Stand: 01.08.2020 06:40 Uhr  - NDR Kultur

"Lieblingsstücke": Besuch in der Herbert-Gerisch-Stiftung

von Katja Weise

Für viele ist er sicher immer noch ein Geheimtipp: der an der Schwale gelegene Skulpturenpark der Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster. 2007 wurde er offiziell eröffnet. Doch schon vorher hatten Brigitte Gerisch und ihr inzwischen verstorbener Mann Herbert angefangen, eine beeindruckende Sammlung moderner, zeitgenössischer Skulpturen zusammen zu tragen - darunter auch eine besondere Lieblingsskulptur.

Das Werk, zu dem Brigitte Gerisch eine ganz besondere Beziehung pflegt, steht direkt vor ihrer Haustür und rührt sie immer wieder an: "Mein Gemüt kommt immer in positive Schwingungen, wenn ich ihn sehe. Da ist einfach eine Empfindung, die man angesichts dieser Skulptur hat. Warum das so ist, weiß ich nicht. Man kommt zur Ruhe, man ist gelassen."

Friedenskrieger von Mimmo Paladino

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Brigitte Gerisch mit ihrer Lieblingsskulptur, dem "Friedenskrieger" von Mimmo Paladino.

Der offensichtlich noch junge Mann ist groß und schlank. Kerzengerade steht er da, zu seinen Füßen eine zerbrochene Schale, die entfernt an einen Helm erinnert, Wasser hat sich darin gesammelt. Mit der linken Hand hält er eine Art Schild, weit größer und schmaler noch als er selbst. Darauf sitzen Vögel. Brigitte Gerisch erklärt: "Das ist eine Bronzestatue des italienischen Künstlers Mimmo Paladino, den ich sehr schätze und sehr liebe. Titel ist 'Guerriero della Pace', Friedenskrieger oder Krieger für den Frieden."

Skulpturen umgeben von Wasser und Wiesen

Skulpturenpark der Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster © NDR Foto: Katja Weise

"Lieblingsstücke": Der Friedenskrieger im Skulpturenpark Neumünster

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Im Skulpturenpark der Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster ist eine Bronzestatue des italienischen Künstlers Mimmo Paladino das Lieblingsstück von Sammlerin Brigitte Gerisch.

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2003 erwarb das Ehepaar Gerisch diese Skulptur, es war die zweite der Sammlung. Seitdem wacht sie vor dem Eingang des 60er-Jahre-Bungalows, in dem Brigitte Gerisch seit dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren alleine wohnt. Trotzdem sagt sie: "Wir empfinden ihn als Wächter, als Wächter über das ganze Ensemble. Ich spreche immer von wir. Versuche das auch, wegen der Mitarbeiter, ich habe ein tolles Team, aber auch, weil mein Mann für mich immer noch dabei ist und das auch sein soll. Ich betone das immer. Und er steht ja als Büste auch in der Villa Wachholtz, da begrüßt er sozusagen die Gäste, was er immer sehr gerne tat."

Die Lieblingsskulptur von Herbert Gerisch befindet sich in dem großen Park hinter dem Haus, 'Interconnected Sculpture' von Abraham David Christian, auch eine Bronzearbeit: eine große Spirale. Organisch fügt sie sich ein in das Ensemble aus Wiese, Wasserlauf und Wildblumen. Der Weg führt über die kleine Brücke, vorbei an 'Philemon' und 'Baucis', zwei Sandsteintafeln, die an zwei nebeneinander stehenden Baumstämmen befestigt quasi über dem Geschehen schweben.

Gemeinsam aufgebaute Sammlung

Sie und ihr Mann seien sich immer einig gewesen, sagt Brigitte Gerisch, wenn es um den Ankauf von Skulpturen ging. Jetzt baut sie die Sammlung alleine weiter aus: "Ich war meistens die treibende Kraft, weil er immer auch auf Messen sagte: 'Musst Du denn jetzt schon wieder Geld ausgeben?' Aber manches Mal wäre es aus rückwärtiger Sicht besser gewesen, wir hätten mal hin und wieder zugeschlagen, für Werke, die heute unbezahlbar sind."

Ein Leben in Arkadien

Auch der "Krieger für den Frieden" von Mimmo Paladino war damals nicht leicht zu bekommen. Brigitte und Herbert Gerisch fanden die Skulptur schließlich bei dem Galeristen des Künstlers, erzäht Brigitte Gerisch: "Paladino hat eben den Galeristen Thaddaeus Ropac in Salzburg. Und mit dem haben wir uns zusammengetan und dann konnten wir diese schöne Arbeit erwerben. Und so wacht die Skulptur seit siebzehn Jahren über das Haus und den angrenzenden Park." Geht es nach Brigitte Gerisch soll das immer so bleiben: "Hier sind wir eigentlich in Arkadien. Und er ist der gute Wächter, der dafür sorgt, dass das Arkadien erhalten bleibt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.08.2020 | 06:40 Uhr

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