Stand: 01.04.2019 15:30 Uhr

Wie viel Meese-Kunst verträgt Lübeck?

von Thorsten Philipps

Erstmals stellt ein Künstler in Deutschland in einer Stadt an vier verschiedenen Orten aus: Zwei Monate lang waren Jonathan Meeses Installationen, Sammlungen, Graffiti und Demotransparente in der St. Petri Kirche in Lübeck zu sehen. Bis zum 4. August läuft die Ausstellung "Großvater/Gold" im Günter-Grass-Haus. Seit dem Wochenende werden in der Kunsthalle St. Annen und im Overbeck-Pavillon weitere Werke von Meese gezeigt. Sein Projekt nennt er "Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)". Verträgt eine Stadt so viel Meese?

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Jonathan Meese zieht Kunst-Netz über Lübeck

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Jonathan Meese und seine Mutter eröffnen die Vernissage in der Kunsthalle St. Annen mit einer Videoinstallation. 300 Menschen hören zu, bevor sie sich auf den Weg durch die Räume machen. Neben mehreren Videoinstallationen, die den Aufbau der Ausstellung als eine Art Selbstreflexion zeigen, sind riesige Gemälde in Grün, Blau, Schwarz und Rot zu sehen. In einem anderen Raum hängen kleine Zeichnungen. "Das ist jetzt schon meine dritte Meese-Station und eigentlich hat sie mir am besten von allen dreien gefallen", sagt eine Besucherin auf der Vernissage.

Gesellschaftskritik oder populistische Kunst?

Oliver Zybok von der Overbeck-Gesellschaft kennt Jonathan Meese schon seit 20 Jahren. Er hat den Künstler nach Lübeck geholt. Für Zybok ist Meeses Kunst topaktuell, weil sie sich gegen den Populismus richte. "Er drückt damit aus, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die wichtig für uns sind", schildert Zybok. "Uns die kreative Freiheit zu nehmen, die wir brauchen, und uns nicht einengen zu lassen."

Viele Kunstfreunde halten Meese dagegen selbst für einen Populisten. Es gab viele kritische Briefe an die Kirche und die Museumsleitung. Der Chef der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen, hält die Kritik für niveaulos. "Dass man sagt: 'Was soll dieser Müll in der Petrikirche?', das ist eine Form der Auseinandersetzung, die sich gar nicht darauf einlässt, zu versuchen, diese Kunst zu verstehen."

Meese: "Die Verbitterung muss weg"

Es ist bundesweit das erste Mal, dass an vier Orten in einer Stadt gleichzeitig die Kunst eines einzigen Künstlers zu sehen ist. Für Jonathan Meese ist es der Startschuss für eine Art Kunstrevolution. "Es ist der Anbeginn des Gesamtkunstwerks Deutschlands", sagt der ausstellende Künstler. "Die Botschaft ist, dass jeder nach Hause gehen soll und spielerisch werden muss. Die Verbitterung muss weg." Und das kommt an: "Ich finde seine Methode des Spielens und des Angebots, selber zu spielen, ganz wichtig."

Meese beansprucht für sich und seine Kunst, ideologiefrei zu sein - mit seinen Exponaten kann er diesem Selbstanspruch aber nicht immer gerecht werden. Dafür inszeniert sich der Mann, der äußerlich an Helge Schneider erinnert, zu sehr wie ein "Meesias" für die ganze Welt.

Wie viel Meese-Kunst verträgt Lübeck?

In Lübeck sind in diesem Jahr vier Ausstellungen von Jonathan Meese zu sehen. Für den Künstler ist es eine Art Kunstrevolution. Verträgt eine Stadt so viel Meese?

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle St. Annen
St. Annen-Straße 15
23552  Lübeck
Telefon:
(0451) 122 41 37
E-Mail:
mq@luebeck.de
Preis:
7 Euro (regulär), 3,50 Euro (ermäßigt), 2,50 Euro (unter 18 Jahren)
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 Uhr bis 17 Uhr
Hinweis:
Die Ausstellung Mutter/Evolution ist Teil des Projektes "Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)". Weitere Ausstellungen des Projektes finden in der Lübecker Petrikirche, im Günter Grass Haus und im Overbeck-Pavillion statt.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.04.2019 | 06:20 Uhr

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