Blick zwischen Holzbalken auf das zukünftige Hans-Christian-Andersen-Museum © dpa Bildfunk Foto: Steffen Trumpf

Hans Christian Andersen bekommt ein Museum in Odense

Stand: 30.06.2021 13:27 Uhr

Es soll mehr als nur ein Märchen-Museum sein. Das Hans Christian Anderesen Museum im dänischen Odense ist noch unvollendet, wird aber schon eröffnet.

von Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent in Stockholm

Dieses Museum ist anderes, verwunschen, ein Ort, der die Fantasie anregen soll und das auch tut. Im Moment sogar doppelt. Klar, Besucher tauchen ein in die Märchenwelt von Hans Christian Andersen, aber sie stehen auch noch auch auf einer Baustelle und müssen sich hier und da einfach vorstellen, wie das alles wohl fertig aussieht, der große Garten zum Beispiel. Noch ist das neue dänische Renommierprojekt unvollendet, weshalb Königin Margrethe auch nur zum "soft opening" in Andersens Geburtsort Odense auf der Insel Fünen kommt.

"H.C. Andersen Hus" in Odense ist noch unvollendet

Der Kreativdirektor des Andersen-Museums, Henrik Lübker, blickt nach oben. © dpa Bildfunk Foto: Steffen Trumpf
Der Kreativdirektor des Andersen-Museums, Henrik Lübker.

"Weiche Eröffnung", eine märchenhafte Umschreibung für eine Panne? Nein, dürfte Kreativdirektor des "H.C. Andersen Hus", Henrik Lübker, denken. Es bedeute eher Annäherung an Andersen und dessen Glauben an die Macht der Vorstellungskraft. Das ganze Projekt atme diesen Geist, sagt Lübker: "Als ob da jemand flüstert: 'Na los, du musst dein Leben nicht von A nach B leben. Da ist vielleicht ein anderer Weg zu reisen.' Es geht nicht ums Ziel, sondern um das Abenteuer gleich hinter der Ecke. Das ist das Versprechen dieser geschwungenen Hecken. Hinter jeder Biegung wartet vielleicht ein anderes Erlebnis."

Leben und Märchen Hans Christian Andersens entdecken

Vom großen Garten, der im Herbst wirklich fertig sein soll, geht es in Pavillons und große unterirdische Räume, vorbei an Andersens Lebensstationen und seinen Märchen. Die Gäste werden von einem individuellen Audiosystem mit Kopfhörern geführt, die je nach Exponaten die passenden Informationen geben, aber auch schon mal Verwirrung stiften.

Es gibt halt viele Arten, Andersens Geschichten zu erzählen und zu verstehen. "Der Autor möchte seine Geschichte erzählen, aber auch der Museumsführer, der dir ins Ohr sagt: 'Versuche, sachlich zu bleiben.' Aber Andersen behauptet dann, dass das alles so nicht gewesen sei. Und dann triffst du auf Objekte, die ebenfalls mitreden wollen und behaupten, es gehe doch eindeutig um sie!" schildert Lübker.

Im Dialog mit der Erbse: erlebbare Märchen

Wie an dem Bett mit den vielen Matratzen, auf dem die Prinzessin gelegen hat. Aber nicht sie meldet sich, sondern die Erbse: "Ich bin die Erbse! Eigentlich sollte man die Geschichte 'Die Erbse unter der Prinzessin nennen'. Denn schließlich war ich es ja, die man brauchte, um das völlig durchgeregnete Mädchen auf die Probe zu stellen: War sie wirklich die, die sie vorgab, zu sein?"

Japanischer Architekt Kengo Kuma hat Andersen Museum entworfen

Eine Computeranimation des zukünftigen Hans-Christian-Andersen-Museum, wie es nach seiner Fertigstellung aussehen soll © dpa Bildfunk Foto: Steffen Trumpf
Eine Computeranimation des zukünftigen Museums, wie es nach seiner Fertigstellung aussehen soll.

"Andersens Märchen können einfach alles", schwärmt Lübker, "sie können dramatisch sein, lustig oder tief. Hier werden alle Genres zu einem einzigen". Während das Museum auch als Bau einzigartig sei, so der japanische Architekt Kengo Kuma: "Wir haben dafür keine besonderen Materialien benutzt: nur Hecken, Holz und Glas und wollen so die andere Welt zeigen. Die Wirklichkeit schränkt uns ja ein. Aber durch diese normalen Materialien sollen wir den Traum finden."

Märchenhafte Welt für alle Menschen ab 7 Jahren

Oder die vielen Träume. Von Gegensätzen, die plötzlich keine mehr sind. Von einer scheinbar kleinen Welt, die aber ein Tor ist zu einem ganzen Universum. Man kann und soll sich verlieren auf den knapp 6.000 Quadratmetern in der märchenhaften Welt des Hans Christian Andersen. Und das gelte nicht nur für Kinder und Jugendliche, so Henrik Lübker: "Wir haben nur eine Altersgruppe im Blick: Die Menschen! Andersens Geschichten funktionieren ja für Erwachsene und Kinder. Deshalb bin ich überzeugt, dass dieses Museum allen, sagen wir ab sieben Jahren, viel Spaß machen wird!"

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 30.06.2021 | 10:20 Uhr