Stand: 06.05.2019 15:30 Uhr

Die Formenkunst des Lothar Götz in Lübeck

von Frank Hajasch

Der in London lebende deutsche Künstler Lothar Götz gestaltet Treppenhäuser mit Dreiecken, Rauten und mit farbigen Flächen. In der vergangenen Woche hat Lothar Götz in der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck gemalt. Nun wurden dort die zwei Wandarbeiten erstmals gezeigt. Ein Museumsbesuch.

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Formen beschreiben seine Welt: Lothar Götz im Treppenhaus der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck

Es ist einer dieser ungemütlichen Tage: Im Garten der Overbeck-Gesellschaft will Frühling sein, aber das Wetter zeigt sich launisch. Also macht Lothar Götz bis zum nächsten Sonnenstrahl erst mal drinnen weiter. Oliver Zybok lässt es sich trotzdem nicht nehmen. Auf dem Gerüst will er die ersten Farbflächen an seinem Haus präsentieren: auf einer frisch restaurierten, schneeweißen Wand, die spitzwinklige Dreiecke und eng verzahnte Rauten zeigt.

Anlass für die Kunstaktion sind "100 Jahre Overbeck-Gesellschaft". Sie wurde am 6. Mai 1918 gegründet und somit endet am 6. Mai 2019 das Jubiläumsjahr. Er wolle nochmal einen anderen Blick auf diese Architektur werfen, ein neues Raumgefühl entlocken, für den Pavillonbau aus der Zeit der Neuen Sachlichkeit, so Oliver Zybok: "Sie müssen sich das so vorstellen, dass Lothar Götz sich ein gewisses Formenvokabular überlegt hat."

Veränderter Blickwinkel - veränderte Wahrnehmung

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Lothar Götz hat an der Fachhochschule Aachen, der Bergischen Universität Wuppertal, der Kunstakademie Düsseldorf und dem Royal College of Art in London studiert.

Die farbgewaltigen Flächen machen etwas mit dem Garten und dem Raum vor dem Ausstellungsgebäude. Das dunkle Orange, das luftige Türkis und das seltsame Flamingo-Rosa rhythmisieren die Wand und schieben den Besucher geradezu in den Pavillon. Dort regiert noch immer die Kunst Jonathan Meeses. Eigentlich bleibt nur das Treppenhaus für Lothar Götz. Genau das aber wollte er: "Was mich am Treppenhaus interessiert hat, war das es zwischen dem Ausstellungsraum und einem öffentlichen Raum ist. Das Treppenhaus ist nicht der Ausstellungsraum. Dadurch betrachtet man natürlich auch eine Kunst oder Malerei anders, weil man da ja eigentlich nur rauf und runter geht."

Lothar Götz wünscht sich einen aktiven Betrachter. Einen Betrachter, der auf die Treppe geht und die Höhen des Raumes erlebt, der den Schwung der umlaufenden Stufen mitnimmt. Und je nachdem woher er kommt, ändert sich seine Wahrnehmung: "... was man ja eigentlich im Leben immer erlebt - die ganze Zeit. Ob es jetzt ein Bild ist, oder ob es ein Land ist, oder eine Landschaft oder eine politische Situation - je nachdem, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet, sieht es leicht anders aus."

Ein Parallelogramm im Treppenhaus

Lothar Götz steigt zurück ins Treppenhaus, indem sich ein Baugerüst breit macht. Die nächste Fläche mit zwei sich anstoßenden Dreiecken wird abgeklebt. Der Assistent fängt mit der ersten von sieben Bemalungen an. Vor dem Künstler hängt ein Entwurf für die Wand. Die Umrisslinien der einzelnen Farbflächen orientieren sich ganz offensichtlich an Punkten im Raum: an der ersten Stufe, am oberen Podest, an der Sockelleiste. Fürs Treppenhaus hat Lothar Götz keine intensiven Töne gewählt. Am dominantesten ist ein Ultramarin: Das blaue und wandhohe Parallelogramm bildet einen schönen Kontrast zum alten, gegenläufigen Handlauf der Treppe.

Ein Assistent des Künstlers Lothar Götz streicht mit einer Farbrolle eine Wandmalerei an die Fassade der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck. © NDR.de Foto: Frank Hajasch

Lothar Götz in der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck

NDR Kultur - Klassisch unterwegs -

Zu ihrem 100-jährigen Bestehen gestaltet Lothar Götz die Räume der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck mit zwei Wandgemälden aus Dreiecken, Rauten und farbigen Flächen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 06.05.2019 | 16:20 Uhr

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