Stand: 10.10.2019 12:36 Uhr  - NDR 90,3

Museum gibt Raubkunst an Afghanistan zurück

Raubkunst auf dem Weg zurück ins Herkunftsland: Der afghanische Botschafter Abdul Jabar Ariyaee (vorne) nimmt ein Marmorpaneel aus dem 12. Jahrhundert entgegen.

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) hat ein geraubtes Wandpaneel aus Marmor an Afghanistan zurückgegeben. Museumsdirektorin Tulga Beyerle übergab das Kunstwerk am Dienstag in Hamburg an Abdul Jabar Ariyaee, Geschäftsführer der afghanischen Botschaft in Berlin. Nach eigenen Angaben ist das MKG eines der ersten deutschen Museen, das ein Raubkunstwerk dem Land, aus dem es ursprünglich stammt, zurückgibt. "Ich appelliere an andere Museen und Privatsammlungen, uns bei der Rückholung geraubter Kunstgegenstände aus Afghanistan behilflich zu sein", sagte Abdul Jabar Ariyaee bei der Übergabe des Paneels.

Marmorpaneel stammt aus dem 12. Jahrhundert

Das Paneel gehört laut MKG zu einem 78-teiligen Fries aus dem 12. Jahrhundert, der aus dem Innenhof des Königspalastes von Sultan Mas'ud III. in der Stadt Ghazni stammt. Es sei bei Grabungsarbeiten zwischen 1957 und 1966 entdeckt worden und anschließend dem Rawza Museum of Islamic Art in Ghazni übergeben worden.

Geraubt aus Afghanistan in den Wirren Ende der 70er-Jahre

Museumsdirektorin Beyerle betonte, das Museum habe beim Ankauf des Objekts einen Fehler gemacht. Das MKG habe das Paneel 2013 "gutgläubig" auf einer Auktion in Paris erworben. Nachdem die Herkunft zunächst unbedenklich erschienen sei, habe sich bei der Bearbeitung des Objektes herausgestellt, dass es sich um Raubgut handelte. Das Kunstwerk sei in Folge der Destabilisierung Afghanistans und des Einmarsches der Sowjetarmee Ende der 1970er-Jahre geraubt worden und Anfang der 90er-Jahre im Pariser Kunsthandel wieder aufgetaucht.

Paneel soll ins Afghanische Nationalmuseum in Kabul

Das MKG bemüht sich eigenen Angaben zufolge seit 2014 um die Rückgabe des Paneels unter Einschaltung des Kulturgutschutzes und des Auswärtigen Amtes. Es soll nun vorerst im Afghanischen Nationalmuseum in Kabul aufbewahrt werden. Die recherchierte Verlust- und Erwerbsgeschichte des Paneels hat das MKG im vierten Band seiner "Raubkunst?"-Reihe veröffentlicht. "Dass sich ein Museum zu seinen Fehlern öffentlich bekennt, halte ich für einen wichtigen Schritt", sagte Beyerle.

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NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.10.2019 | 09:00 Uhr