren wechselt man von der Schule in die Ausbildung. Mit 30 folgt meistens dann der Berufseinstieg oder die Familiengründung. Somit bleibt weniger Zeit zum Musizieren.

Früher Beginn hält Lust am Musikmachen länger hoch

Befragt wurden die Teilnehmer der Studie auch nach ihrem ersten Kontakt mit der Musik und wie lange sie dem Musikmachen treu geblieben sind. Hieraus geht klar hervor: Je früher Menschen anfangen, Musik zu machen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auch, dass sie dranbleiben. Das Ergebnis unterstreicht wie wichtig der Kontakt zur Musik im frühen Kindesalter oder in der Schule und der Musikschule ist.

Aktiv sind die Amateurmusikerinnen und -musiker in verschiedensten Kontexten. Acht von zehn spielen zu Hause oder im privaten Umfeld, ein Viertel musiziert in einem Chor, knapp ein Fünftel in der Kirche. Aber auch in Bands, Blaskapellen und Spielmannszügen, Orchestern und Ensembles, bei Freizeiten oder Brauchtumsveranstaltungen sind die Menschen engagiert.

Sozialer Hintergrund macht einen Unterschied

Bei den rund 14 Millionen Amateurmusikern in Deutschland lassen sich deutliche Unterschiede beobachten, je nach sozialem Hintergrund der Befragten. So musizieren gebildete Menschen mit höherem Einkommen etwa doppelt so oft wie Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status.

"Wir haben auch gesehen, dass beim Singen die Unterschiede etwas marginaler ausfallen als beim Instrumentalspiel", sagt Stephan Schulmeistrat, Leiter des Musikinformationszentrums und damit Auftraggeber der Studie. "Das wird natürlich auch damit zusammenhängen, dass das Erlernen von Instrumenten mit Kosten verbunden ist, so für den Instrumentalunterricht, für die Anschaffung eines Instruments. Aber natürlich würden wir uns wünschen, das Musizieren auch den unteren und mittleren Schichten zu ermöglichen und attraktiver zu machen."

Seit Beginn der Pandemie wird weniger gesungen

Das Deutsche Musikinformationszentrum wollte in der Studie ausdrücklich die normalen Musizier-Bedingungen abbilden und hat die Teilnehmer deswegen zu den Gewohnheiten vor der Corona-Pandemie befragt. Sie konnten jedoch angeben, ob und wie sich das vergangene Jahr auf die Häufigkeit des Musizierens ausgewirkt hat.

"Natürlich ist es so, dass viele Menschen ihrem Hobby, der Musik, nicht mehr nachgehen können. Gerade im Vokalbereich hat die Hälfte aller Befragten gesagt, dass sie weniger musiziert", so Stephan Schulmeistrat vom Musikinformationszentrum. "Auf der anderen Seite gibt es auch einen kleinen Lichtblick: Bei den Instrumentalisten ist es so, dass ein Viertel tatsächlich geantwortet hat, sie würden seit Beginn der Pandemie sogar mehr musizieren."

Im Norden wird weniger musiziert als im Süden

Auch regional gibt es ein erstaunlich starkes Gefälle. So machen in Süddeutschland überdurchschnittlich viele Menschen in ihrer Freizeit Musik. Im Rest von Deutschland, also im Osten, im Westen und auch hier bei uns im Norden, sind es deutlich weniger. 24 Prozent der Befragten in Bayern und Baden-Württemberg gaben an, dass sie regelmäßig, gelegentlich oder zumindest selten in ihrer Freizeit musizieren. Im Osten waren es nur elf, in den westlichen und norddeutschen Bundesländern 14 Prozent.

Ob die Menschen in Großstädten oder im Dorf leben, das macht tatsächlich keinen Unterschied. Die Zahlen an Hobbymusikern sind in der Stadt und auf dem Land nahezu identisch. 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 24.03.2021 | 16:20 Uhr

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