Nolde-Museum in Seebüll © NDR Foto: Frank Hajasch

Nolde-Museum in Seebüll wird saniert

Stand: 27.01.2021 17:53 Uhr

Seit Mai 2020 wird das Emil Nolde-Museum im nordfriesischen Seebüll nach modernen, musealen Ansprüchen umgebaut. Ein Baustellenbesuch.

Nolde-Museum in Seebüll © NDR Foto: Frank Hajasch
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von Frank Hajasch

Tiefgefroren, mit einer weißen Kappe ragt die Warft mit dem Nolde-Museum aus der flachen Landschaft Nordfrieslands. Der Rotklinkerbau ist von Weitem gut zu sehen. Und selbst wenn sich mal eine Pappelreihe dazwischen drängelt: Die Arbeitsgeräusche der Baustelle hallen über die weiten Wiesen.

Zur Not markiert ein riesiger grüner Kran den Ort, der wie eine offene Wunde daliegt. Christian Ring, Direktor der Nolde-Stiftung, schüttelt den Kopf: "Überhaupt nicht. Das ist etwas, das gerade heilt. Wir kommen immer dichter an das Herzstück des Nolde-Hauses heran. Nach seinem Tod gab es zahlreiche bauliche Veränderungen am Haus. Wir nehmen diese baulichen Veränderungen wieder zurück, und versuchen auf diese Weise das Haus zumindest von der äußeren Hülle, aber auch innen, wieder in den Nolde-Zustand zurückzuversetzen."

Alle Gewerke auf der Baustelle vereint

Nolde-Museum in Seebüll © NDR Foto: Frank Hajasch
Christian Ring, Direktor der Nolde-Stiftung, auf der Baustelle des Nolde-Museums in Seebüll.

Zurzeit vereint die denkmalgerechte Sanierung und technische Ertüchtigung so ziemlich alle Gewerke einer anständigen Baustelle: Zimmerer, Dachdecker, Elektriker - ein wohlgeordnetes Durcheinander. Christian Ring zeigt an der Westfassade auf den Ansatz der Treppe hoch zum Bildersaal. Im Klinker darunter klafft bald ein Loch - Noldes ursprüngliches Garagentor: "Nolde hatte das Haus mit einer ganz klaren Gliederung gebaut: auf der einen Seite das Atelier, dann die Garage und das Wohnhaus. Die Garage war bei Nolde so, dass er mit dem Auto auf der einen Seite hineinfahren und auf der anderen wieder hinausfahren konnte. Die klare Gliederung holen wir wieder raus, indem wir die Öffnungen rekonstruieren."

Zurück zum Ursprünglichen

Ähnliches geschieht mit Noldes Atelier. Die eigentlich kleineren Holzfenster kommen wieder rein, erklärt Christian Ring. Und auch die wuchtige Nordseite werde wieder geöffnet. Bislang hing dort das neunteilige Werk "Das Leben Christi" - auf einer nach Noldes Tod zugemauerten Wand: "Die Wohnräume von Nolde bleiben fast unberührt. Im Hinblick aber auf den Ausstellungsbereich im Obergeschoss, wo die Kabinetträume waren, da wird das Ganze zu einem modernen Museum."

Wichtiges neues Highlight im Museum

Nolde-Museum in Seebüll © NDR Foto: Frank Hajasch
Noch Baustelle - bald schon Museums-Magnet.

Drinnen tobt das Handwerk. Man könnte einen Neubau vermuten: Böden, Decken, alle raus. Die Innenwände durchbrochen. Und doch findet der Stiftungsdirektor das eine oder andere Highlight sofort, die Klimaanlage: "Wir hatten vorher für die Konservierung und zum Schutz der Kunst keine technischen Möglichkeiten im Haus." Das Ganze wird wieder Museum werden, beruhigt Christian Ring. Das verlange schon Noldes testamentarisch verfügter Stiftungsauftrag: seine Kunst hier zu zeigen.

Der Blick des Direktors geht in die Runde: "Die doppelreihigen und engen Hängungen wird es genauso wieder hier geben - so wie Nolde das damals vorgesehen hat. Und im Obergeschoss waren die sogenannten Aquarell-Kabinette - das ist in der Tat ein Bereich, wo wir 'aufgeräumt' haben. Insofern wird das eher ein moderner Bereich, der weniger an die alten Räume erinnert."

Neue Forschungsergebnisse werden Besuchern zugänglich gemacht

Nolde-Museum in Seebüll © NDR Foto: Frank Hajasch
Schon von Weitem kann man das eingerüstete Nolde-Museum erkennen.

Vorbei an Resten starkfarbiger Zimmerwände geht es raus. Endlich, möchte man sagen. "Die Wände kommen wieder - auch an die ursprünglichen Positionen," sagt Christian Ring, der sich dann noch der Frage stellt, ob die neuen Forschungsergebnisse zu Nolde und seiner unrühmlichen Rolle im Nationalsozialismus etwas ändern am neuen Ausstellungskonzept ab März 2022: "Nein! Hier im Nolde-Haus führen wir die Besucher nicht anders. Wenn es um die religiösen Bilder geht und wir neue Erkenntnisse zu Noldes Werk gewinnen, lassen wir das natürlich in die Ausstellung auch inhaltlich einfließen - das hinterfragen wir ja auch. Mein Anspruch ist, dass wir für die Besucher alles offenlegen, so viel an Informationen wie möglich."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 28.01.2021 | 06:40 Uhr