Eine rothaarige Dame in roten Shirt singt in ein Mikrofon. © Christina Körte / HfMT

Chorsingen trotz Corona: Digitales System macht's möglich

Stand: 14.05.2021 13:32 Uhr

Im Chor gemeinsam singen - das geht zurzeit leider noch nicht. Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater hat jetzt eine neue Technik erprobt, mit der das gemeinsame Singen digital möglich sein soll.

von Joachim Hagen

Joan Nethe sitzt vor dem Schreibtisch in der Küche ihrer kleinen Wohnung in Hamburg. Vor ihr steht ein Mikro, dahinter ein aufgeklapptes Laptop. Über den Bildschirm bekommt sie ihren Einsatz. "Bei einem Stück ist das wie bei Guitar Hero aufgebaut, dass dann solche Balken von oben nach unten laufen, und wenn der Balken die untere Linie trifft, muss der Sänger, die Sängerin den Ton singen. Bei anderen Stücken läuft es wie beim Karaoke singen ab." Dieses System erlaubt es Joan Nethe und ihrem Freund Jim Eckhardt, gemeinsam mit den anderen Sängerinnen und Sängern live zu singen. Remote Choir heißt ihr Chor - also Chor auf Entfernung. Die 16 Mitglieder sind über ganz Hamburg verstreut. Joan Nethe und Jim Eckhardt sind Lehramtsstudenten an der Uni Hamburg. Zum Remote Choir sind die beiden über den Chor der Hamburger Hochschule für Musik und Theater gekommen.

Möglichkeit zum Singen auf Abstand

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Der Kammerchor der Hochschule für Musik und Theater nahm vor der Corona-Pandemie an Chorwettbewerben teil und war 2017 unter anderem Sieger des Landeschorwettbewerbs Hamburg.

Professor Jacob Sello von der Hochschule hat verschiedene Computersysteme miteinander verknüpft, um das Konzert möglich zu machen. "Das neue an diesem System ist, dass es in kleinen, kostengünstigen Computern verfügbar ist, die wir Musikern als Komplettsystem aushändigen können", sagt Sello. "Sie müssen es nur in die Steckdose stecken und dann haben wir die Möglichkeit, diese Computer fernzusteuern und auszuwählen, welche Server wir als Schnittstelle benutzen wollen."

So lässt sich die sogenannte Latenz verkürzen, also die Verzögerung zwischen dem eigenen Ton und dem Gesang der anderen. Dadurch haben alle Sänger das Gefühl, gemeinsam in einem Raum zu sein. "Es klingt schon so, als ob man gemeinsam Musik macht. Auf der anderen Seite ist es nicht dieses körperlich beieinander sein, wie es bei einer normalen Chorprobe der Fall wäre", sagt Jim. Ein Ersatz für eine echte Probe oder ein echtes Konzert sei es nicht, aber "eine Möglichkeit in der Pandemie gemeinsam musizieren zu können". Vielleicht kann die neue Technik auch nach Corona helfen, dass Musiker, die weit voneinander entfernt leben, gemeinsam Spaß haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 14.05.2021 | 07:55 Uhr

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