Stand: 15.08.2019 08:51 Uhr

See More Jazz Festival beginnt in Rostock

von Matthias Schümann

See More Jazz heißt das kleine, aber durchaus feine Jazz-Festival, das jedes Jahr in Rostock stattfindet. Zwei Jazzclubs der Stadt haben sich dafür zusammengetan und stellen jedes Jahr im August ein dreitägiges Programm auf die Beine, und zwar an ungewöhnlichen Orten, nämlich im Klostergarten, im Rostocker Zoo und in der Kunsthalle. Im vergangenen Jahr feierten die Organisatoren Festival Nummer zehn. Die elfte Ausgabe vom 16. bis 18. August bedeutet nun keineswegs den Einzug der Normalität - im Gegenteil, für die diesjährige Ausgabe ist den Organisatoren ein regelrechter Coup gelungen.

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Bugge Wesseltoft, Dan Berglund und Magnus Öström bilden das Trio Rymden.

Das See more Jazz Festival 2019 wird international. An drei Tagen treten in Rostock Künstlerinnen und Künstler aus sechs Nationen auf. Musikerinnen und Musiker aus Israel, Polen und Großbritannien sind dabei, in manchen Bands sind gleich mehrere Nationalitäten vertreten wie bei Rymden, in der Norweger und Schweden spielen.

Die Supergroup Rymden zu Gast

Rymden ist das schwedische Wort für Räume, und diese Räume, die das Trio eröffnet, dürften jedem Jazzfan ein Pflichtbesuch abnötigen. Es handelt sich um den weltberühmten norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft und die beiden Schweden Dan Berglund und Magnus Öström an Bass und Schlagzeug. Andreas Martens und Rene Geschke als Organisatoren des See more Jazz sind stolz, dass sie diese Musiker für Rostock buchen konnten. Am Festivalsonnabend stehen sie auf der großen Bühne im Zoo. "Man muss ehrlich zugeben, wir hatten Glück," so Andreas Martens. "Wir haben verhandelt, wir haben gebattelt, und haben ein wenig auch mit unserer außergewöhnlichen Location gepunktet. Im Zoo hat in der Regel noch kein Musiker gespielt."

Rymden ist eine Supergroup. Denn Berglund und Öström stehen für ein unglaubliches Stück der jüngeren Jazz-Geschichte, leider auch ein unglaublich trauriges. Sie waren zwei Drittel des berühmten Esbjörn Svensson Trios. Das Esbjörn Svensson Trio spielte Konzerte vor bis zu 30.000 Menschen. Dann im Jahr 2008 der Schock: Esbjörn Svensson verunglückt tödlich. Beim Tauchen vor Stockholm löst sich offenbar der Luftschlauch, der Pianist erstickt unter Wasser. Mehr als zehn Jahre dauert es, bis sich seine Freunde und Mitmusiker zu einer neuen Band, zu Rymden, formieren.

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Vladyslav Sendecki (li.) und Jürgen Spiegel bringen Piano und Schlagzeug zusammen.

Nicht ganz so berühmt, aber auch sehr bekannt sind der polnische Pianist Vladyslav Sendecki von der NDR Bigband und der Tingvall-Trio-Drummer Jürgen Spiegel, die am Festivalftreitag miteinander musizieren. Ebenfalls nicht unbekannt ist der Trompeter Sebastian Studnitzky. Er steht für stilsichere Grenzgänge, bei denen sich Jazz zum Beispiel mit Technobeats verbindet.

Auch dies ist eine Spezialität des See more Jazz, das den erwarteten 1.500 Besuchern neben dem klassischen Jazz noch ganz andere Genres bietet, allerdings ohne dabei beliebig zu werden, sagt Organisator Rene Geschke: "Da muss man übrigens aufpassen: Dieser Crossover-Gedanken, den man beim Jazz-Festival hat - Stichwort Elbjazz oder auch das Montreux Jazz Festival - wird häufig überzogen. Und das ist genau das, was wir eben nicht wollen. Dass wir also zu profan und zu rockig werden, weil es so schön einfach ist damit mehr Publikum zu begeistern. Es ist ja ein Genre, in dem es alle Facetten und alle Grenzbereiche gibt. Und das zu kommunizieren, das macht am meisten Spaß!"

Hier wird vermittelt, was Jazz alles kann

Puristen sind die Organisatoren des See more Jazz nicht, also darf auch getanzt werden, was spätestens beim Auftritt der britischen Band Wildcard möglich sein dürfte. Am Sonntag kommt schließlich der israelische Pianist Nitai Hershkovitz extra aus den USA nach Rostock. Aber auch regional will das See more Jazz verwurzelt sein. Jedes Jahr stehen ganz am Anfang Musiker aus Rostock auf der Bühne. "Es ist uns einfach wichtig", erklärt Andreas Martens, "dass wir nicht nur sagen, das ist ein Rostocker Festival. Wir wollen das auch in die Tat umsetzen, indem wir Rostocker Musiker engagieren." In diesem Jahr macht Destinesia den Auftakt, die Band um den Rostocker Pianisten Cornelius Rauch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.08.2019 | 06:40 Uhr

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