Bodo Wartke © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Hendrik Schmidt

Bodo Wartke: 25 Jahre Musik-Kabarett vom Feinsten

Stand: 12.02.2021 17:30 Uhr

Bodo Wartke ist ein Multitalent: eine Mischung aus Musik-Kabarett, Hochkultur und Entertainment. Seit 25 Jahren steht er auf der Bühne.

von Peter Helling

Bodo Wartke hat ein passendes Liebeslied zum Valentinstag, für jeden und jede: eine schmachtende Hymne an den Liebsten, die Liebste. Das Besondere: Er singt das Lied in allen erdenklichen Sprachen, sogar in der Elben-Sprache "Quenya" aus Tolkiens Fantasy-Kosmos rund um den "Herrn der Ringe". Den Song kann man sich auf seiner Homepage in jeder Sprache bestellen und an seine Liebste, seinen Liebsten verschicken. Er nennt das digitale Tool den "Liebesliedgenerator". "Miteinander Freude zu teilen - das bleibt einfach gerade sehr auf der Strecke, das ist ja das, was uns Menschen ausmacht", sagt der Künstler, "Kunst ist ja nicht nur eitle Selbstbeweihräucherung, sondern ein sozialer Prozess, man setzt sich mit dem auseinander, was einen umgibt!"

Bei Bodo Wartke kommt alles unter die Reim-Lupe

Bodo Wartke ist bekannt für seine hemmungslos wortwitzigen Konzerte und Auftritte. Alles kommt unter seine Reim-Lupe, alles kann Teil eines Liedes, eines Gedichts werden. Trump, der Hambacher Forst und aktuell: der Virologe Christian Drosten. Über ihn hat er einen ganzen Song geschrieben. Der Sänger, Entertainer, Schauspieler und Dichter Bodo Wartke sieht sich auch als Chronist unserer Zeit. Alles in Reimform. Die besten Reime kommen ihm übrigens beim Wäsche-Aufhängen, eben mitten im banalen Alltag. Umgesetzt wird das dann in seinem Hamburger Studio. Wann die Kreativität komme, das wüsste man bei ihm nie vorher. "Sie kommt, wenn sie Bock hat und kommt auch mal lange nicht, und wenn sie kommt, bringt sie meistens auch ein paar Freunde und Bekannte mit", lacht er.

Die besten Momente in einem Konzert: die Pannen

Die schönsten Momente bei einem Konzert seien die ungeplanten, die, in denen etwas schiefgeht. "Wenn eine Saite reißt, ist das mega-lustig, vor allen Dingen mega-laut, man erschreckt sich tierisch." Das Publikum kapiere sofort, was los ist. In der Regel freut es sich darüber, hat das Gefühl: "Wir waren dabei!" Vor Fehlern hat er keine Angst mehr, sondern heißt sie willkommen, wie alte, etwas vorlaute Bekannte, frei nach dem Motto: "Setzt euch, nehmt euch 'nen Keks, seid dabei, spielt mit!". Kunst, sagt Bodo Wartke, soll sich ereignen, man kann sie nicht zwingen. Einfach Noten abspielen, das reicht nicht. Er sucht den Moment, wo man den Fingern zusieht und spürt: "Jetzt geht es von allein." Die Kunst suche sich ihren Weg.

Erster Auftritt in Schul-Aula in Bad Schwartau

Benedikt Stubendorff und Oliver Krahe © NDR Foto: Janis Röhlig

AUDIO: Klavierdelikte und andere Probleme, die er hatte: Bodo Wartke (34 Min)

25 Jahre ist es her, dass Bodo Wartke seinen ersten Aufritt hatte in der Schul-Aula in Bad Schwartau. Er erinnert sich noch gut daran. Diese Lust am Reim, am Wortwitz, die hatte er schon mit zehn Jahren. Damals schrieb ihm seine Patentante immer Briefe in Reimform, und er hat versucht, ihr nachzueifern. In einem frühen Weihnachtslied suchte er nach einem Reim auf "Weihnachts-Ständer". Und fand: "Love me tender". Ein echter Bodo Wartke. Oder im "Abwaschwasser-Blues", da singt er davon, wie schnell man bestimmte Sachen abwaschen kann. "Was ich hasse, ist die Tasse, ein Messer geht besser, ein Teller geht noch schneller, die Gabel ist echt fabel - haft." Kaum einer reimt so trocken wie Bodo Wartke.

Neugier aufs Publikum

Hamburg, sagt er, bedeutet ihm viel, hier haben fast alle Programme Premiere. Und hier wurde er 1977 geboren. "Ich kann auch kein Klischee unterschreiben, was uns Norddeutschen immer nachgesagt wird. Ich bin viel unterwegs im gesamten deutschsprachigen Raum, und ganz häufig, egal wo ich hinkomme, glauben die Leute vor Ort, sie wären das schlechteste Publikum in Deutschland." Bodo Wartke mag das, diesen direkten Kontakt. Er ist neugierig auf die Menschen, kann es kaum erwarten, wieder vor seinem Publikum zu stehen. Für ihn ist jeder Auftritt ein Gespräch auf Augenhöhe. Sein künstlerisches Motto? Umarme den Zufall, den Fehler. "Alles kann passieren, im Guten wie im Schlechten, aber in der Regel eigentlich im Guten: Wenn man das schon mal so akzeptiert, dann hat man eigentlich schon gewonnen." Irgendwie macht das Mut, gerade jetzt. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.02.2021 | 19:00 Uhr

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