Sonderausstellung "Störtebeker und Konsorten" im Hansemuseum Lübeck © Europäisches Hansemuseum Lübeck Foto: Olaf Malzahn

Lübeck: Online auf den Spuren von Klaus Störtebeker

Stand: 25.01.2021 12:29 Uhr

Wie viele andere Museen auch bietet das Europäische Hansemuseum in Lübeck in der Corona-Krise Online-Führungen an. So geht es beispielsweise virtuell durch die Sonderausstellung "Störtebeker und Konsorten".

von Hauke Bülow

Punkt 16.30 Uhr - der Bildschirm füllt sich mit lauter kleinen Videokacheln. Mehr als 25 Teilnehmende haben sich vor ihren Computern versammelt. Michael sitzt bei gemütlichem Licht auf der Couch in seinem Wohnzimmer. Karin hat ein großes virtuelles Bild von der Elbphilharmonie in ihren Hintergrund gesetzt. In einem anderen Wohnzimmer toben Kinder vor der Webcam. Dann ergreift Sören Affeldt das Wort. Er ist der Leiter der Abteilung Bildung und Vermittlung im Europäischen Hansemuseum Lübeck und führt heute durch die Ausstellung. "Herzlich Willkommen im Hansemuseum digital", sagt er. "Sie wissen alle, warum wir das machen. Auf der anderen Seite hab ich gesehen, wo Sie alle herkommen. Harrislee, Flensburg und so weiter - das ist ja schon eine ganz schöne Ecke. Und vielleicht ist es dann ja auch ein Vorteil, dass man sich Freitagnachmittag mal eben das Hansemuseum angucken kann." Nur eben komplett virtuell.

Virtuelle Tour durch die Ausstellungsräume

Nach einer kurzen Einführung startet Sören Affeldt den Präsentationsmodus dieser "Zoom-Konferenz" - ein gängiges Online-Video-Tool, das aktuell auch von vielen Firmen genutzt wird. Die Videobildchen der Teilnehmenden rücken an die Seite des Bildschirms und auf einmal sind die Zuschauer mitten in den Ausstellungsräumen des Hansemuseums. 360-Grad-Fotos erwecken den Eindruck, mitten im Museum zu stehen. Selbst einige Fußspuren der letzten Besucherinnen und Besucher sind darauf zu sehen. Türkisfarbene Kreise zeigen an, wo es in den Räumen etwas zu entdecken gibt. Sören Affeldt klickt sich geübt durch die Ausstellung und zeigt eine Wand, auf der es um Störtebeker in der Popkultur geht. "Sie sehen, er taucht auf T-Shirts auf, es gibt Hörspiele über ihn, Bücher und Geschichten. Man sieht, es ist eine Figur, die im kulturellen Bewusstsein ist. Die aufgenommen wurde von der Popkultur. Und für Historiker ist das eigentlich ein bisschen anders. Herr Klaus Störtebeker ist eigentlich wirklich eine Legende."

Mythen und Wahrheit rund um Störtebeker

Neugierig folgenden die Teilnehmenden der virtuellen Museumsführung von Sören Affeldt durch die Räume. Störtebeker-T-Shirts- und Schallplatten hängen an einer schwarzen Wand. Bei der Führung räumt der Historiker mit den Geschichten um Klaus Störtebeker allerdings recht deutlich auf. So hätten die Piratenschlachten auf See so gar nicht stattgefunden: "Dieses Bild, das wir haben - da ist eine Räuberbande, die ein Schiff hat und über die See schippert und Leute überfällt - das gibt es gar nicht", erklärt er. Wohl aber Streit um Waren auf dem Wasser. Teilweise auch gewalttätig, wie ein Exponat der Ausstellung deutlich macht - eine Drehbasse. Das ist ein Geschütz, das einige Schiffe im Mittelalter an Bord hatten. Auch in der Störtebeker-Ausstellung steht so eine Drehbasse, an die Sören Affeldt heranzoomt: "Diesen Teil kann man hochklappen und dann steckt man da Munition und Pulver rein, dann klappt man es runter", erklärt er. "Wenn man Glück hat, reicht es, wenn man das Ding an Bord hat und man muss es nicht abfeuern, weil die auch gern mal explodieren."

Blick auf die moderne Piraterie

Sonderausstellung "Störtebeker und Konsorten" im Hansemuseum Lübeck © Europäisches Hansemuseum Lübeck Foto: Olaf Malzahn
Heute werden vor allem große Handelsschiffe von Piraten angegriffen.

Hinter dem Geschütz steht eine Kalaschnikow in einer Vitrine. Hier rückt die Ausstellung in die Gegenwart, in der die Piraterie eine andere Bedeutung hat. Heute werden vor allem große Handelsschiffe von bewaffneten Piraten angegriffen. Auch hierauf wird eingegangen, unter anderem mit der Geschichte der "Hansa Stavanger", die 2009 vor Somalia überfallen wurde. Ein umfangreicher Einblick also in die Piraterie vom Mittelalter bis heute, der bei den Teilnehmenden gut ankommt.

Zufriedene Bilanz der Online-Tour

Auch Sören Affeldt vom Hansemuseum ist mit der Premiere seiner virtuellen Führung zufrieden. "Ich muss sagen, insgesamt habe ich die Führung genauso gemacht wie damals, und das hat aus meiner Sicht gut funktioniert." Und deshalb setzt das Hansemuseum mindestens für die Zeit des Lockdowns weiter auf virtuelle Begegnungen in der Störtebeker-Ausstellung. 

Die nächste geführte virtuelle Störtebeker-Tour im Europäischen Hansemuseum Lübeck findet am Freitag, 29. Januar, um 16.30 Uhr statt und kostet drei Euro. Anmelden können Sie sich aktuell per Mail an info@hansemuseum.eu oder telefonisch unter (0451) 809 09 90. In der kommenden Woche soll die Anmeldung auch über die Internetseite des Museums funktionieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kultur im Norden | 23.01.2021 | 06:40 Uhr