Stand: 03.03.2019 05:00 Uhr

Eutin: Museum zeigt Miniatur-Welten im Ei

von Katrin Bohlmann

Jedes Ei ist ein wahres Kunstwerk. Ob nun die Schach spielenden Affen im Urwald, das nackte Liebespaar im rosa Himmelbett oder die Strandszene mit Sand, Strandkörben, Sonnenschirmen und vielen Menschen in Bikini und Badehose. Es ist unglaublich, was Edda Henschel für eine große Welt in diese kleinen Hühner- und Gänseeier gezaubert hat - mit viel Liebe zum Detail. Kuriose und lebensechte Szenen sind auf ein Minimum geschrumpft. Mit viel Geduld, ruhiger Hand, viel Klebe und dem entsprechenden Miniaturwerkzeug schafft die Hamburger Künstlerin ihre Eier-Welten. Seit 30 Jahren macht sie das. Als Studentin hat sie mit Eier bemalen angefangen. "Das wurde mir aber bald zu langweilig", erzählt die heute 60-Jährige.

Kuriose Ausstellung in Eutin: Mini-Welten im Ei

Zirkus, Theater und Supermarkt im Ei

Da steht zum Beispiel folgendes Ei in der Vitrine: Ein Bildhauer meißelt eine Frau aus Stein, eine nackte Frau steht mit dem Rücken ihm zugewandt Modell, kleine grüne Flaschen und eine Bierkiste stehen herum. Der Clou: Wenn der Besucher um das Ei herumgeht, ist die Nackte von vorne zu sehen. Denn das Ei hat ein Fenster. Und Edda Henschel setzt noch einen drauf: Im Gebüsch vor dem Ei hockt ein Spanner. Und die ganze Geschichte ist in einem nicht mal zehn Zentimeter großen Gänseei. "Viele Leute sagen: 'Das könnte ich nicht, ich würde irre werden'. Aber ich nicht. Ich habe schon als Kind gerne klein, klein gezeichnet und gemalt. Das macht mir bis heute Spaß. Ich liebe das", sagt Edda Henschel. Sie hat an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg studiert. Die Ideen gehen ihr nie aus. Immer wieder fällt ihr etwas Neues ein.

Mehr als 80 Hühner- und Gänseeier

Es ist in Eutin ihre erste Museumsausstellung. Bisher hat die gebürtige Hannoveranerin ihre Miniaturwelten "nur" in Galerien ausgestellt. "Edda Henschel war ein Geheimtipp", sagt Julia Hümme, Leiterin des Ostholstein-Museums. "Ein befreundeter Galerist hat mir ihren Katalog in die Hand gedrückt. Die Eier sind fantastisch. Sie strotzen von liebevollen Kleinigkeiten." Nun hängen die Eier-Welten von der Decke und stehen in Glasvitrinen im Dachgeschoss des Eutiner Museums. Mehr als 80 Hühner- und Gänseeier sind es. Jedes Detail hat die Künstlerin selbst gebastelt, jede Figur und jedes Tier selbst bemalt. In einem Schaukasten zeigt Edda Henschel ihr Werkzeug und das Zubehör. Die Künstlerin legt Wert auf die Feststellung: Ihre Eier sind keine Osterdeko. Bei Sammlern sind ihre Kunstwerke inzwischen begehrt.

Paprikasamen als Fladenbrot, Sauna aus Streichhölzern

Das Faszinierende ist die Phantasie von Edda Henschel: Aus gelben Stecknadelköpfen bastelt sie Tennisbälle, aus Paprikasamen Fladenbrot und aus Streichhölzern eine Sauna. "Ich habe einen anderen Blick für die Dinge, ich achte auf Details. Zum Beispiel schaue ich mir jede Verpackung erst einmal genau an, bevor ich sie wegschmeiße. Vielleicht könnte es ja noch eine andere Funktion haben, eine Tür oder ein Fenster", erklärt die Künstlerin. Je nach Szene dauert die Arbeit an einem Ei zwischen einer Stunde und mehreren Wochen. Der Preis ihrer Eier schwankt: von knapp 50 Euro über 100 Euro bis in den vierstelligen Bereich. Damit dem Besucher auch ja kein Detail entgeht, liegen im Ausstellungsraum des Ostholstein-Museums Lupen und Lesebrillen aus. Und Museumschefin Julia Hümme hat noch einen Tipp: "Der Besucher sollte sich viel Zeit nehmen. Denn es ist wie bei einer klassischen Gemäldeausstellung: Je länger man in ein Ei schaut, umso mehr ist zu entdecken."

Die Ausstellung "Die Welt im Ei" von Edda Henschel ist im Ostholstein-Museum in Eutin noch bis zum 28. April zu sehen. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 01.03.2019 | 20:10 Uhr

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