Stand: 31.05.2019 14:02 Uhr

Schau der Superlative: NordArt 2019

von Frank Hajasch

Die NordArt in Büdelsdorf ist eine Kunstschau der Superlative: 22.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in alten Industriehallen, draußen ein 80.000 Quadratmeter großer Skulpturenpark. Dazu die Künstler: 3.000 Maler, Bildhauer, Objekt-, Foto- und Videokünstler aus 102 Ländern hatten sich beworben. Mehr als 200 werden gezeigt. Es wird spannend, wenn am Sonnabend eine der größten europäischen Schauen für zeitgenössische Kunst eröffnet wird. Unser Autor konnte sich schon vorher auf dem Gelände umsehen.

Wer sich auf den Parcours der NordArt einlässt, trifft dieses Jahr in Halle 1 nicht auf zähnefletschende Wölfe, riesige Phönixe oder fernöstliche Amazonen mit Kalaschnikow, sondern auf einen gewaltigen babylonischen Turm. Kurator Wolfgang Gramm hat das Werk des chinesischen Künstlers Xi Jianjun direkt in die Sichtachse gestellt und erzählt: "Der ist begehbar, sieben Meter hoch und aus Holz. Wir sind froh, dass wir ihn hier haben. Und daneben liegt die umgekippte Spitze des Capitols."

Kunstwerke in einer Halle

NordArt in Büdelsdorf bekommt letzten Schliff

Schleswig-Holstein Magazin -

Am Sonnabend wird die NordArt 2019 in der ehemaligen Eisengießerei von Büdelsdorf offiziell eröffnet. Der Aufbau der teilweise riesigen Kunstwerke hat Wochen gedauert.

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Beide Objekte spielen mit der Architekturgeschichte: So stehen beim "Turm zu Babel" Pagoden-Elemente neben griechischen Säulen. Man darf auch über die biblische Geschichte und menschliche Hybris nachdenken. Frakturen und die darniederliegende Capitol-Spitze erinnern sowieso an den 11. September.

Mehr Kunst, mehr Vielfalt

Schon auf den ersten Blick wirkt die NordArt 2019 vielfältiger als die letzte Ausgabe. Darauf angesprochen erzählt Kurator Gramm: "Das kommt sicherlich dadurch, dass wir Schwerpunkt-Länder bilden, etwa die Mongolen mit einem großen Pavillon ausstatten konnten. Aber auch die Norddeutschen Realisten: Wir haben die ganze Wagenremise mit Bildern in Petersburger Hängung. Also wir zeigen mehr Kunst als im letzten Jahr."

Wolfgang Gramm gestaltet die NordArt auch in ihrem 21. Jahr. Mittlerweile fährt der Kurator mit einem Golfbuggy durch die Hallenschiffe der ehemaligen Eisengießerei. Vor einer der ganz wenigen Freiflächen stoppt das Gefährt an einer Installation des chinesischen Künstlers Qin Chong. An einer der Stirnseiten stehen 51 Fahnenmasten: die Flaggen im trostlosen Zustand, zerfleddert, in Grau und Schwarz, sichtlich in die Tage gekommen. Gramm: "Das sind die Gründungsmitglieder der UN und dort wurde die Arbeit auch schon einmal ausgestellt. Und bei der Biennale in Venedig. Und da freuen wir uns natürlich, die jetzt hier zu haben."

Kurator Wolfgang Gramm sitzt auf einem Golf-Cart-ähnlichen Wagen in einer der Ausstellungshallen der NordArt. © NDR Foto: Frank Hajasch

Schau der Superlative: NordArt 2019 startet

NDR Kultur -

Am Sonnabend wird in Büdelsdorf die 21. Ausgabe der NordArt eröffnet. Unser Autor ist zum Kurator in den Golfbuggy gestiegen und hat sich einen Überblick über das Gelände verschafft.

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Deutlich lebendiger und mit genauso viel Biss geht es im französischen Pavillon zu. Die beiden Kuratoren Marianne Derrien und Jérôme Cotinet-Alphaize haben den Blick auf die Künstlerinnen ihres Landes gerichtet. Sie mischen längst etablierte Namen mit junger Kunst. Gleich 171 individuelle Positionen, die ein schönes Spannungsfeld aufbauen. Marianne Derrien: "Wir arbeiten nicht nur mit Künstlerinnen aus Paris, sondern aus ganz Frankreich, und zeigen Malerei, Skulpturen und Videokunst - eigentlich alles, was in der französischen Kunst gerade interessant ist."

Dazu gehören Arbeiten von Emilie Pitoiset: Zwischen Installation, Tanz und Video geht es bei ihr um Körperlichkeit. Vom noch jungen Künstlerduo Elsa & Johanna hängt eine Fotostrecke, die mit Selbstinszenierung spielt und aufs Sujet der Porträt-Malerei hinaus will. Es gibt eine starke Soundinstallation, rätselhafte Objektkunst und vieles mehr zu entdecken.

Unterwegs auf dem NordArt-Gelände

Erstaunliche Formensprache

Wolfgang Gramm will aber noch den Schwerpunkt Mongolei zeigen. Im hinteren Bereich der Industriehalle, dicht am alten Schmelzofen, ballt sich eine Formensprache, die westliche Augen erstaunen wird: Da steht ein deformierter weiblicher Körper, eine Bronze, die an Rodin erinnert. Woanders aber fächert sich ein Jurten-Zelt als kreisrunde Malerei auf. Wie ohnehin diese Kunst einen starken Bezug zur mongolischen Heimat sucht. Gramm: "Es sind hier immer wieder archaische Wurzeln zu entdecken. Es hat mit Pferden zu tun. Es hat etwas mit Steppe zu tun. Und es hat etwas mit Bögen oder Pferdekopf-Geigen zu tun. All das findet man hier - wenn man es suchen mag!"

Und dafür ist dann ab Sonnabend in Büdelsdorf Gelegenheit. Am späten Nachmittag eröffnet dann die NordArt 2019, die große Sommerausstellung für zeitgenössische Kunst.

Schau der Superlative: NordArt 2019

Am Sonnabend wurde in Büdelsdorf die 21. Ausgabe der NordArt eröffnet. Unser Autor ist schon vorher zum Kurator in den Golfbuggy gestiegen und hat sich einen Überblick verschafft.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Gelände Kunstwerk Carlshütte
Vorwerksallee
24782  Büdelsdorf
Telefon:
(04331) 35 46 95
Preis:
Tageskarte: 14 Euro; Zweitageskarte: 22 Euro (gilt für zwei aufeinanderfolgende Tage); Saisonkarte: 50 Euro; Schülerkarte: 5 Euro; Kinder bis 6 Jahre: Eintritt frei (weitere Preiskategorien auf der Webseite des Veranstalters)
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage), 11-19 Uhr
Montags geschlossen
Anmeldung:
Schülergruppen nur mit vorheriger Anmeldung
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Klassisch in den Tag | 31.05.2019 | 07:20 Uhr

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