Stand: 07.09.2018 12:11 Uhr

Meteorit, Mumie und Münzen - 875 Jahre Lübeck

von Kathrin Bohlmann

Ab dem 9. September ist in Lübeck eine Jubiläumsausstellung zu sehen. Unter dem Titel "875 Jahre - Lübeck erzählt uns was" - zeigen Museen der Hansestadt Schätze der Stadtgeschichte. 100 einzigartige Objekte aus den reichen Lübecker Sammlungen vermitteln ein eindrucksvolles Bild der Lübecker Geschichte. Dazu gehören kuriose Exponate und wundersame Anekdoten. Das Besondere: Gezeigt wird die Sonderausstellung in zwei Museen - im St. Annen und im Europäischen Hansemuseum.

Lübeck hat viel erlebt in den vergangenen 875 Jahren. Gesammelt haben die Einwohner dort auch viel, wie 100 Exponate beweisen. Die Idee mit der Zahl 100 komme aus London, vom British Museum, erzählt der Leiter der Lübecker Museen Hans Wißkirchen: "Die hundert Objekte zeigen Lübecks Geschichte über 875 Jahre. Die wesentlichen historischen Punkte werden in kurzen Geschichten dargestellt. Es war uns wichtig, dass man eine sinnliche Ausstellung hat, wo man skurrile, tragische, spannende Dinge entdecken kann."

Exponate der Jubiläumsausstellung in Lübeck

Von der Münze bis zur ägyptischen Mumie ist viel dabei

Aus jedem Lebensbereich ist etwas dabei: aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur. Locker, leicht und auch ein bisschen frech - so soll die Jubiläumsausstellung sein. Neben den obligatorischen Urkunden und Münzen sind außergewöhnliche Dinge zu sehen. Dazu zählen ein viereinhalb Milliarden Jahre alter Meteorit und eine Apothekermumie, die ein Sammler Mitte des 17. Jahrhunderts nach Lübeck gebracht hat, wie Jörg Rosenfeld, Kurator der Jubiläumsausstellung, berichtet. "Solche Artefakte wurden zunächst in der Ratsapotheke aufbewahrt, dann war sie mal in der Stadtbibliothek." Die Mumie sei so berühmt, dass in der "Tagesschau" gezeigt wurde, wie diese geröntgt wurde. So hätte der Nachweis erbracht werden können, "dass sie keine Fälschung, kein Produkt des 19. Jahrhunderts, sondern eine alte altägyptische Mumie ist."

Napoleons Spuren in der Hansestadt

Eine andere Kuriosität: ein Nachttopf mit der Karikatur Napoleons. Sie erinnert an die französische Besatzungszeit in Lübeck. "Es ist der Kopf Napoleons mit einer Landkarte, die die schlimmsten Niederlagen Napoleons auf dem Kontinent zeichnet. Es ist also eine harsche, rustikale, eindeutige Ansage, wie man die Franzosenzeit in Europa zu bewerten hat", so Rosenfeld.

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Kuriose Exponate wie Filetiermaschine und ein abgesägter Fuß

Zu sehen sind auch Ausstellungsstücke, die man so nicht in einem Museum erwartet. Wie ein Fußballschuh des VfB Lübeck, eine Fischfiletiermaschine oder der abgesägte Fuß eines Lübecker Häftlings um 1500. Archäologen haben ihn gefunden. Einige Exponate stimmen nachdenklich: etwa Filme zur Grenzöffnung oder die Bürgermeisterkette mit Hakenkreuzen. "Das ist ein Raum, der auch mal in Erinnerung ruft, dass Lübeck zwar gekämpft hat, aber 1933 den Kampf dann verloren hat", sagt Kurator Rosenfeld.

Weltberühmte Schriftsteller Geibel, die Manns und Grass

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Ein Blick in den Kapitelsaal des Burgklosters zu Lübeck. Dieser diente als Versammlungsstätte des Dominikaner-Ordens.

Natürlich dürfen die Lübecker Literaten wie Emmanuel Geibel, Thomas und Heinrich Mann sowie Günter Grass nicht fehlen. Das größte Exponat aber ist im Hansemuseum zu sehen: die lange Halle, das Burgkloster selbst. Hier zeigt sich das blühende Lübeck unter dänischer Herrschaft. 600.000 Euro hat die Jubiläumsausstellung gekostet. Die Hansestadt Lübeck hat 200.000 gegeben. Die Ausstellung läuft bis Anfang 2019.

Meteorit, Mumie und Münzen - 875 Jahre Lübeck

Von einer Mumie bis zu den Spuren Napoleons: Lübeck hat viel erlebt in 875 Jahren, wie nun eine Sonderausstellung zeigt. 100 Objekte illustrieren die Hansegeschichte.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museumsquartier St. Annen und Europäisches Hansemuseum

23552  Lübeck
Preis:
12 Euro für beide Museen, ermäßigt 10 Euro, für Kinder bis 18 Jahre 6 Euro
Öffnungszeiten:
Hansemuseum: Mo bis So 10 bis 18 Uhr
Museumsquartier: Di bis So 10 bis 17 Uhr
ab 1.1. Di bis So von 11 bis 17 Uhr
Kartenverkauf:
an den Museumskassen ab Öffnungszeit
Hinweis:
Adressen:
Museumsquartier St. Annen
St.-Annen-Straße 15

Europäisches Hansemuseum
An der Untertrave 1

Das Museumsquartier St. Annen ist am 8. September bis 22 Uhr geöffnet.
Das Burgkloster des Europäischen Hansemuseums ist am 8. September bis 23 Uhr geöffnet.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 07.09.2018 | 17:20 Uhr