Stand: 16.07.2020 16:52 Uhr

Corona: Erste Konzerte im Norden finden wieder statt

von Petra Volquardsen

In den vergangenen Wochen und Monaten war die Aktion Kultur trotz Corona als Online-Angebot des NDR für Musikerinnen und Musiker eine Art Ersatzbühne. Viele haben Videos von zu Hause oder aus dem Studio geschickt und uns allen damit einen Lichtblick in den Alltag der Corona-Pandemie gezaubert. Während die Clubs immer noch geschlossen sind, sind kleinere Konzerte wieder möglich. Um die Corona-Regeln einzuhalten, lassen sich Musiker und Veranstalter vieles einfallen.

"Es war toll, wieder auf der Bühne zu sein. Wenn man das nach drei, vier Monaten wieder machen darf, dann ist das schon was Besonderes", sagt Sängerin Miu. Die Hamburger Jazz-Künstlerin ist vergangene Woche beim Start des Kulturfestival Schleswig Holstein in Eutin erstmals wieder vor Publikum aufgetreten. Dort saßen die Zuschauer in Strandkörben, die weit entfernt voneinander aufgestellt waren.

Konzerte häufig noch vor wenigen Zuschauern

Soul-Sängerin San Glaser und ihr Mann Arnd Geise, die bei der NDR Aktion Kultur trotz Corona mitgemacht haben, freuen sich ebenfalls, jetzt wieder ein erstes Konzert geben zu dürfen. Ende des Monats spielen sie in einer italienischen Bar in Hamburg-Eppendorf. "Wir sitzen drinnen und die Fenster und Türen werden alle aufgerissen", erzählt Glaser. "Die Gäste sitzen draußen, speisen und hören von dort zu."

Aino Löwenmark und Hanmari Spiegel sind zusammen das Hamburger Folk-Pop-Duo Fjarill. Sie strahlen nur so, wenn sie von ihrem ersten Konzert seit Langem vor ein paar Tagen in Lüneburg erzählen: "Das war wirklich sehr emotional, das kann man überhaupt nicht vergleichen mit den Livestream-Konzerten." Auch Tom Klose gehört zu den ersten Musikern, die schon wieder vor Publikum gespielt haben. Vor 40 Zuhörern in der Fischhalle in Harburg: "Ich war die ganze Zeit voll am Grinsen", sagt Klose.

Anna Depenbusch und Johannes Oerding spielen im Freien

Anna Depenbusch © Jazz Archiv Hamburg Foto: Michi Reimers
Anna Depenbusch bei einem Open-Air-Auftritt auf dem Spielbudenplatz im Jahr 2013. In diesem Jahr wird sie häufiger im Freien singen.

Schöne Momente, die anderen noch bevorstehen. Gleich 15 Konzerte plant Johannes Oerding ab dem 20. August im Hamburger Stadtpark. Für Anna Depenbusch ist es im August soweit. Die Konzerte heißen "Echtzeit im Grünen". "Das ist der Bezug auf mein Album 'Echtzeit'", erzählt die Pop-Sängerin. Die Konzerte sollen Corona-konform "auf der Wiese stattfinden". In Lüneburg tritt Depenbusch im Rahmen des Kultursommers auf und in Stade im Lichtspielgarten. Zwei Konzerte im Freien, auf die sie sich jetzt schon wie verrückt freue.

Und auch Jazz-Sängerin Tokunbo muss nicht mehr ganz alleine zu Hause singen wie in ihrem Kultur-trotz-Corona-Video, sondern kann demnächst drei Konzerte vor Publikum spielen. "Diese drei Konzerte finden draußen statt und bei schlechtem Wetter finden sie nicht statt", sagt Tokunbo. Das sei keine sichere Basis, aber eine schöne Möglichkeit, endlich mal wieder mit dem Publikum live in Kontakt zu kommen.

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"Es macht Spaß, wieder in echte Gesichter zu gucken"

Konzerte im Freien, mit Abstand, mit deutlich weniger Publikum als vor Corona. Von irgendeiner Form der Normalität kann bei alledem natürlich nicht die Rede sein, meint auch Sängerin Miu. Ein paar Sommerkonzerte allein könnten die Lage nicht retten, die Situation für Musiker und auch für die Clubs, die immer noch nicht wieder öffnen dürfen, bleibt problematisch. Und trotzdem: "Es macht total viel Spaß, wieder in echte Gesichter zu gucken. Kein Streaming-Konzert dieser Welt kann das ersetzen", sagt Miu.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.07.2020 | 19:00 Uhr

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