Emil Nolde: Zwei am Meeresstrand, 1903, Nolde Stiftung Seebüll, Öl auf Leinwand, 73,5 x 88,5 cm © Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin; Fotobesitz: Nolde Stiftung Seebüll

Jahresausstellung im Nolde-Museum in Seebüll: Stille Welten

Stand: 25.02.2022 12:34 Uhr

Was haben Emil Noldes Bilder mit uns Menschen von heute zu tun? Warum sollen wir uns Gemälde ansehen, die vor vielen Jahren entstanden sind? Diese Frage beantwortet das Nolde-Museum offensiv mit einer Ausstellung.

von Thomas Kahlcke

Die Geschichte beginnt vor langer Zeit in Berlin. Was für eine turbulente Stadt. Es geht drunter und drüber in Berlin. Die einen leben erbärmlich, die anderen schwimmen im Geld. Kunst, Konzerte, Kabarett rund um die Uhr. Aber Vergnügen und Verarmung liegen in dieser schrillen Stadt ganz dicht beieinander. In Berlin lebt Emil Nolde während der Wintermonate.

Ausstellung: "Stille Welten"

Die Sommer verbringt in der nordfriesischen Abgeschiedenheit - sie ist der Gegenpol zur Großstadt. Hier entstehen viele Bilder, die zum Ausdruck bringen, was Nolde im Norden sucht: Ruhe, Gelassenheit, Besinnung. Darum geht es in der aktuellen Ausstellung. Ihr Titel: "Stille Welten".

"Das war für mich persönlich auch sehr spannend, als ich das Werk durchgegangen bin und die 'Stillen Welten' gesucht hab, dass sich das über alle Phasen seines Werkes hinwegzieht," erzählt Dr. Christian Ring vom Nolde-Museum Seebüll. Über alle Zeiten habe Nolde sowohl die aufregenden, aufwühlenden Werke geschaffen, aber auch die stillen Momente.

"Stille Welten": Mit den Bildern in einen Dialog kommen

Die dunklen Wände und das gedämpfte Licht sind Teil des Ausstellungskonzepts. Man fühlt sich behaglich, unbeobachtet. So sollen die Besucher mit den Bildern in einen Dialog kommen: "Wir haben beispielsweise ein frühes Ölbild - es hat den Titel 'Einfahrt zur Heimat' - und es zeigt Noldes elterlichen Bauernhof", sagt Dr. Christian Ring. Genauso gut könne man sich fragen: Was bedeutet Heimat eigentlich für mich persönlich? Wo ist meine Heimat, wo komme ich her, was wird meine Heimat in der Zukunft sein?

"Auf der anderen Seite sind es sehr nachdenkliche Figurenbilder wie der 'Verwundete Jüngling'. Ich glaube, man merkt sofort: Das ist eine seelische Verletzung, die der junge Mann hat. Und genau in den Momenten können wir auch reflektieren: Was sind Verwundungen, die ich vielleicht selber erlebt hab, die ich anderen Menschen verursacht habe. Insofern kann diese Ausstellung auch anregen, wieder ein Stück weit zu sich selber zu kommen."

Momente der Stille

In sich gehen, sich infrage stellen, zur Ruhe kommen: So wird Kunst zur Lebenshilfe. Wenn das gelingt, ist der Bogen ins Hier und Heute geschlagen. "Viele Menschen suchen ja einen Moment der Stille. Der Alltag ist stressig, und gerade auch nach zwei Jahren der Pandemie ist es so, dass viele sich selbst reflektieren, neue Impulse suchen. Die Ausstellung soll dazu anregen, weiter über sich nachzudenken", so Dr. Christian Ring.

Jetzt kommt es also auf das Publikum an: Denn nur, wenn die Menschen wirklich in die neue Nolde-Ausstellung eintauchen, geht das Konzept auf.

Jahresausstellung im Nolde-Museum in Seebüll: Stille Welten

Was haben Emil Noldes Bilder mit uns Menschen von heute zu tun? Diese Frage beantwortet das Nolde-Museum offensiv mit einer Ausstellung.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ort:
Seebüll 31
25927  Neukirchen
Telefon:
+49 4664 98393-0
E-Mail:
info@nolde-stiftung.de
Preis:
Erwachsene: € 8,00; Kinder bis 12 Jahren: Eintritt frei; Schüler ab 13 Jahren & Auszubildende / Studenten: € 3,00
Öffnungszeiten:
1. März bis 31. Oktober 2022
Montag bis Sonntag, auch an Feiertagen
10.00 Uhr - 18.00 Uhr
Kartenverkauf:
https://www.svg-busreisen.de/angebote/kombitickets/nolde-stiftung-seebuell/
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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.02.2022 | 19:30 Uhr

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