Stand: 07.04.2020 14:27 Uhr  - NDR Kultur

Museen im Norden: Online geöffnet

von Thorsten Philipps

Museen in Norddeutschland dürfen derzeit nicht öffnen, deshalb setzen viele Häuser auf Ausstellungen im Internet. Welche sind einen Rundgang mit der Maus wert?

Wer glaubt, dass ein virtueller Besuch einer Museumsausstellung den Offline-Gang in ein Museum nach Corona ersetzen kann, täuscht sich: Der virtuelle 360-Grad-Rundgang durch das Lübecker Günter-Grass-Haus zum Beispiel kommt doch sehr steril rüber. Kein Gefühl, kein Geruch, es bleibt eine kühle Information. Aber immerhin: Einen kostenlosen ersten Blick in die neun Lübecker Museen zu wagen, ist nun durch verschiedenste Darstellungsformen möglich.

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Hans Wißkirchen, leitender Direktor der Lübecker Museen, will Kultur zu den Menschen bringen, wenn diese nicht ins Museum gehen können.

In Corona-Zeiten optimal: "Wenn alle zu Hause bleiben müssen, dann bietet es sich an, die Kultur dorthin zu bringen", bemerkt der leitende Direktor der Lübecker Museen, Prof. Dr. Hans Wißkirchen. Fast alle Lübecker Museen bieten einen virtuellen Gang durch die Räumlichkeiten, wobei die Grenzen dieser Online-Erlebnis-Möglichkeit insbesondere im Holstentor offenbar werden: Denn Aufstieg wie Abstieg sind anders als in Wirklichkeit und keine muskuläre, sondern eine filigrane Herausforderung im Sinne von "Kampf mit der Maus". Es gibt außerdem Videos und Fotografien mit Erklärungen zu Exponaten.

Solche Angebote waren bisher eher die halbherzige Online-Lösung der Museen, von denen viele das eigene Internetangebot als selbstkannibalisierendes Element für den Betrieb gesehen haben.

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Kulturrouten durch Hamburg-Harburg

Das Archäologische Museum Hamburg bietet sowohl einen virtuellen Rundgang durch das Museum als auch eine App-basierte Spielerei des Stadtmuseums Harburg auf der Seite kulturrouten-harburg.de. Dort wird jeden Tag ein neues Foto aus dem Stadtteil auf einer Karte veröffentlicht. Frappierende Parallelen zwischen den Fotos mit leeren Straßen am Anfang des 20. Jahrhunderts und zeitgenössischen Corona-Fotos stechen ins Auge. Unermüdlich kommt das Online-Angebot des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg daher: Unter anderem posten Museums-Mitarbeitende täglich Videos auf Instagram, in denen sie Objekte und ihre Arbeit vorstellen - wobei Bild- und Tonqualität dann zu wünschen übrig lassen.

Das Highlight kommt aus Mecklenburg Vorpommern

Das Staatliche Museum Schwerin macht mit seiner Online-Seite vor, wie es unterhaltsam und niveauvoll gehen kann. Der 360-Grad-Rundgang durch das Museum ist nicht nur wegen der Bilder ein Genuss - die riesigen Räume machen die Navigation auch kinderleicht. Und für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es auch tolle Erläuterungen über einen Videoschnitt mit jungen Schülerinnen und Schülern, die auf ihre Art "Duchamp" erklären. Spannende Berichte der öffentlich-rechtlichen Sender bringen das Museum dem Online-Besucher näher. Die Online-Seite der Rostocker Kunsthalle sticht durch Übersicht, Bedienerfreundlichkeit und tolle Aufnahmen heraus und kann schon selbst als eine Art digitale Kunst bezeichnet werden.

Museen Stade präsentieren sich mit durchdachtem Angebot

Das Angebot der Museen Stade (Schwedenhaus, Kunsthaus, Heimatmuseum, Freilichtmuseum) ist wirklich einladend! Die Videoclips schaffen es, mithilfe eines redaktionell durchdachten Beitrages eine Ausstellung näherzubringen. Der Online-Besucher sieht nicht nur Bilder von Jeanne Mammen, sondern bekommt durch die Kuratorin im Beitrag alles Wichtige über die Entstehung und die Künstlerin kompakt, klar und schnörkellos präsentiert - auch ohne 360-Grad-Show.

Das Europäische Hansemuseum mit modernen Elementen

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck zeigt neben dem ohnehin soliden Online-Auftritt neue Formate: "Wir wollen gerade in dieser schweren Zeit auch ein bisschen unterhalten!", betont die Museumsleiterin Dr. Felicitas Sternfeld. Dazu arbeitet das Museum mit Instagram-Präsenzen und anderen Online-Formaten, wie zum Beispiel einer Live-Führung auf Facebook durch die Störtebeker-Sonderausstellung. Auf Instagram zeigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums, wie Infotainment funktioniert. Auch wenn das Instagram-Format seine Schwächen für solche Auftritte offenbart, weil die Plattform nur Miniclips zulässt - das Museum kommt dadurch unverstaubt rüber.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 07.04.2020 | 19:55 Uhr

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