Ein brennender Schlitten mit der Aufrschrift "Rosebud". © picture-alliance / Mary Evans Picture Library | -

Der Schluss - eine kleine Kulturgeschichte des Endes

Stand: 31.12.2021 06:40 Uhr

Der letzte Tag des Jahres ist nicht ganz einfach zu gestalten. Zu Ende bringen - das ist eine richtige Kunst. Eine kleine Kulturgeschichte des Schlusses.

 Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, Louis. Rick (Humphrey Bogart) zu Capitaine Louis Renault (Claude Rains) auf dem Rollfeld in der Schlussszene von "Casablanca"

Das ist es. Das perfekte Ende. Die Kamera hebt sich. Die verlassenen Helden laufen über das neblige Flugfeld. Diese Geschichte ist vorbei. Aber die nächste, ganz andere beginnt.

Es wird nach einem happy end, im Film jewöhnlich abjeblendt Gedicht "Danach" von Kurt Tucholsky

Vorbei, Feierabend, Schluss: Das bedeutet nicht einfach, dass etwas aufhört. Das Ende muss stimmen. Wie bei einem Turner, der sich nach seiner Riesenfelge gekonnt vom Reck in den Stand schwingt.

Beatles: Die Meister des gepflegten Endes

Zum Beispiel die Beatles in "Yesterday": Ein Schluss wie ein Nachklang, ein Hall des ertönten Liedes. Ein Nachgeschmack wie beim getrunkenen Schluck Wein.

Die Beatles sind Meister des gepflegten Endes: Das letzte Lied ihrer letzten gemeinsamen Platte heißt "The End" - besser kann man nicht abgehen.

Klassische Musik - die Suche nach dem würdigen Abschluss

Das Ende ist in der Musik ein beliebtes Thema. Es passt besonders zu traurigen Anlässen gut, die - klingt nicht nur paradox, sondern ist es auch - nicht so schnell enden sollen.  In der klassischen Musik muss es vor allem würdig, feierlich, dramatisch zu Ende gehen. Überraschen soll hier nichts. So mancher Komponist kann sich hörbar schwer trennen von seiner schönen Melodie und zögert.

Abschluss großer Literatur

In großen Romanen blitzt im Schluss gern noch einmal formelhaft die Handlung auf.

Das große Leichentuch des Meeres wogte weiter wie vor fünf Jahrtausenden. "Moby Dick" - Herman Melville

 Auch wenn das Ende von "Vom Winde verweht":

 Schließlich, morgen ist auch ein Tag.  "Vom Winde verweht" - Margaret Mitchell

Dummerweise mehr zu einer Fortsetzung einlädt. Dann schon lieber so ein Schluss wie bei Harry-Potter.

Und alles war gut. "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" - Joanne K. Rowling

Ende gut, alles gut. Schluss aus, vorbei.

Der Rest ist Schweigen. "Hamlet" - William Shakespeare

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 31.12.2021 | 06:40 Uhr

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