Stand: 04.07.2019 07:47 Uhr

Ausstellung im Buddenbrookhaus geht "ins Blaue!"

von Katrin Bohlmann

Das Buddenbrookhaus zeigt in künstlichen Naturräumen, wie Schriftsteller aller Epochen die Natur gesehen und geliebt haben. Eine Reise durch 2.500 Jahre Natur in der Weltliteratur. Und dabei sollen alle Sinne angesprochen werden. "Ins Blaue! Natur in der Literatur" heißt die Sonderausstellung in dem Lübecker Museum. Es ist die letzte im Buddenbrookhaus - bevor das Haus Ende des Jahres schließt und umgebaut wird.

Ein Streifen Kunstrasen am Treppengeländer führt zur Natur-Ausstellung im ersten Stock des Buddenbrookhauses. Oben empfangen den Besucher mehr als 30 persönliche Naturstücke von zeitgenössischen Schriftstellern, die zeigen, was sie mit Natur verbinden.

Mit dem Buddenbrookhaus "Ins Blaue!"

Hermann Hesse als Nacktkletterer

Skurrile Dinge sind dabei: eine Fliegenklatsche, ein Glas Staub und ein Pferdeschädel. Auf schwankenden Blütenstelen liegen Texte von Goethe, Ingeborg Bachmann und natürlich Thomas Mann. Einzigartige Fotografien sind zu sehen vom Literaturnobelpreisträger am Strand von Kampen, von Hermann Hesse als Nacktkletterer und Franz Kafka in Travemünde.

"Franz Kafka ist durch seine nackten Füße aufgefallen", sagt Museumsleiterin Birte Lipinski. "Also in Travemünde fällt man schon durch nackte Füße am Strand als unanständig auf. Und wenn man hier dann noch ein Stück weitergeht, dann sieht man Hermann Hesse, der nackt am Fels klettert. Da sieht man auch sehr stark Bürgerliches auf andere Lebensformen prallen. Gerade diese kuriosen Fundstücke machen den Reiz dieser Ausstellung aus."

Eine sinnliche Ausstellung

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"Es geht mit Kräutern zu," heißt es bei Thomas Mann, wenn er meint: mit unrechten Dingen. Hier steckt er sich gerade in einem Wiesenfeld eine Margerite an.

Die Sonderausstellung ist eine Leihgabe des Literaturhauses München. Das Buddenbrookhaus hat sie um einige Lübecker Exponate, wie von Günter Grass und Thomas Mann ergänzt. Es sei eine sinnliche Ausstellung, so Lipinski. Denn die Literatur zur Natur ist im Buddenbrookhaus nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören, riechen, ertasten und zu schmecken.

"Hier kann man an Kräutern verschiedener Art riechen. Und dann viel über sie lesen und erfahren. Natürlich mussten wir für Lübeck ein Thomas Mann-Zitat dazu finden und fanden eines aus dem Doktor Faustus: Darin sagte er, es gehe mit Kräutern zu, wenn er meinte mit unrechten Dingen."

Es geht mit Kräutern zu!

Einmal in eine ganz andere Stimmung kommen sollen die Besucher in einem abgedunkelten Raum. Dieser ist mit Kies ausgelegt. Typische Nachtgeräusche sind zu hören: Grillen zirpen, Eulen rufen. Tristan Bielfeld vom Buddenbrookhaus öffnet einen schweren Vorhang: "Jetzt stehen wir wirklich mitten im Dunkeln. Wir nennen ihn liebevoll unseren Darkroom. Wenn man hier so durchgeht, dann ist das etwas ganz anderes als in der Stadt. Dort geht man nur über Kopfsteinpflaster, aber hier läuft man über Kies. Und wenn man vorher die Texte durchgelesen hat, kann man sich so einiges vorstellen: also von romantischen Spaziergängen durch die Nacht bis hin zu einem Gefühl von Unbehagen und Verlorengehen."

Sich ins "literarische Gras" legen

Wieder im Hellen können sich die geneigten Besucher auf ein mit Kunstrasen bepflanztes Himmelbett legen und im wahrsten Sinne des Wortes: "ins Blaue" schauen. Museumsleiterin Lipinski nennt es "sich ins literarische Gras legen". Während man dort liegt, könne man nach oben in den Himmel blicken.

Das Buddenbrookhaus in Lübeck © picture alliance / Arco Images Foto: F. Scholz

"Ins Blaue!": Ausstellung im Lübecker Buddenbrookhaus

NDR Kultur - Matinee -

Von Hermann Hesse als Nacktkletterer bis zu den Füßen Franz Kafkas am Strand in Travemünde - die letzte Ausstellung im Buddenbrookhaus ist eine Reise durch die Natur in der Literatur.

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"Ins Blaue! Natur in der Literatur" ist eine etwas andere Ausstellung. Abwechslungsreich und interaktiv. Und sie gibt schon einmal einen Vorgeschmack, wie sich das Lübecker Buddenbrookhaus nach dem großen Umbau präsentieren will. Nicht mehr mit Vitrinen und Texttafeln, sondern mit Literatur als begehbaren Raum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 04.07.2019 | 09:20 Uhr

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