Das Künstlermuseum Heikendorf-Kieler Förde © Künstlermuseum Heikendorf-Kieler Förde

Oskar-Kokoschka-Ausstellung im Künstlermuseum Heikendorf

Stand: 10.03.2021 21:17 Uhr

Lange wurde im Künstlermuseum Heikendorf um die neue Oskar-Kokoschka-Ausstellung gebangt, nun darf sie öffnen. Weil eine aktuelle Schau im hinteren Neubau wegen Corona-bedingter Pause verlängert wird, ziehen die Graphiken und Zeichnungen ins geschichtsträchtige Haupthaus.

von Frank Hajasch

Plötzlich muss es schnell gehen, denn nun lassen die Corona-Beschlüsse wieder echte Besucher zu. Also müssen die Vitrinen komplett sein, um die Zink-Druckplatten und vor allem die Original-Skizzenbücher von Kokoschka angemessen zu zeigen. Was man in den vergangenen Wochen online einfach regeln konnte, braucht jetzt dauerhaft eine fein austarierte Beleuchtung, wie Museumsleiterin Sabine Behrens erklärt. Aktuell fehlt Platz, weshalb auch ein Vitrinen-Altbestand genutzt wird. Denn in der Sonderausstellungshalle im Garten, wo die Schau hin sollte, hängt noch Kunst. Dabei gibt es dort um die Hälfte mehr Fläche. Auch lässt sich der Raum modern abdunkeln. Hier, im Bau von 1865, muss klassisch reagiert werden, zur Not von Hand.

"Reisestationen": Oskar Kokoschka als Weltenbummler

"Reisestationen" nennt sich die Sammlung mit Werken bis zum Jahr 1975. Sie zeigen Oskar Kokoschka als Weltenbummler. "Er ist jemand, der ganz früh schon unterwegs sein wollte, der seit 1911 unterwegs ist", sagt Sabine Behrens. "Er ist neugierig gewesen und interessiert an der Welt." Die Museumsleiterin hat für die Ausstellung gut 70 Arbeiten ausgewählt. Alle Objekte stammen aus der Sammlung Spielmann-Hoppe und damit aus dem Besitz des ehemaligen Direktors von Schloss Gottorf und Gründers des Hamburger Bucerius Kunst Forums. "Wir haben London, Apulien, Italien, die griechische Reise, die Reise nach Marrakesch", sagt Sabine Behrens. "Es gibt auch Kamele, die hier an der Wand herumlaufen. Es gibt ein paar Blätter Hamburg. Und dann hat man noch den Einblick in die Mappe, die zu Zeiten Herbert Waldens, des Sturms, entstanden sind. Das ist dann vor dem Ersten Weltkrieg."

Grafiken, die den Moment bannen

Oskar Kokoschka hat bei all dem mit dem Umdruckverfahren gearbeitet, hat erst skizziert und dann das Bild auf den Litho-Stein übertragen. So blieb der Zeichnungscharakter schön erhalten. Harte graphische Elemente sind selten. "Es sind schnelle Zeichnungen, die sowohl Strichführung präsentieren als auch Kreiden, breit und damit flächig", sagt Behrens. So sind Grafiken entstanden, die den Moment bannen, aber nachvollziehbar machen: Dem Betrachter reichen Versatzstücke - und doch kann er das Bild einer Stadt füllen.

Im Obergeschoss zeigt sich Oskar Kokoschka als echter Weltenreisender. Anders als Gauguin und Nolde zog es ihn nicht in die Südsee, dafür nach New York - oder eben Afrika. Sigrid Paulsen-McCord vom Museumsteam sucht für so ein Bild noch den geeigneten Platz. Es zeigt eine Hochzeitsfeier in Marokko, mit wilden Reitern und orientalischen Tänzern. "Er hat offensichtlich sich selbst auch als Dokumentarist gesehen", sagt Behrens.

Probleme mit den Räumlichkeiten

Auch mit einem anderen Raum hat Museumsleiterin Sabine Behrens so ihre Probleme. Die einzelnen Werkgruppen bei Kokoschka - Griechenland zum Beispiel und seine Antike, Nordafrika und Tunesien - ließen sich schlecht arrangieren: zu klein der Raum, eine Stellwände oder Kabinette. "Das andere ist, dass wir drüben kein Problem mit dem Licht gehabt hätten", sagt Behrens. "Hier haben wir Vorhänge. Dementsprechend werden wir alle Lichter runterfahren. Wenn das nicht reicht, müssen wir noch verdunkeln."

Ausstellung soll Lust aufs Reisen machen

So ist das wohl, wenn man seltene und empfindliche Kunst im Haus hat. Trotzdem, sagt Sabine Behrens, solle die neue Ausstellung Lust machen, auch aufs Reisen. Die Museumleiterin zeigt auf eine Graphik aus dem London-Zyklus: die Themse, ihre Ufer und im Ansatz dort quirliges Leben. "Das Wasser muss jetzt nicht blau sein, um das Wasser zu sehen, oder die Schiffe nicht noch irgendwelche Farben haben. Aber schon machen wir uns auf den Weg nach London. Das war auch ein Grund, die Ausstellung jetzt zu haben, im Frühjahr - machen wir uns vielleicht langsam wieder auf den Weg."

Oskar-Kokoschka-Ausstellung im Künstlermuseum Heikendorf

Lange wurde um die Schau gebangt, am 13. März darf sie öffnen. Die Grafiken werden im Haupthaus des Künstlermuseums gezeigt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Künstlermuseum Heikendorf
Teichtor 9
24226 Heikendorf
Telefon:
(0431) 24 80 93
Preis:
Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 3 Euro, Familienkarte 8 Euro
Öffnungszeiten:
Eingeschränkte Öffnungszeiten:
Do-Sa: 14 bis 17 Uhr
So: 11 bis 17 Uhr
Hinweis:
Führung nach Vereinbarung: 6 Euro pro Person inklusive Eintritt (mindestens zehn Personen)
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 09.03.2021 | 19:00 Uhr