Günter-Grass-Ausstellung "Into the Trees" eröffnet in Lübeck

Stand: 13.07.2021 11:20 Uhr

Im Lübecker Günter-Grass-Haus erzählt die Sonderausstellung "Into The Trees" von der Naturliebe des Schriftstellers.

Das Gemälder  "Waldweg zwischen Buchen" von Günter Grass © Günter und Ute Grass Stiftung / Steidl Verlag
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von Linda Ebener

Der Wald hat in der Coronapandemie immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist für viele zur Erholungsoase oder zum Ziel eines Spaziergangs geworden. Günter Grass hatte diesen Mehrwert des Waldes schon in den 80er-Jahren erkannt. Deshalb zeigt das Günter-Grass-Haus in Lübeck die Sonderausstellung "Into the Trees".

"Wenn wir den Wald aussterben lassen, verlieren Worte ihren Sinn." Ein Vers von Günter Grass, der seine Verbundenheit zur Natur, aber gleichzeitig auch die Angst, sie verlieren zu können, sehr gut beschreibt. Auch der international bekannte DJ Dominik Eulberg, der gleichzeitig Ornithologe ist, findet ein Leben ohne Natur sinnlos und lässt sich tagtäglich von ihr inspirieren, wie Günter Grass.

Grass-Gedichte über Kuckuck und Nachtigall

"Ich kenne ihn natürlich noch aus dem Deutschunterricht in der Schule, wo wir die Bücher lesen mussten", sagt Eulberg und fügt hinzu: "Ich finde toll, dass er seine eigenen Standpunkte vertreten hat, da sehe ich gewisse Parallelen zu meiner Denkweise. Mir ist es auch egal, was die anderen Leute dazu sagen. Das Leben ist zu kurz, um nicht sein Leben zu leben."

Die Ausstellung wurde nicht wie gewohnt im Museum eröffnet, sondern auf der Freilichtbühne Lübeck. Der perfekte Ort dafür, findet Jörg-Philipp Thomsa, Museumsleiter des Günter-Grass-Hauses. Es geht um Kunst, Natur und Musik. Neben Bildern aus dem Wald hat Günter Grass zum Beispiel auch viele Gedichte über den Kuckuck und die Nachtigall geschrieben - alles Teil der Sonderausstellung "Into the Trees".

Grass ging mit Hündin Cara auf Motivsuche

"Mön, Ulvshale Sov", Bild von Günter Grass auf einer Wiese im Wald © Günter und Ute Grass Stiftung / Steidl Verlag
Für seine künstlerische Arbeit ging Günter Grass oft direkt in die Natur.

"Das Besondere sind natürlich die bildkünstlerischen Arbeiten von Günter Grass", erzählt Thomsa und ergänzt: "Er ging leidenschaftlich gerne in den Wald, um sich von der Natur inspirieren zu lassen, etwa in Dänemark auf der Insel Møn oder in Behlendorf, wo er 30 Jahre lang wohnte, aquarellierte, aber auch Lithographien anfertigte oder auch mit sibirischer Reiskreide Holz zeichnete und sein Hund Cara ihm immer wieder die besten Stellen präsentierte."

Man steht im Wald - die Wände der Sonderausstellung im Günter-Grass-Haus sind dunkelgrün, die Vögel zwitschern und die Blätter rauschen im Wind. An den Wänden stehen kurze Gedichte von Grass. Im Ausstellungsraum hängen Bilder und Skizzen von der Decke. Gäste müssen sich ihren Weg quasi durch die Ausstellung bahnen. Kuratorin Tatjana Dübbel verfolgt ein großes Ziel: "Es soll zum einen auf ganz andere Weise einen Zugang zum Werk von Günter Grass schaffen, vor allen Dingen auf den sehr komplexen Roman 'Die Rättin'. Das große Thema, das Grass auch Anfang der 80er-Jahre beschäftigt hat, ist aber auch die Naturzerstörung, die nach wie vor aktuell ist und eigentlich auch immer aktueller wird."

Günter Grass setzte sich schon früh für den Schutz des Waldes ein

Titelmotiv "Into the Trees" © Günter und Ute Grass Stiftung / Steidl Verlag
Das Titelbild der Ausstellung zeigt Günter Grass malend im Wald.

Jörg Philipp Thomsa hat "seinen" Grass noch einmal ganz neu entdeckt. "Was mich selber überraschte, war, wie früh sich Günter Grass für den Schutz des Waldes einsetzte und gleichzeitig sagte: Wenn der Wald stirbt, ist es auch ein Kulturverlust, etwa in dem die Märchenfiguren ihre Heimat verlieren. Und er hat immer wieder sehr früh auch in politischen Reden darauf hingewiesen, dass wir den Wald zu schützen haben und so schlagen wir also den Bogen von den 70er-, 80er-Jahren ins Heute: in die Debatten um Fridays for Future sowie den Klimawandel und wollen eben zeigen, dass das Werk von Grass aktueller denn je ist."

Den Wald schützen will auch DJ Dominik Eulberg. Bei der Eröffnung der Sonderausstellung auf der Freilichtbühne präsentiert er zum Beispiel, wie er Vogelstimmen in Noten übersetzt. "Jedes Mal, wenn der Vogel ein Geräusch von sich gibt, sieht man einen Wellenausschlag. Und das ist eigentlich immer nur ne Frage aus vier Parametern: Tonhöhe, Anschlagsdynamik, Länge und Metrik."

Mit der Verbindung von Musik und Natur Publikum anlocken

Für Jörg-Philipp Thomsa ein faszinierendes Themengebiet, das auch möglichst viele junge Literatur- und Naturfreunde ansprechen soll.

"Wir versuchen ja immer wieder neues Publikum ins Grass-Haus zu locken und Dominik Eulberg ist ähnlich wie Grass jemand, der interdisziplinär arbeitet, sich also mit Natur und Musik auseinandersetzt, zwei scheinbar verschiedene Sphären miteinander verbindet und das hat Günter Grass ja auch immer wieder getan."

Weitere Informationen
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Günter-Grass-Ausstellung "Into the Trees" eröffnet in Lübeck

Die Sonderausstellung "Into The Trees" im Lübecker Günter-Grass-Haus zeigt die Naturliebe des Schriftstellers.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Glockengießerstraße 21
23552  Lübeck
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 08.07.2021 | 06:40 Uhr