Stand: 25.03.2020 10:12 Uhr  - NDR Info

Musikunterricht aus der Ferne

von Verena Gonsch

Viele Menschen arbeiten während der Corona-Krise im Homeoffice. In einigen Berufen gestaltet sich das digitale Arbeiten aber schwieriger als bei anderen: zum Beispiel bei Musikschullehrern. Zwei Hamburger Lehrerinnen arbeiten mit kreativen Ideen, um ihre Schüler auch digital optimal unterrichten zu können.

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Alice Gräfin Grote spielt neben ihrer Arbeit als Musiklehrerin auch als Cellistin in Sinfonieorchestern.

Alice Gräfin Grote ist Cellistin und Cellolehrerin. Um ihre Schüler auch digital möglichst gut unterrichten zu können, nutzt sie eine spezielle Software. "Ich arbeite meist mit Zoom, das ist eine Software - von Musikern, für Musiker", erklärt Grote. "Sie hat den Vorteil, dass der Klang beim Spielen nicht so verzerrt wird."

Als Hausaufgabe gibt es dann ein Mitspielvideo auf YouTube dazu, in dem Grote das aktuelle Übungsstück einspielt. Denn mit den Kindern zusammenspielen, das ginge auch über Zoom nicht. Seit vergangener Woche führt Alice Gräfin Grote ihren kompletten Unterricht digital durch. Sie ist froh, dass sie damit wenigstens weiter Einnahmen hat. Denn ihre Cello-Konzerte stehen erst einmal in den Sternen. "Ich musste unter anderem ein Konzert im Mai in London absagen", schildert Grote. "Auch ein Konzert im Sommer ist schon gecancelt worden. Wie es weitergeht, muss man sehen."

Angst vor der Zukunft

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Lernen digital: Musikschullehrerin Wan Cheng unterrichtet ihre Kinder in Quer- und Blockflöte aus der Ferne.

Auch Wan Cheng hat Sorgen angesichts der ungewissen Zukunft. Die Hamburger Querflötenlehrerin stellt gerade ebenfalls ihren Unterricht um. "Ich habe alle Kinder und ihre Eltern gefragt und alle waren begeistert und wollen in jedem Fall weitermachen", sagt sie. Auch der Musikschullehrer-Verband habe geraten, alles auf Online-Unterricht umzustellen. Ob und wenn ja, wie viel Geld Musiklehrer vom Staat bekommen, sei noch ungewiss.

Bei Wan Cheng selbst ist in der vergangenen Woche noch ein wichtiges Konzert abgesagt worden. "Viele meiner Freundinnen und Freunde leben nur von den Konzerten", so die Musikerin. "Ich habe noch den Unterricht, aber sie können jetzt noch nicht einmal mehr ihre Miete zahlen."

Digitale Möglichkeiten sind "Glück im Unglück"

Für die Kinder, die jetzt sowieso zu Hause sitzen, ist der Unterricht eine gute Abwechslung. Beide Lehrerinnen sind froh über die digitalen Möglichkeiten. Alice Gräfin Grote sieht darin auch eine große Chance: "Wir haben zum Glück die technischen Voraussetzungen: Jeder hat einen Laptop, ein iPhone oder Smartphone zu Hause. Vor 20 Jahren wäre das alles nicht möglich gewesen. Insofern haben wir noch Glück im Unglück."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 25.03.2020 | 06:55 Uhr

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