Troja, Schatz und Legenden: 200. Geburtstag von Heinrich Schliemann

Stand: 07.01.2022 08:51 Uhr

Heinrich Schliemann war Selfmade-Millionär und Troja-Entdecker. Vor 200 Jahren wurde er nordöstlich von Wismar in Neubukow geboren. Stimmen all die Legenden über den Forscher?

Am 5. August 1873 druckt die Augsburger Allgemeine Zeitung einen Bericht Heinrich Schliemanns. Überschrift: "Der Schatz des Priamos". Ausführlich schildert Schliemann darin, wie ihm wenige Wochen zuvor eine gewaltige Entdeckung gelang. "Der Schatz des Priamos" ist eine Weltsensation. Über Nacht wird der Mecklenburger zum globalen Promi. Ein Höhepunkt in Schliemanns Leben, das schon bis dahin äußerst ungewöhnlich war.

Heinrich Schliemann: Von Mecklenburg in die Welt

Am 6. Januar 1822 kommt Schliemann in Neubukow zur Welt. Der Vater ist Pastor. Bald zieht die Familie Richtung Neubrandenburg nach Ankershagen. Ab Ostern 1833 besucht Heinrich das Carolinum in Neustrelitz. Nach drei Monaten muss er das Gymnasium verlassen. Der Vater kann das Schulgeld nicht zahlen. Höhere Bildung bleibt Schliemann deshalb versagt. Das nagt lange an ihm. Ostern 1836 beginnt Schliemann eine Kaufmannslehre in Fürstenberg an der Havel.

Im Dezember 1841 will Schliemann als 19-Jähriger nach Südamerika auswandern. Das Schiff läuft vor Holland auf eine Sandbank. Schliemann jobbt fortan in einem Amsterdamer Handelshaus. Im Januar 1846 folgt der Umzug nach St. Petersburg als Filialleiter des Amsterdamer Handelshauses. Wenig später wird Schliemann russischer Staatsbürger und gründet seine eigene Firma. Er handelt unter anderem mit dem Farbstoff Indigo. Das macht ihn vermögend.

Riesiges Vermögen durch Armeeausrüstung

Weitere Informationen
Porträt von Heinrich Schliemann © Heritage-Images/Fine Art Images

Biograf über Heinrich Schliemann: "Er hat stark manipuliert"

Biograf Frank Vorpahl sieht den Hobby-Archäologen eher kritisch: "Heute wäre er wahrscheinlich Twitter-König, inklusive Fake News." mehr

Der Umzug nach Sacramento, Kalifornien folgt im Juni 1851. Mitten im Goldrausch gründet Schliemann eine Bank für Goldgräber. Das macht ihn reich. Im Oktober 1852 kehrt er zurück nach St. Petersburg. Er heiratet eine Russin, wird bald darauf Vater. Im Juli 1853 bricht der Krimkrieg aus. Schliemann versorgt die russischen Armee mit Ausrüstung und Munition. Das macht ihn endgültig vermögend.

Im April 1864 gibt Schliemann alle Geschäfte auf und wird mit 42 Jahren Privatier. Sein Vermögen: sechs Millionen Goldmark. Seine Ehe: ein Trümmerhaufen. Für zwei Jahre reist Schliemann nun um die Welt. Allein. Im Juli 1868 beschließt er, Troja auszugraben. Dafür krempelt er sein Leben um. 1869 fährt er nach New York und wird US-Bürger. Nur so kann er sich von seiner russischen Frau scheiden lassen. Drei Monate später heiratet er Sophia, eine Griechin. Sie ist 17, er 47 Jahre alt. Schliemann zieht nach Athen.

Schliemann findet Reste einer antiken Siedlung und viel Gold

1870 inspiziert er einen Hügel in Hisarlik, nahe der heutigen türkischen Stadt Çannakale. Liegt darunter das sagenumwobene Troja? Heinrich schreibt seinem Vater am 23. März 1870: "Zur Ausgrabung in Troja habe ich keine Erlaubnis der türkischen Regierung erhalten. Dennoch werde ich wahrscheinlich morgen Abend auf einige Tage allein dahin reisen, um mir die Stelle nochmals wieder anzusehen."

Beim Ansehen bleibt es nicht. Schliemann gräbt einfach los. Das ist illegal und ihm schlicht egal. Erst im Jahr darauf bekommt er vom Sultan des Osmanischen Reichs eine offizielle Grabungserlaubnis. Das unter dem Hügel tatsächlich eine alte Siedlung liegt, wird schnell klar. Schliemann und sein Team finden bald Mauern, Alltagsgegenstände und kleineren Schmuck. Im Mai 1873 gelingt dann der Megafund.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kunstkaten | 09.01.2022 | 19:05 Uhr