Stand: 11.01.2019 08:29 Uhr

Emiliano Ramniceanu: Klaviertalent aus Venezuela

von Anina Pommerenke
Bild vergrößern
Backstage in der Elbphilharmonie: In der Künstlergarderobe spielt Emiliano Ramniceanu sich vor dem Konzert ein. Aus dem Fenster blickt er direkt auf die Elbe.

Die wirtschaftliche und politische Lage in Venezuela ist seit Jahren dramatisch. Immer mehr Menschen fliehen nach Kolumbien, in die USA oder auch nach Europa. Auch für Künstler ist es fast unmöglich geworden, dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der 28 Jahre alte Pianist Emiliano Ramniceanu hat sein Heimatland vor etwas mehr als zwei Jahren verlassen. Ende Januar wird er zum ersten Mal im Großen Saal der Elbphilharmonie in Hamburg spielen.

Es war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Emiliano Ramniceanu durfte am 6. Januar ein Stiftungskonzert im Kleinen Saal der Elbphilharmonie spielen. Die Zuhörer waren hinterher begeistert. Seit seinem siebten Lebensjahr spielt Ramniceanu Klavier. Er hat in San Francisco und New York studiert. Doch seinen Master musste er abbrechen, weil seine Familie in Venezuela in der Wirtschaftskrise in Not geraten war. Für zwei Jahre kehrte er in sein Heimatland zurück: "Ich habe ein bisschen als Orchesterpianist gearbeitet. Da habe ich allerdings weniger als einen Euro pro Veranstaltung verdient. Das ist fast unmöglich, dort als Musiker zu arbeiten."

Nach einem Konzert entdeckt

Emiliano Ramniceanu sitzt am Klavier in der Elbphilharmonie © NDR.de Foto: Anina Pommerenke

Emiliano Ramniceanu: Klaviertalent aus Venezuela

NDR Kultur Klassisch unterwegs

Der 28-jährige Pianist Emiliano Ramniceanu hat Venezuela vor etwa zwei Jahren verlassen. Ende Januar spielt das große Talent zum ersten Mal in der Elbphilharmonie.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Auf der Suche nach einer möglichst hochwertigen und gleichzeitig bezahlbaren Ausbildung bewarb er sich am Konservatorium in Hamburg. Seine Lehrerin Christiane Behn erinnert sich an den holprigen Start: "Er ist erst Ende November angekommen, anstelle von Anfang Oktober, glaub ich. Und das lag an den Papieren, weil er sozusagen nicht raus kam."

Da er ohne Deutschkenntnisse zunächst keinen Job fand, musste Ramniceanu sich mit ein wenig finanzieller Unterstützung seiner Eltern in Hamburg durchschlagen. Das änderte sich erst nach einem Konzert in der Klangmanufaktur, weiß Kulturmanagerin Magdalena Reusch: "Er hat sich nach dem Konzert an den Flügel gesetzt und unser Konzertmeister sagte dann, er habe noch nie jemanden so schön Chopin spielen hören. Und dann bin ich neugierig geworden und wir haben uns kennen gelernt. Wenn so viel Begabung auf so wenig Geld trifft, muss man jemanden unterstützen."

Großes Talent geht seinen Weg

Bild vergrößern
Das Stiftungskonzert der Stiftung Flügel Fundus soll es nun jedes Jahr am ersten Sonntag des Monats geben. Emiliano Ramniceanu ist der erste Stipendiat der Stiftung für hochbegabte Pianisten.

Reusch half ihm bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung und ermöglichte es ihm, dort ein Konzert zu spielen. Auf Empfehlung der Flügel-Werkstatt und des Hamburger Konservatoriums erhielt er sogar das erste Stipendium der Stiftung Flügel-Fundus für begabte Pianisten. "Es ist natürlich eine hervorragende Technik, die man einfach haben muss", erklärt seine Lehrerin Christiane Behn, "aber es ist auch, und das macht eben bei Emiliano das Besondere aus, dass er schon eine Reife, etwas sehr Individuelles hat. Und das versuche ich auch nicht zu zerstören."

Seine Begabung konnte er auch in einem internen Wettbewerb des Konservatoriums unter Beweis stellen. In drei Monaten erarbeitete er sich die Solistenrolle von Prokofjews erstem Klavier-Konzert. Ende des Monats darf er es nun in der Elbphilharmonie unter der Leitung von Michael Petermann mit dem Publikumsorchester spielen. Und darauf, so gesteht er, "habe ich viel Vorfreude und ich werde das ganz viel genießen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 11.01.2019 | 14:20 Uhr

Mehr Kultur

03:39
Nordmagazin

Ein Rostocker Stadtteil belebt sich selbst

15.01.2019 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:09
Nordmagazin

Wappenkünstler: Mit 90 im Dienst der Heraldik

15.01.2019 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:55
Schleswig-Holstein Magazin

1861: Die Jagd auf "ausgestorbene" Wale

15.01.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin