Stand: 15.06.2018 12:23 Uhr

Der Kachelofen als Kunstobjekt

von Frank Hajasch

An Kachelöfen haben in den vergangenen heißen Tagen vermutlich nur wenige Menschen gedacht. Da sieht es bei den Keramik-Studierenden der Kieler Muthesius Kunsthochschule schon anders aus: Eine ihrer Studienfahrten führte sie in den Harz auf Schloss Blankenburg. Die riesigen Räume dort sollten sie inspirieren, eigene Kachelöfen zu entwerfen. Wohlgemerkt "nur" entwerfen - denn richtig beheizt werden sie wohl nie. Hier geht es in erster Linie um Öfen als Kunstobjekte. Ein Besuch bei zwei der kreativen Keramikerinnen in ihrer Werkstatt.

Bild vergrößern
Keramik-Studentin Nina Henrich baut ihren Kachelofen im Maßstab 1:3 aus Ringen auf.

Es klatscht und spritzt, als Annika Meier den noch feuchten Ton neben der Töpferscheibe auf die Arbeitsplatte knallt. Der hell-beige Klumpen wird gut durchgeschlagen, bevor die Keramikerin mit feinem Draht dünne Scheiben schneidet. Was hier entsteht, sind Glasur-Probeplättchen für die Oberfläche künftiger Kachelöfen. Es wird langsam konkret beim Projekt Kachelofen der Muthesius Kunsthochschule.

Bis zur Decke

An Kachelöfen in vielleicht deckenhohem Format ist bisher nur zu denken. Was die Studierenden der Keramik-Klasse fertig haben, sind Modelle im Maßstab 1:3 - noch blass, noch nackt, eben ohne jegliche Glasur. Um da weiter zu kommen, sitzt Nina Henrich nebenan mit Tusche und Pinsel. Sie malt erste Farbproben auf Papier: mal zart, mal dick gebürstet. Gar nicht so einfach, die Oberfläche für ihren Ofen auf Schloss Blankenburg zu entwickeln.

In Aktion mit dem Raum

Sie sei davon überrascht worden, sich in diesem Semester mit dem Thema Öfen auseinanderzusetzen, erzählt die junge Frau. Aber Keramik sei dreidimensional und trete immer in Aktion mit dem Raum. Tatsächlich ist das, was Nina Henrich entworfen hat, auch mehr eine Röhre - eine edle, puristische Röhre, oval in der Grundfläche und später mal brusthoch, so dass sie prima in einer unregelmäßigen Ecke "ihres" Raumes im Schloss Blankenburg stehen könnte.

Wohin mit den Öfen?

Bild vergrößern
Der Ofen von Annika Meier soll später 2,90 Meter hoch sein und in einer Nische stehen.

Annika Meier hat die nächsten Glasur-Plättchen fertig. Die kommen in den Ofen, werden bei 800 Grad gebrannt. So bleibt die Oberfläche porös, um später das Wasser der Glasur aufzunehmen. Zeit für einen Blick auf die Entwürfe der jungen Keramikerin: Bauklötze sind zu sehen, die im Halbrund angeordnet sind, dazu ein schicker Fries mit Blumen. Auf Annikas Entwürfen und Zeichnungen stehen Höhenmaße von 2,90 Metern. Wohin, bitteschön, kommen diese riesen Öfen, wenn sie mal fertig sind? In Blankenburg, sagt Annika, sei ihr Zimmer vier Meter hoch, mit einem Deckenbogen in der Mitte. Das würde schon passen.

Auf Einladung des Landesmuseums Schloss Gottorf dürfen die Studierenden ihre Arbeiten schon mal im Kloster Cismar ausstellen - zurzeit aber nur die Modelle, die richtigen Öfen wachsen ja noch.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 13.06.2018 | 20:00 Uhr