Der Künstler Abbott sitzt in seinem Studio. © NDR Foto: Anina Pommerenke

Auf der Suche nach Heimat: Abbott veröffentlicht Single "Home"

Stand: 02.02.2021 14:21 Uhr

Der niederländische Künstler Abbott, mittlerweile in Hamburg ansässig, hat mitten auf dem Höhepunkt der Pandemie seine neue Single "Home" veröffentlicht.

Der Künstler Abbott sitzt in seinem Studio. © NDR Foto: Anina Pommerenke
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von Anina Pommerenke

Die Musikbranche steht praktisch seit Monaten still. Umso erstaunlicher ist es, mit wie viel Willen und Kreativität einige Künstlerinnen und Künstler den Umständen zum Trotz weiterarbeiten. Der Hamburger Künstler Abbott hat nun mitten auf dem Höhepunkt der Pandemie seine neue Single "Home" veröffentlicht. Hinter dem neoklassischen Stück steht eine durchaus ungewöhnliche Entstehungsgeschichte.

Single "Home" beim Klassiklabel "Deutsche Grammophon"

Der Künstler Abbott sitzt am Klavier und spielt. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Auch ein Stück Heimat: Das Klavier hat Abbott aus seiner Heimat den Niederlanden nach Hamburg gebracht.

Nun ist sie fertig und veröffentlicht! "Home" heißt die erste Single, die Thomas Muis - Künstlername "Abbott" beim Klassiklabel "Deutsche Grammophon" veröffentlicht hat. Für den 26 Jahre alten Niederländer geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung.

"Wenn das mal passieren würde in 20 Jahren, dann wäre das auch noch okay, dachte ich. "Deutsche Grammophon" hat immer Musik rausgebracht, von der ich voll der Fan war: also Jóhann Jóhannsson, Max Richter. [...] Und dann dachte ich, wenn ich da mal irgendwas rausbringen würde, das würde voll krass sein."

Mit einer Antwort hatte er gar nicht gerechnet, als er sich im vergangenen Jahr initiativ per E-Mail beworben hatte. Damals war gerade sein erstes Album als Solo-Künstler erschienen. Und dem Wahl-Hamburger wurde klar, dass er weiterhin eigene Songs produzieren und Konzerte spielen will. Die Zusage für das "Project 12" der Deutschen Grammophon kam aber zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Corona: Musik während des Lockdowns

"Ich hatte ein Cello-Quartett, einen Chor. Also habe ich viel zu viele Leute. Du konntest nicht vier Streicher in einen Raum setzen. Das erste, was in der Musikwelt verboten wurde, war, zusammen zu singen. Ich musste auf einmal denken: Wie viel Zeit habe ich noch? Was ist denn möglich? Total schwierig", berichtet der Künstler.

Statt mit einem Cello-Quartett durfte Abbott mit nur einem Cellisten ins Studio gehen. Der musste die Stimmen der Reihe nach einspielen - und sich dann selbst begleiten: "Für die Streicher ist es krass, weil du ja einen Bogen hast und von der einen Seite zur anderen Seite 'schwippen' musst - und das klingt nur schön, wenn du einen ganzen Chor hast, der das gleichzeitig macht, der auch den gleichen Schwung hat und die gleiche Dynamik."

Cellist Ruben Jeyasundaram fügt hinzu: "Und man muss gucken, dass diese einzelnen Stimmen nicht alle gleich klingen, sondern auch ein bisschen eigenes Gewürz haben, so wie mit echten Musikern, da würde jeder ein bisschen anders klingen. Es war ein sehr langer und emotionaler Tag. Wir haben uns viel über Heimat und Zuhause unterhalten. Und unsere Mütter."

Abbott: Auf der Suche nach Heimat

Schließlich geht es in der Single "Home" genau um die Frage, was Heimat ist. Ein Gefühl, dass Abbott besonders mit seiner Mutter verbindet, die er im vergangenen Jahr kaum sehen konnte. Immerhin: Ein kleines bisschen Heimat konnte er einbauen. Auf der Suche nach einem Chor konnte er das niederländische "Vocaal Ensemble Cordier" gewinnen, mit dem er bereits in der Jugend gemeinsam musiziert hat. Die Aufnahme fand im vergangenen August unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in einer Kirche in den Niederlanden statt.

"Das war organisatorisch sehr schwierig [...]. Ich habe auch nicht gedacht, dass das alles so gut ineinandergreift, aber am Ende hat's geklappt", erzählt der Künstler. Und die Strapazen haben sich gelohnt. Auch unter diesen außergewöhnlichen Umständen hat Abbott mit "Home" eine äußerst hörenswerte Single produziert.

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