Bénédicte Savoy, französische Kunsthistorikerin © picture alliance / Thilo Rückeis TSP Foto: Thilo Rückeis TSP

Provenienzforschung: Restitution afrikanischer Kunst am MARKK

Stand: 04.05.2021 11:20 Uhr

Die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy kämpft für die Rückgabe afrikanischer Kunst. Auch bei Direktorin Barbara Plankensteiner im MARKK laufen ähnliche Forschungen. Jens Büchsenmann hat mit den beiden Forscherinnen gesprochen.

Die in Berlin lebende französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy ist die wohl prominenteste Kämpferin für die Rückgabe afrikanischer Kunst. Ende 2017 beauftragte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron die Kunsthistorikerin Savoy - zusammen mit dem Wissenschaftler und Autor Felwine Sarr aus dem Senegal - die Rückführung von wichtigen Kunstwerken in die ehemaligen Kolonien zu planen. Mittlerweile scheint Deutschland aufzuholen. Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass bereits im kommenden Jahr einige der berühmten Bronzeplastiken von Benin restitutiert werden.

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MARKK plant Restitutionen

Damit zahlen sich auch die jahrelangen Bemühungen von Barbara Plankensteiner am MARRK in Hamburg aus: "Es wird substanzielle Restitutionen geben. Um welche Objekte es sich handelt, müssen wir mit den nigerianischen Partnern besprechen. Wir planen jetzt konkrete Schritte", sagt Plankensteiner. Auch Bénédicte Savoy hat sich mit den Spuren kolonialer Kunst im MARKK beschäftigt: "Also in Hamburg wird die Verknüpfung als Ort des Schönen und der Wissenschaft mit der Brutalität des Kolonialismus sichtbar. Haben es hier mit einer Institution zu tun, die aussieht wie damals und sammelt wie damals. Sie ist deshalb ein tolles Terrain für das Aufdecken dieser Verknüpfung."

Plankensteiner hat kein Problem mit Trennung von Exponaten

Beide Professorinnen betonen, dass sie als Wissenschaftlerinnen handeln, wobei die Konsequenzen unterschiedlicher nicht sein können: Immerhin wird sich Museumsdirektorin Plankensteiner schon im nächsten Jahr von einigen Exponaten aus ihrem Haus verabschieden müssen. Plankensteiner: "Ich muss sagen, ich empfinde keine Trennungsschmerz. Als Wissenschaftlerin wird man sich weiter mit diesen Werken in einem neuen Kontext befassen. Außerdem wird man hoffentlich weiterhin Werke in Deutschland zeigen können."

Savoy: Kunstraub-Diskussion schon in 1950er-Jahren

Zweifel liegen auch Bénédicte Savoy fern. Ihre Forschungen, mit denen sie in etlichen Büchern Furore gemacht hat, haben aufgedeckt, wie heftig der koloniale Kunstraub schon vor den 1940er- und 1950er-Jahren hier in Deutschland diskutiert worden ist. "Die Presse ist voll von Diskussionen, ob man restituieren soll oder nicht. Auch Fernsehen und Rundfunkarchive dieser Zeit sind voll davon - das hat es alles schon einmal gegeben", so Savoy über die fast vergessene Diskussion in Deutschland.

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Wie weit fortgeschritten diese Debatte bei uns schon war, hat auch Barbara Plankensteiner erst durch die Kollegin aus Berlin und Paris erfahren. Die in Bozen geborene Ethnologin war vor vier Jahren als Museumsdirektorin von Wien nach Hamburg gewechselt. Plankensteiner berichtet: "Mir war gar nicht klar wie das damals in Deutschland abgelaufen ist und wie intensiv die Diskussionen damals schon geführt worden sind. Für mich war das eine neue Erkenntnis." Plankensteiner setzt die Erkenntnisse nun in ihrer aktuellen Ausstellung im Museum am Rothenbaum um.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.05.2021 | 06:40 Uhr

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