Stand: 28.11.2018 08:44 Uhr

"Stufen zur Kunst" zeigt "Strip Jack"

"Stufen zur Kunst" heißt ein Kooperationsprojekt der Stiftung Niedersachsen mit dem Kunstverein Hannover, das einmal im Jahr einen Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Treppenhauses im Kunstverein auslobt. In diesem Jahr hat sich Rachel von Morgenstern aus Frankfurt mit ihrer Installation "Strip Jack" durchgesetzt. Am 28. November um 19 Uhr wird die Ausstellung in Hannover eröffnet.

von Agnes Bührig

Durch den Innenraum des hohen, luftigen Treppenhauses im Ostflügel des Kunstvereins Hannover schweben filigrane Skulpturen aus Vinyl. Wenn man unten steht, sieht es aus, als hätte ein Jongleur im Zirkus oben eine Reihe von bunten Gazetüchern in die Luft geworfen. Doch bei genauerer Betrachtung lassen sich Metallstreben aus Aluminium, Kupfer und Stahl ausmachen, die wie Rückgrate wirken. Inspiriert dazu hat Rachel von Morgenstern vor allem die luftige Höhe des Raumes: "Das Treppenhaus hat mir von Anfang an sehr gut gefallen, eben weil man diesen Blick nach oben hat, weil diese Weite nach oben eine sehr besondere Ausstellungssituation ist. Normalerweise hat man einen rechteckigen Raum, den man bespielt. Und diese Weite nach oben zur Verfügung zu haben, dieses Potenzial, das wollte ich nutzen und so sichtbar machen. Daher meine Idee, so etwas sehr Leichtes reinzusetzen, sehr leichte, schwebende, abstrakte Skulpturen."

Installation "Strip Jack" bei den "Stufen zur Kunst"

Das Treppenhaus als Ausstellungsraum

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Manchmal versetzt ein Luftzug die Skulpturen in Bewegung, was den Kontrast zwischen der klaren und reduzierten Architektur und den darin schwebenden Skulpturen noch verstärkt.

"Strip Jack" hat Rachel von Morgenstern ihre Arbeit genannt. Denn wie beim Strip Poker, wo jeder Verlust zum Ablegen eines weiteren Kleidungsstücks führt, enthüllt jede der neun durchsichtigen, wie Aquarelle gefärbten Skulpturen Bereiche des Treppenhauses, indem sie den Blick auf diese lenkt - und das je nach Stufenposition immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei bilden die architektonische Strenge des Raumes und die Leichtigkeit der schwebenden Objekte einen sinnlichen, ästhetischen Kontrast.

"Meine erste Prägung war vor allem die Architektur", sagt Rachel von Morgenstern. "Mein Vater ist Architekt und wir sind immer durch Neubaugebiete gefahren und haben massenweise Architektur angeschaut, um zu differenzieren: Was ist gute Architektur, was ist schlechte Architektur. Und im Kunststudium habe ich sehr viele Sachen ausprobiert, aber Malerei war für mich immer so der Haupt-Anziehungspunkt, so das Magischste innerhalb der Kunst."

Das Malerische, das Skulpturale und die Räumlichkeit

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Der Kunstverein und die Stiftung Niedersachsen sind im Künstlerhaus an der Sophienstraße beheimatet.

Vor drei Jahren hat Rachel von Morgenstern ihr Malereistudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe abgeschlossen. In ihren Arbeiten lotet die 34-Jährige die Grenzen des Malerischen und Skulpturalen aus. Wie einst der italienische Avantgardekünstler Lucio Fontana mit seinen Schnittbildern führe sie die Malerei ins Dreidimensionale, begründet Sergey Harutoonian von der Jury der "Stufen zur Kunst" die Wahl von "Strip Jack". Spannend sei zudem die Verbindung von Räumlichkeit und Malerei, sagt der Kurator der Ausstellung: "Diese Objekte, die sie hier präsentiert, die spielen einerseits mit der Kunstgeschichte, beispielsweise mit dieser Betonung auf die Falte, also der Faltenwurf, der in der Malerei eine ganz große Rolle spielt, aber gleichzeitig hat man das Gefühl, dass es auch etwas sehr Tänzerisches hat, also dass diese Objekte immer wieder auch in so eine Art Choreografie hier im Raum eingeordnet sind und den menschlichen Körper auch zitieren - ohne jetzt besonders eindeutig zu sein."

Es ist eine Installation, für die man sich Zeit nehmen muss, um sie zu erfahren. Denn dann kann man erleben, wie ein Luftzug im Gebäude die zarten Skulpturen leicht in Bewegung zu versetzen vermag. Das hat etwas Meditatives, zumal, wenn draußen gerade der Verkehrslärm abebbt. Eine Kunst, die einmal nicht der aufwendigen intellektuellen Dekodierung bedarf, um sie zu verstehen. Eine wunderbar intuitive, sinnliche Arbeit.

"Stufen zur Kunst" zeigt "Strip Jack"

In der Ausstellungsreihe "Stufen zur Kunst" wird im Treppenhaus des Kunstvereins Hannover Rachel von Morgensterns Installation zwischen Malerischem und Skulpturalem gezeigt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
30159  Hannover
Telefon:
0511/1699278-0
E-Mail:
mail@kunstverein-hannover.de
Preis:
6 € / ermäßigt 4 € / Mitglieder frei
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag - Samstag: 12.00 - 19.00 Uhr,
Sonn- und Feiertag: 11.00 - 19.00 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 28.11.2018 | 10:20 Uhr

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