Stand: 12.02.2020 17:04 Uhr  - NDR Info

Deichkind-Tourauftakt: Show als lebendes Gemälde

von Anina Pommerenke

Kindergeburtstag für Erwachsene - so bezeichnen Deichkind gerne ihre Konzerte. Die Hamburger Band und ihr Publikum toben sich dabei in ausgefallenen Kostümen und wahnwitzigen Dekorationen aus. Dabei ist die Musik - eine Mischung aus Hip-Hop und Electro-Punk - nicht besonders mainstreamtauglich. Dennoch ist die Fangemeinde von Deichkind riesig. Ein Bericht vom Auftaktkonzert der Deutschlandtour am Dienstag in Kiel.

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Gut gelaunt starten die Mitglieder der Band Deichkind ihren Tourauftakt in Kiel.

Rund 8.000 Fans sind gekommen, um zu feiern. Teils in selbst gemachten Kostümen aus blauen Ikea-Taschen, mit Leuchtstäben im Haar und aus Zeitungspapier gefalteten Dreiecks-Hüten. Es sind Referenzen an ikonische Deichkind-Kostüme aus 23 Jahren Bandgeschichte. Doch bevor der Bass anfängt zu wummern, gibt es eine Video-Installation mit Performance-Kunst.

Lars Eidinger auf Deichkind-Video in Farbe getunkt

Auf dem weißen Vorhang vor der Bühne ist Schauspieler Lars Eidinger zu sehen. Nackt wird er mit Hilfe einer an seinen Knöcheln befestigten Konstruktion über den Boden gezogen und dann kopfüber in einen Topf mit blauer Farbe getunkt. Anschließend räkelt und tanzt der Schauspieler über eine weiße Leinwand. Nach und nach entsteht ein Kunstwerk. Es ist das Bühnenbild für Akt eins der neuen Deichkind Show.

Die bunteste Deichkind-Show seit langem

Deichkind stehen in weißen Kostüme mit blau besprenkelter Farbe auf der Bühne. Dann ändert sich das Farbschema zu rosa, rot und schließlich grün. Es ist die bunteste Show der Band, die sich schon so oft neu erfunden hat, obwohl schon mehrfach vom Aufhören die Rede war.

Das letzte verbleibende Gründungsmitglied Phillip Grütering sagte dazu im Vorfeld der Tour zum Online-Magazin "Nicetry": "Wir haben Datenkraken wie Google und Facebook. Und wir haben einen Rechtsruck in der Gesellschaft. Nicht nur bei uns, sondern auch in Frankreich und Italien. Das ist uns ein Bedürfnis, da irgendwie eine Haltung zu zeigen. Wir wollen nicht mit dem Zeigefinger sagen, wir haben die Lösung und alle Nazis raus. Sondern es ist komplizierter und komplexer, als wir uns das vorstellen können." Kritik üben Deichkind subtil. Und so vermischen sich auch an diesem Konzertabend Politik mit Performance und Party.

Kollektives Erleben steht im Vordergrund

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Die Bühne sei eine Leinwand, die Show mit Publikum ein lebendes Gemälde, sagt Band-Mitglied Henning Besser.

Mit seinen fahrenden Elementen erinnert die perfekt durchchoreografierte Bühnenshow fast an eine Theaterinszenierung. Obwohl es eigentlich nur drei Bandmitglieder gibt, stehen Deichkind zu siebt auf der Bühne. Wer zur Band gehört und wer nicht, wird zeitweise durch die Kostüme und Masken nicht klar. Es ist egal, denn bei Deichkind steht das Kollektiv und das kollektive Erleben im Vordergrund.

Deichkind: "Show ist lebendes Gemälde"

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Vom Aufhören ist keine Rede mehr bei der Hamburger Band.

Der kreative Kopf dahinter ist Bandmitglied Henning Besser: "Das Ziel ist, in der Bühnenshow einen Organismus zu bilden, der sich gegenseitig steuert und Wechselwirkung hat. Das zusammen ergibt ein lebendes Gemälde - also mit der Bühne als Leinwand. Aber das Publikum ist Teil dieses Gemäldes. Denn ohne eine mit 10.000 Menschen gefüllte Halle wäre nur ein Teil dieser Leinwand bemalt. Wir laden alle ein, mit uns dieses Gemälde zu malen und anzugucken", so Besser.

Kindergeburtstag auf Ecstasy

Kulturjournal -

Die Hamburger Band "Deichkind" hat ein neues Album auf den Markt gebracht: "Wer sagt denn das?". Doch die Band singt nicht allein. Mit dabei sind Mark Foster, Olli Schulz und Jan Böhmermann.

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Nach drei Stunden Eskalation zu Songs aus zwei Jahrzehnten Deichkind haben sich die Bandmitglieder etliche Male umgezogen, sind in einem riesigen Fass durchs Publikum gefahren und haben Bier ins Publikum gespritzt. Weitere Konzerte in Norddeutschland gibt die Band die Band unter anderem am Mittwoch in Rostock, am Freitag in Braunschweig und am 7. März in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 12.02.2020 | 10:55 Uhr