Stand: 25.01.2019 13:18 Uhr

Aus Bargteheide in die New Yorker Carnegie Hall

von Anina Pommerenke

Die Carnegie Hall in New York City ist wohl einer der bekanntesten Veranstaltungsorte auf der Welt. Einmal dort aufzutreten, das ist so etwas wie ein Ritterschlag für Musiker. Egal, ob sie klassische, Jazz- oder Popmusik machen. Große Namen wie Tschaikowsky, Glenn Miller oder die New Yorker Philharmoniker sind auf ewig mit der Halle und ihrer Geschichte verbunden. Ganz unverhofft kommt jetzt auch die Kantorei Bargteheide aus Schleswig-Holstein zu der besonderen Ehre, dort aufzutreten.

Für rund 30 Sängerinnen und Sänger der Kantorei Bargteheide stehen in den nächsten Monaten viele Extraproben im Gemeindehaus auf dem Plan. Hier hätte wohl niemand zu träumen gewagt, welche Folgen die Aufführung der "Misa Tango" in Anwesenheit des argentinischen Komponisten Martín Palmeri im vergangenen September mit sich bringen würde. Der Kontakt war über einen befreundeten Musiker des Kantors Andis Paegle entstanden: "Das dauert, bis man diese Tangorhythmen als Norddeutscher annimmt und versteht. Aber wenn man den Rhythmus 'raus hat, ist die Begeisterung groß und wenn dann noch der Komponist dabei ist, dann ist man fast in Argentinien!"

Von Bargteheide nach New York

Das muss auch Martín Palmeri gefühlt haben, denn zwei Tage später folgte auf seine Empfehlung eine Einladung eines amerikanischen Konzertveranstalters in die Carnegie Hall in New York, erinnert sich Paegle: "Da ist eigentlich ein Traum wahr geworden, den man gar nicht geträumt hat. Es ist ein Traum eines jedes Musikers, da einmal live zu spielen und das weiterzuerzählen!"

Konzert-Regeln: Kein Parfum, aber bitte Deo!

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Die Carnegie Hall in New York: Der Traum vieler Musiker.

In einem großen internationalen Chor aus 250 Sängerinnen und Sängern aus Italien, Dänemark und Brasilien werden die Kantoreimitglieder auf der Bühne stehen und noch einmal die "Misa Tango" singen. Ganz so entspannt wie zu Hause in der Kirche Bargteheide wird es da nicht zugehen, meint Chormitglied Ingeborg Sonnenschein und zählt ein paar Regeln auf: "Die Damen müssen ganz in Schwarz auftreten. Der Schmuck darf nicht zu sehr glitzern, damit er niemanden blendet und keine Geräusche machen. Man soll bitte kein Parfum auflegen, aber doch bitte Deo benutzen."

Anonyme Spende hilft enorm

Um den organisatorischen Aufwand zu stemmen, hat sich der Chor in Arbeitsgruppen aufgeteilt. Eine Internetseite wurde eigens gebaut. Flüge und Hotels herausgesucht, Sehenswürdigkeiten recherchiert und Geld eingetrieben. Denn um überhaupt auftreten zu dürfen, muss jedes Chormitglied 680 Euro an den Konzertveranstalter zahlen, erklärt Sonnenschein: "Wir haben auf dem Weihnachtsmarkt gesungen, dort Glühwein verkauft und Waffeln gebacken. Aber wir treten natürlich auch an die Firmen in Bargteheide heran. Viele private Spenden haben wir auch schon bekommen."

7.000 Euro hat der Chor bereits eingesammelt. Allein 5.000 davon hat eine Privatperson gespendet, die laut Chormitglied Doris Herfurt aber lieber anonym bleiben möchten. Zum nächsten Auftritt des Chores ist jene Spenderin oder jener Spender aber natürlich eingeladen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.01.2019 | 07:20 Uhr

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