Der leere Exil Club in Göttingen während eines Streaming-Konzertes. © Exil Club/Bea Roth

Clubbetreiber in Niedersachsen: Förderprogramme kaum hilfreich

Stand: 13.03.2021 08:07 Uhr

Für viele Musiker und Musikerinnen sind Online-Konzerte derzeit die einzigen Bühnen, um Geld zu verdienen. Doch die Förderprogramme des Landes Niedersachsen helfen den Clubbetreibern, die Online-Konzerte organisieren sollen, nicht wirklich.

von Frederik Schulz-Grewe

Der Exil Club in Göttingen ist eine Instanz im Nachtleben der Studentenstadt. Normalerweise finden hier regelmäßig Rockkonzerte statt. Seit nun fast genau einem Jahr konnte der Club keine Gäste mehr begrüßen. Wie viele andere Clubs versucht der Exil Club, durch Online-Konzerte weiter in Kontakt mit seinen Gästen zu bleiben - 24 Online-Konzerte sind für den aktuellen Lockdown geplant. Doch großen Gewinn macht der Club damit nicht. "Wirtschaftlich lohnen tun sich solche Online-Veranstaltungen in aller Regel nicht: Man braucht jede Menge Menschen, die für die ganze Logistik sorgen", erklärt Inhaberin Bea Roth.

Programme des Bundes lindern die finanzielle Not etwas

Damit die Konzerte überhaupt stattfinden können, ist Bea Roth auf staatliche Förderprogramme angewiesen. Diese kommen entweder vom Bund oder vom Land Niedersachsen. "Bei den staatlichen Förderungen ist es so, dass die Bundesprogramme total gut gelaufen sind", erklärt Gunnar Geßner vom Klubnetz Niedersachsen. "Die Novemberhilfe war gut, die Dezemberhilfe ist, wenn sie denn ankommt, auch super." Auch vom Bundesprogramm "Neustart Kultur" hätten viele Clubs profitieren können. Das weiß auch Bea Roth zu berichten. Durch "Neustart Kultur" konnte sie sich die Betriebskosten und die Gagen für Musiker und Musikerinnen erstatten lassen. Für ihre Arbeit konnte sie zudem einen Stundenlohn von 15 Euro berechnen. "Klingt erstmal gut, aber insgesamt dürfen nur Arbeitsstunden im Wert von bis zu 10 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtsumme, sprich maximal 5000 Euro als Eigenleistung angerechnet werden." Bei 24 geplanten Konzerten entspricht das einem Lohn von circa 200 Euro pro Veranstaltung. Ihren tatsächlichen Arbeitsaufwand sieht sie damit aber nicht abgedeckt.

Förderprogramme des Landes Niedersachsen: "Kein Programm, das wirklich hilft"

Anders sehe die Situation mit den Förderprogrammen des Landes aus: "Beim Land Niedersachsen ist es katastrophal, da ist wirklich kein Programm, das so wirklich hilft", schildert Gunnar Geßner. Das Förderprogramm "Niedersachsen dreht auf" ist auf Soloselbstständige Musiker und Tontechniker ausgelegt. Die Anträge stellen und Online-Konzerte organisieren sollen aber die privatwirtschaftlichen Clubbetreiberinnen und Vereine, erklärt Gunnar Geßner. Doch die Betreiber der Spielstätten kommen in dem Programm gar nicht vor. "Es ist so, dass man selber als Antragschreiber*In überhaupt nicht berücksichtigt ist. Das heißt, man muss die Arbeit der gesamten Vorbereitung und Nachbereitung entweder ehrenamtlich machen oder aus der Kurzarbeit rauskommen - beziehungsweise dann illegal arbeiten, obwohl man in Kurzarbeit ist." Für die Clubbetreibenden bleibe dabei im Prinzip nichts übrig. Bea Roth würde das Programm deshalb gerne Umbenennen."Bei mir heißt 'Niedersachsen dreht auf' natürlich 'Niedersachsen dreht ab', weil es mir den Hahn abdreht. Alle, die an der Veranstaltung beteiligt sind, werden in die finanzielle Lage versetzt diese durchzuführen, außer die Clubbetreiber."

Konzepte in anderen Bundesländern wirksamer

In anderen Bundesländern seien die Förderprogramme für die Kultur- und Eventbranche deutlich besser konzipiert, sagt Gunnar Geßner: "Vor allem die Soloselbstständigen, die bei uns Probleme hatten, ihr eigenes Überleben zu sichern, sind in den anderen Ländern auch deutlich besser davon gekommen. Das ist bei uns in Niedersachsen leider nicht so." Auf Anfrage des NDR antwortete das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dass "die Förderung der Soloselbstständigen den Veranstaltern ermöglicht, ihre eigenen Kosten durch die Einnahmen zu refinanzieren". Für Clubbesitzerinnen wie Bea Roth heißt das, auf Spendengelder zu hoffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 13.03.2021 | 13:00 Uhr

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