Die Musikerin und Produzentin Sarah Farina im Interview © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

"Club of Heroines" - Netzwerk für Frauen in der Musikbranche

Stand: 05.02.2021 06:00 Uhr

Mit dem "Club of Heroines" will das bundesweite Frauennetzwerk Music Women Germany die Präsenz von Frauen in der Musikbranche stärken. Am 6. Februar startet in Niedersachsen die neue Initiative.

von Miriam Stolzenwald

Stellen Sie sich eine Rockband vor. Oder DJs. Wahrscheinlich kommen Ihnen jetzt Männer mit E-Gitarren in den Sinn - oder Männer, die in Clubs auflegen. Dass Frauen auch DJanes sind oder in einer Rockband spielen, ist oft gar nicht so präsent. Das will das bundesweite Frauennetzwerk Music Women Germany ändern, indem es Frauen in der Musikbranche stärkt. Wie geht das? Natürlich durch Vernetzung.

"Klub der Heldinnen" - Frauennetzwerk der Musikbranche

Dafür hat Music Women Germany jetzt den "Club of Heroines" ins Leben gerufen, den "Klub der Heldinnen". Das niedersächsische Netzwerk Music NDS Women macht am Sonnabend mit einer Zoom-Veranstaltung den Aufschlag zu dieser Reihe. Thema ist die "Kollektivierung von FLINTA in der Musikbranche". Was damit gemeint und was ist zu erwarten? Ein Überblick. Sarah Farina ist Musikproduzentin. Sie ist international als DJ und Produzentin unterwegs und erzählt: "Ich identifiziere mich als schwarze, nonbinäre Person, aber auch als Frau. Aber gleichzeitig habe ich zum Beispiel einen europäischen Pass und ich habe keine Behinderung und ich entspreche einem bestimmten Körperbild, was gesellschaftlich anerkannt wird. Das sind zum Beispiel meine Privilegien. Und da liegt einfach die Aufgabe bei mir, tagtäglich zu schauen in meinem Leben, wo kann ich meine Privilegien positiv einsetzen für andere Menschen, damit die auch diese Zugänge bekommen."

QENEM und FLINTA werden präsentiert

Diskriminierung hat Farina oft erfahren: als Schwarze, als Frau, als FLINTA. Diese Abkürzung versammelt Trans-Personen, nicht-binäre Personen, Lesben und diejenigen, die sich keiner klassischen Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung zuordnen. Diese Personen will Sarah Farina als Rednerin am Sonnabend motivieren, um sie in ihrem Beruf in der Musikbranche zu stärken. Dabei soll auch das neugegründete Netzwerk QENEM aus Hannover für FLINTA DJanes und Produzentinnen präsentiert werden.

Denn den FLINTA-Personen fehlen oft die Zugänge, sagt Farina. "Wenn man sich Clubnächte anschaut und die Line-ups, die da zusammengestellt sind, ist es oft so, dass fast nur Typen da auflegen. Das ist natürlich ziemlich schade." Es gebe viele Menschen, die sich nicht als Mann identifizieren, die ganz tolle DJs seien. "Aber die Menschen, die in den Machtpositionen sitzen, sind dann eben oft heterosexuelle Cis-Männer", so Farina.

Barbara Hornberger über Seximus in der Musikbranche

Ein weiterer Impuls kommt am 6. Februar von Barbara Hornberger. Die Professorin für Didaktik populärer Musik an der Hochschule Osnabrück spricht zum Thema "Sexismus in der Musikbranche". Neben Missbrauch und Übergriffen nennt sie Beispiele, wo sich dieser besonders stark zeigt: "Es gibt, wenn man die Künstlersozialkasse und ihre Statistiken anguckt in den Künsten generell, aber in der Musik eben auch, einen wirklich ganz ordentlichen Gender-Pay-Gap, der auch peinlich ist. Es gibt auch eine Ungleichverteilung, was die Geschlechterverteilung in entsprechend einflussreicheren oder besserverdienenden Positionen angeht", so Barbara Hornberger.

Neben Barbara Hornberger und Sarah Farina kommen beim "Club of Heroines" andere Frauen der Musikbranche zu Wort. Zu den Themen diskriminierungssensible Sprache und Vernetzung und Stärkung von Frauen generell - lokal wie global. Vorläufig bis Ende April soll es regelmäßig einen "Club of Heroines" geben, jeweils unter der Schirmherrschaft eines Landesnetzwerks von Music Women Germany.

Treffen nicht nur zum Kennenlernen, sondern auch zum Unterstützen

Der Initiatorin des Bundesvereins Andrea Rothaug geht es dabei nicht nur darum, dass Frauen aus der Branche sich kennenlernen, sondern dadurch beispielsweise auch Jobs vermittelt werden: "Erstmals gibt es eine Reihe, die länderübergreifend von der Branche in die Branche wirkt und mit dem gemeinsamen Dach Music Women Germany eine große Schlagkraft entwickeln kann. Denn wir alle haben ein Recht auf gemischte Teams in den Unternehmen, auf eine gleichberechtigte Bezahlung und eine nur 50-prozentige Präsenz von Männern in der Musikbranche," so Rothaug.

Die Zoom-Veranstaltungen mit den verschiedenen Beiträgen findet am 6. Februar ab 19 Uhr statt. Frauen wie Männer können sich dort einwählen. Der Link ist zu finden auf der Seite musikland-niedersachsen.de. Der nächste "Club of Heroines" wird schon am 18. Februar 2021 vom sächsischen Landesnetzwerk ausgerichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.02.2021 | 06:40 Uhr

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