Stand: 13.11.2019 12:21 Uhr  - NDR Kultur

Musikbranche will Gendergap überwinden

von Miriam Stolzenwald

Es ist bekannt, dass Frauen in Führungspositionen und bestimmten Berufsbranchen unterrepräsentiert sind. Auch in der Musikbranche ist das so. Immer mehr Initiativen wollen Abhilfe schaffen: Im Rahmen der Musikland-Niedersachsen-Jahreskonferenz wurde in Hannover das Netzwerk musicNDSwomen vorgestellt - eine Initiative, die Frauen in Musikberufen unterstützen und Vorbilder schaffen soll.

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Frauen kämpfen für Frauen: Die Initiatorin von "Music Women Germany" Andrea Rothaug (l.) hat das neue Netzwerk musicNDSwomen in Hannover vorgestellt.

Obwohl in den meisten Musikstudiengängen inzwischen etwa gleich viele Frauen und Männer studieren, gibt es in den Musikberufen in dieser Hinsicht eine gewaltige Schräglage. Frauen sind in der Musikbranche wenig vertreten und verdienen oft weniger als ihre männlichen Kollegen. Deshalb hat die Präsidentin des Bundesverbands Popularmusik, Andrea Rothaug, das Netzwerk Music Women Germany ins Leben gerufen, deren Website bereits seit September online ist. Für die einzelnen Bundesländer soll es zusätzlich jeweils eigene Netzwerke geben. Das für Niedersachsen - musicNDSwomen - hat Andrea Rothaug am Dienstagabend in Hannover vorgestellt. Es ist das sechste Regional-Netzwerk dieser Initiative, das online geht. "Es ist genreübergreifend und es betrifft alle Bereiche, egal ob Technikerinnen, Dirigentinnen, Gründerinnen, Unternehmerinnen, ob Musiker und Musikerinnen, alle Musikschaffenden sind damit gemeint", sagt Rothaug.

Vernetzung ist das A und O

Mit nur wenigen Klicks können sich Frauen auf der Plattform ein Profil einrichten und dort ihre Qualitäten präsentieren, ähnlich wie bei den Berufs-Netzwerken Xing oder Linked-In. Somit können sie sich vernetzen - und das ist das A und O, sagt Andrea Rothaug: "Die Musikbranche ist ein People's Business, also gehört eine Art von Sichtbarkeit einfach dazu. Dann kann man sein Arbeiten zeigen oder sich mit anderen auf unseren Veranstaltungen verbinden - und man wird auch gefunden von Männern und Frauen, die in der Brance Jobs zu vergeben haben."

Es soll keine Ausreden mehr geben

Auftaktveranstaltung zum Netwerk MusikNDSwomen in Hannover: Andrea Rothaug (von links nach rechts), die Initiatorin, Claudia Schwarz, Mitbegründerin, Gesa Schönermark von der Stiftung Niedersachsen, Christoffer Horlitz vom Fuchsbau Festival,Friederike Ankele, Projektleiterin der Musikland Niedersachsen gGmbH. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

Musikbranche will Gendergap überwinden

NDR Kultur - Matinee -

Sich vernetzen und Vorbilder schaffen, das ist wichtig für Berufe in denen Frauen immer noch unterrepräsentiert sind - so auch in der Musikbranche. Ein neues Netzwerk soll dabei helfen.

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In der Musikbranche läuft vieles über Kontakte. Aber wo vor allem Männer arbeiten, geben wiederum oft Männer Kontakte an Männer weiter. Das soll musicNDSwomen ändern, wie Claudia Schwarz sagt, die den Dachverband Music Women Germany mitgegründet hat: "In dem Moment, wo man eine Datenbank hat, hat man erstens nicht mehr die Ausrede, dass man nicht wüsste, wo man nachschauen soll. Zum anderen verinnerlicht man sich selbst immer wieder, man sollte einfach noch mal nachschauen. Findet man nicht doch noch andere Leute, die man nicht sofort im Telefonbuch unter 'meistgewählt' erneut anrufen würde?" Andrea Rothaug ergänzt: "Wir wollen nie wieder hören: 'Ich habe einfach keine Keyboarderin gefunden.'"

Frauen sollen Vorbilder für Frauen sein

Jasmine Klewinghaus arbeitet bei Musikland Niedersachsen. Die Institution lanciert das niedersächsische Frauen-Netzwerk. Die erste Netzwerk-Veranstaltung wird am 6. Januar in Hannover stattfinden. "Dort werden wir eine Impulsgeberin einladen, also eine Frau aus der Musikbranche, die berichtet, wie sie dorthin gekommen ist, wo sie jetzt ist. Gerne auch eine Frau in einer Führungsposition, die andere Frauen inspirieren soll, das gleiche zu tun oder auch den Einstieg in die Professionalisierung zu wagen", sagt Klewinghaus, die diese Veranstaltung mitorgansiert.

Wer diese Impulsgeberin sein wird, steht noch nicht fest. Langfristig sollen durch das Netzwerk Stammtische gegründet werden, bei denen sich Frauen austauschen und Vorbilder entstehen können. Denn wenn Frauen aus der Musikbranche sich noch besser vernetzen, kann der Gendergap in der Musikindustrie hoffentlich bald geschlossen werden.

 

Weitere Informationen

Erstes Treffen der Musiknetzwerk-Frauen

Seit November 2019 gibt es die Plattform "musicNDSwomen". Das Netzwerk für Frauen in der Musikbranche wächst seitdem täglich. Nun hat zum ersten Mal ein Netzwerk-Stammtisch stattgefunden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 13.11.2019 | 10:20 Uhr

02:53

Musikbranche will Gendergap überwinden

Sich vernetzen und Vorbilder schaffen, das ist wichtig für Berufe in denen Frauen immer noch unterrepräsentiert sind - so auch in der Musikbranche. Ein neues Netzwerk soll dabei helfen. Audio (02:53 min)