Stand: 20.03.2017 08:15 Uhr

Dudamels Beethoven-Marathon begeistert

von Marcus Stäbler

In der Elbphilharmonie präsentiert das Jugendsinfonieorchester von Venezuela unter der Leitung von Gustavo Dudamel an fünf Abenden alle neun Sinfonien von Beethoven. Der Auftakt am Sonntag war ein vielversprechender Start in den ersten venezolanischen Beethoven-Zyklus in Hamburg.

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Gustavo Dudamel ist regelmäßig in den wichtigen Konzerthäusern der Welt zu Gast. Mit seinem Beethoven-Zyklus gastiert er in der Elbphilharmonie.

Vor zehn Jahren erlebte das Jugendsinfonieorchester von Venezuela seinen internationalen Durchbruch. Bei Konzerten in der Carnegie Hall oder den Londoner Proms wurde es als Sensation gefeiert, Dirigent Sir Simon Rattle sah in dem staatlichen Förderprogramm "El Sistema" die Zukunft der Musik. Mittlerweile ist das Orchester erwachsen geworden und regelmäßig in den wichtigen Konzerthäusern der Welt zu Gast. Jetzt also auch in der Elbphilharmonie mit einem Beethoven-Programm.

Die Energie und die Freude am Teamwork sind beim Orquesta Sinfónica Simón Bolívar de Venezuela, wie es mit vollem Namen heißt, in jedem Ton zu spüren. Ein Orchester, das musikalisch aber auch optisch eine ganz eigene Aura hat. Durch die immer noch junge, überwiegend männliche Besetzung, durch die fast einheitlich schwarze und dichte Haarpracht und durch einen großen Bewegungsradius der Musiker. Dieser Klangkörper atmet und pulsiert stärker als viele europäische Orchester. Wenn es passt, zeigt er gern mal seine Muskeln, wie im Eröffnungsstück: der Egmont-Ouvertüre von Beethoven.

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Dudamels Beethoven im Videolivestream

Gustavo Dudamel, der "heißeste Dirigent des Planeten", wie er mal genannt wurde, ist mit seinem Beethoven-Zyklus in der Elbphilharmonie zu Gast. Hier geht's zum Videolivestream. mehr

36-jähriger Dudamel wirkt deutlich gereift

Gustavo Dudamel lenkt das Temperament seiner Kollegen in geordnete Bahnen. Mit 36 Jahren wirkt er merklich gereift, nicht nur wegen des leichten Grauschimmers auf seinem Lockenkopf. Er dirigiert das ganze Konzert in der Elbphilharmonie auswendig, hält immer den Blickkontakt zu den Musikern und dosiert seine Gesten sehr viel sparsamer als früher. Mit klarem, kontrolliertem Schlag führt er das Orchester durch die Werke des jungen Beethoven, der noch stark von Haydn und Mozart inspiriert ist.

Im Andante der ersten Sinfonie formt Dudamel einen schlanken Ton; die Musik klingt leicht und transparent. Da gibt sich der spätere Revolutionär Ludwig van Beethoven noch ganz klassisch. Aber im anschließenden Menuett zündet er seine ersten Explosionen - von Dudamel und seinem Orchester feurig inszeniert.

Finale voller Energie

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So kennt man Gustavo Dudamel: energetisch und voller Kraft.

Die Konzentrationskurve scheint nach der Pause, bei Beethovens zweiter Sinfonie, kurz ein bisschen durchzuhängen - nicht nur wegen der einzelnen Kiekser im Horn. Doch spätestens im Finale ist das Anfangslevel wieder erreicht. Dort gibt Gustavo Dudamel noch einmal richtig Gas und geht fast wie früher aus sich heraus: Als er auf dem Podium hüpft und einmal hörbar mit dem Fuß aufstampft, ist er ganz der Alte, beziehungsweise der junge Dudamel. Das Orchester lässt sich nicht zweimal bitten.

Insgesamt ein sehr lebendiger, frischer und sympathischer Auftritt - und ein vielversprechender Start in den ersten venezolanischen Beethoven-Zyklus in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 20.03.2017 | 10:20 Uhr

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