Stand: 19.01.2018 11:57 Uhr

Räumung: Puppen-Packen im Museum in Lübeck

von Nadine Dietrich

Im vergangenen Jahr feierte das Lübecker Figurentheatermuseum seinen 40. Geburtstag. Jetzt wird es leergeräumt. Der Grund: Es wird grundsaniert. Mindestens zwei, voraussichtlich aber drei Jahre bleibt es geschlossen. Jetzt heißt es "Ab in die Kiste!" für die 1.000 Theaterfiguren im Museum: Marionetten, Stabfiguren, Handpuppen und Schattenfiguren aus aller Welt. Eine Reportage der Packarbeiten.

Herausheben der staubigen Figuren aus den Schaukästen

Langsam und vorsichtig hebt Museumsleiterin Antonia Napp mit einer Kollegin eine Glasscheibe aus einem Schaukasten. Dafür wurden zwei rote Saugheber mittels Vakuum an der Scheibe befestigt. Dann betrachtet Napp die Figuren in der Vitrine endlich einmal ganz aus der Nähe. Viele haben seit fast 40 Jahren ihre Schaukästen nicht verlassen. Entsprechend staubig und teilweise brüchig sind sie. Eine dieser Figuren nennt sich Kakautzky und ist ungefähr einen halben Meter groß. Der Witz beim Spiel entsteht durch das merkwürdige Verhältnis von lebensgroßem Kopf des Spielers und dem kleinen Körper der Puppe. Der Spieler bindet sie wie eine Krawatte um den Hals und ergänzt die Figur mit dem eigenen Kopf. Die kuriose Spielform sei sehr alt, von 1880, erzählt Napp.

Figuren stammen aus Europa, Nahost, Fernost oder Afrika

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Die Theaterfiguren zu restaurieren und zu erhalten ist eine schwierige Aufgabe. Sie bestehen aus den unterschiedlichsten Materialien.

Holz, Leder, Gummi, Draht, Stroh, Pappmaché, Pergament - Theaterfiguren bestehen aus den unterschiedlichsten Materialien. Sie zu restaurieren und zu erhalten, ist eine äußerst schwierige Aufgabe. Die Museumsleiterin wirkt fast froh, dass jetzt all die Figuren - ob aus Europa, Nahost, Fernost oder Afrika - wegen der Museumssanierung endlich mal in säurefreies Papier gewickelt und in graue Kartons gebettet werden. Zwei Jahre lang Ruhe, denn das Theaterfigurenmuseum muss dringend saniert werden.

Sanierung durch Lübecker Stiftung - danach Umzug zur Petrikirche

"Die Gründe für die Sanierung sind vielfältig", erklärt Antonia Napp: "Die Beleuchtung können wir nicht regulieren, die Heizung auch nicht". Auch fehle ein Fahrstuhl für die Besucher. Deshalb werden die drei Kaufmannshäuser aus dem 13. Jahrhundert durch die Lübecker Possehl-Stiftung kernsaniert. Aber: Hierher zurück kehrt das Theaterfigurenmuseum nicht mehr - es tauscht mit dem Figurentheater am Kolk die Häuser. Eine Rochade unterhalb der Petrikirche. Der Vorteil dort: "Wir können mehr Theatersituationen ausstellen. Unsere Marionetten werden dann auf Marionettenbühnen präsentiert, Schattenfiguren auch auf Schattenwand", so Napp.

Außerdem sollen die Gäste dann selber ausprobieren, wie sich Stab- und Marionettenfiguren führen und spielen lassen. Bis dahin heißt es aber erst einmal zwei bis drei Jahre lang: Vorhang zu!

Ab in die Kiste: Die werden Puppen eingepackt

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.01.2018 | 19:30 Uhr

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