Stand: 12.07.2019 15:22 Uhr

Atelierbesuch bei Rolf Rose

von Anina Pommerenke

NDR Kultur nimmt Sie mit auf eine ganz besondere Reise durch die Ateliers ganz unterschiedlicher Künstler in Norddeutschland. Diese Woche geht es nach Krempe in Schleswig-Holstein, ein kleines Örtchen südlich von Itzehoe. Hier wohnt der Maler Rolf Rose.

In Rolf Roses Atelier in Krempe

Ein Stück Idylle mitten im Industriegebiet: In einem Garten mit wilden Margeriten und großen Rosenbüschen steht eine alte Holz-Mühle ohne Flügel. Vor 30 Jahren war hier nur ein heruntergekommener Schuppen. Nach und nach hat Rolf Rose ihn zu einem Wohnhaus mit angrenzendem Atelier ausgebaut. Um die 400 Bilder lagert er hier.

Mit seinen 86 Jahren hat Rolf Rose nicht nur viele Werke vollendet, sondern auch viel zu erzählen. 1933 ist er im Harz auf die Welt gekommen, hat erst den Nationalsozialismus - dann die DDR erlebt. Es waren die Ereignisse rund um den Aufstand vom 17. Juni 1953, die ihn dazu veranlasst haben, in den Westen zu gehen: "Wenn man 20 ist, ist man ja leichtfertig, das macht man einfach ohne sich überhaupt über die Konsequenzen im Klaren zu sein."

Vom Zeitung austragen zur Werbeagentur

Rose hat nie studiert oder eine Ausbildung gemacht. Nachhaltig geprägt hat in der Kunstunterricht an der Schule. Einer seiner Lehrer war Ulrich Knispel: "Ein guter Maler, der später in Berlin an der Hochschule Professor war. Sein Lehrer war noch einer vom Bauhaus, das hat er natürlich mittransportiert", erzählt Rose.

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Rolf Rose ist auch mit seinen 86 Jahren ein begeisterter Maler.

In Hamburg hat Rose alle möglichen Gelegenheitsjobs gemacht. Unter anderem trug er Zeitungen aus und jobbte in einer Werbeagentur. Im Urlaub an der Ostsee lernte er den Galeristen Hans Neuendorf kennen, der in den 60er-Jahren als einer der ersten Pop Art ausstellte. Im Hinterzimmer von Neuendorfs Galerie malte Rose auf alten Leinwänden. Prägend wurden die Begegnungen mit weiteren Künstlern, die er über Neuendorf kennen lernte. Darunter auch David Hockney, Richard Hamilton oder Allen Jones. Davon zeugt ein schwarz-weiß Foto im Atelier des Künstlers, aufgenommen 1968 auf Hamburger Dom: "Das war in so ner Holzbox, ein alter Herr, der hat sich ein Tuch über den Kopf geworfen und hat dann Fotos gemacht, unglaublich."

Monumentale Werke mit Graphit

Die Haare waren damals noch voller und Rose trug Brille. Doch das schelmische Grinsen und die schlanke, elegante Erscheinung ist noch die gleiche. Inspiriert vom amerikanischen abstrakten Expressionismus hat Rose schnell aufgegeben, Menschen oder Landschaften zu malen. In den 80er-Jahren entstanden seine monumentalen Werke, bei denen er schwarze Farbe mit Graphit vermischte, was besondere schimmernde Effekte zur Folge hatte. Besonders prägend war der Einsatz von Holzspachteln.

"Die Farbe war auf einmal gelenkt, die wurde auf einmal einer Präzension unterworfen, was sie vorher nicht", erklärt Rose und ergänzt: "Und dann war sie auf einmal in diesem Raster drinnen. Und das fand ich ganz gut."

Trocknen dauert ein gutes Jahr

Ganze zehn Jahre hat Rose schwarze Bilder gemalt, nach und nach hat er auch anderen Farben zugelassen oder mit Lack gearbeitet. Farbe und Struktur sind seine Themen. Mit einfachen Mitteln entstehen so strenge und komplexe Werke. Die Bilder zu malen, gehe schnell, berichtet der Künstler. Doch das Trocknen dauere in der Regel ein Jahr. Die Grundidee sei jedoch über die Jahrzehnte hinweg immer die Gleiche: "Naja, eine bestimmte Stille gibt es schon und Ruhe. Obwohl ich als Typ ja gar nicht so bin - das ist genau das Gegenteil von mir selbst."

Und von Ruhe ist auch in Zukunft keine Spur. Regelmäßig stellen Roses Galeristen seine Werke auf Messen aus. Zwei Bilder hat er gerade nach Südfrankreich verkauft. Dort sollen sie in einer Kapelle hängen. Nächstes Jahr will er hinfahren und sich das anschauen. Wie viele Bilder er genau gemalt hat, weiß Rose übrigens nicht, nur eins weiß er: Auch mit 86 Jahren ist für ihn noch lange nicht Schluss mit dem Malen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 15.07.2019 | 07:40 Uhr

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