Stand: 29.05.2020 07:33 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Die trügerische bunte Welt der Rachel Maclean

von Frank Hajasch

Rachel Macleans Kunst besteht aus grellfarbigen Fantasien. Die Werke sind humorvoll, zugleich aber bitterböse Gegenwartssatiren. Wenn Rachel Maclean ausstellt, flackern die Bildschirme und locken Virtual-Reality-Brillen, klassische Malerei an den Wänden ist weniger zu finden. Jetzt wird die schottische Künstlerin in Deutschland zum ersten Mal in einer musealen Einzelausstellung gezeigt - in der Kunsthalle zu Kiel.

Willkommen in good old Britain! Wer diese Ausstellung betritt, findet sich gleich in einem konsequent blau-weiß-roten Ambiente wieder. Der Union Jack prangt in zerfetzten Einzelteilen an allen Wänden. Seit Wochen wächst dieser langgezogene Raum zu einem Kunstkosmos zusammen.

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Seit 2010 ist Anette Hüsch Leiterin der Kieler Kunsthalle.

Und wenn sie ehrlich sei, sagt Kunsthallen-Direktorin Anette Hüsch und lacht, dürfe jetzt langsam mal Schluss sein damit: "Ja, Rachel Maclean hat eine Künstlerinstallation geschaffen. Das heißt, wir bewegen uns in einem Kunstraum, der so eine bühnenartige Situation hat. Das war sehr aufwendig. Da haben sehr viele Gewerke daran gearbeitet, um das so zu gestalten, wie es jetzt aussieht."

Gerade erst wurde das schicke Fischgrätparkett mit einem knallroten Teppich überzogen. Große, meist querformatige Bilder hängen passgenau, zum Teil diagonal über den Flaggenzitaten. Hier sei garantiert nichts dem Zufall überlassen, erzählt die Kunsthallenchefin. Vielmehr hätten sie absolut perfekt arbeiten müssen. Dafür sei Rachel Maclean aber auch bekannt.

Grellbunte Inszenierungen

Native Animals nennt sich dieser Kunstkosmos aus 23 digitalen Gemälden. Er bleibt der Kieler Kunsthalle erhalten, als Geschenk von Rachel Maclean. Die Bilder zeigen eine seltsam-schräge Fantasiewelt. In knalligen Farbtönen posieren Mischwesen aus Tier und Mensch: in Groß und Klein, in Süß und Fies. Die Künstlerin inszeniert sich in diesen grellbunten Settings in klassischen Posen: mal als Jägerin, mal als Dame von Welt. Doch der Märchenschein trügt: Die Bilder sind vor allem Antwort auf aktuelle Themen.

Rachel Maclean beschäftigt sich sehr viel mit Fragen der Identität. Sie interessiert sich sehr für historische Zusammenhänge und für die Gegenwart: unschwer zu erkennen etwa der Brexit und der sich verstärkende Nationalismus. Aber sie interessiert sich auch dafür, wie bestimmte kulturelle Traditionen immer weitererzählt werden. Einige dieser kulturellen Traditionen sind Märchen, Fabeln, Legenden.

Verrückt und "very british"

Very british das Ganze, so vornehm, so steif und irgendwie auch weltfremd sind ihre Wesen. Und wie die Künstlerin die Charaktere zu Schweinen macht mit so einem fiesen Grinsen, großartig. Woher schöpft sie diese Kunstfiguren?

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Maclean lebt ihre Kunst. Sie trägt farbenfrohe Kostüme und Make-up und übernimmt jede Rolle in ihren Filmen selbst.

Ihre Figuren hätten unterschiedliche Hintergründe, erzählt Rachel Maclean. In ihren letzten Arbeiten aber seien es alles heimische Tiere aus den bekannten englischen Kinderbüchern von Beatrix Potter, also "Peter Rabbit", und von Kenneth Grahame "Der Wind in den Weiden". Modernste Technik zu verwenden, sei wichtig. Alle ihre Werke seien eine Verbindung aus klassischer Malerei und modernen Medien. Ein Mix, der manches bekannt vorkommen lässt und anderes sehr modern.

Es geht aber auch um körperliche Selbstoptimierung und Idealvorstellungen. Das ist etwas, das in der Kunst und auch in der Werbung ein ganz altes Motiv ist, also die "ewige Jugend" und die "ewige Schönheit" - und die Suche danach. Und dafür werden die Lichtboxen angeschaltet, wie eine große Leuchtreklame.

Die trügerische bunte Welt der Rachel Maclean

Rachel Maclean erschafft eine bildgewaltige Fantasiewelt. Jetzt wird die Kunst der Schottin zum ersten Mal in Deutschland in einer musealen Einzelausstellung gezeigt - in der Kunsthalle zu Kiel.

Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle zu Kiel
Düsternbrooker Weg 1
24105  Kiel
Telefon:
(0431) 880 57 56
E-Mail:
info@kunsthalle-kiel.de
Preis:
4 bis 7 Euro
Öffnungszeiten:
Di - So: 10 - 18 Uhr
Mi: 10 - 20 Uhr
Montag geschlossen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 14.02.2020 | 19:00 Uhr

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