Außenaufnahme des Sprengel Museums Hannover im Morgengrauen © dpa Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Sprengel Museum Hannover: Planung in unsicheren Zeiten

Stand: 16.12.2020 09:50 Uhr

In der Ausstellung "BIG!" will das Sprengel Museum Hannover ab Mai große Formate aus seinem Bestand präsentieren. Das Jahresprogramm 2021 sieht noch mehr vor.

von Agnes Bührig

Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Musuems Hannover © picture alliance/dpa Foto: Holger Hollemann
Planen in ungewissen Zeiten: Reinhard Spieler ist der Direktor des Sprengel Museums Hannover.

Reinhard Spieler sitzt in seinem Büro vor einer Bleistiftzeichnung mit dem Grundriss der Wandelhalle. Der Direktor des Sprengel Museums Hannover hat Stellwände eingezeichnet, daneben stehen Namen wie Georg Baselitz, Katharina Grosse und A. R. Penck. Knapp 30 Werke sollen in der Ausstellung "BIG!" präsentiert werden. Kriterium für die Auswahl war die Mindestgröße von etwa zwei mal zwei Metern - oder knapp darunter, erläutert Reinhard Spieler, der die Ausstellung kuratiert hat: "Ich glaube, wir haben ein einziges von Rosemarie Trockel, das ein kleines bisschen kleiner ist. Wir haben uns aber bemüht, möglichst viele Frauen mit reinzunehmen." Er habe allerdings beobachtet, dass es nicht so viele großformatige Bilder von Frauen gibt: "Wir haben jetzt sieben Frauen von 28 künstlerischen Positionen insgesamt. Das ist aber auch alles, was wir auffahren können."

Werke von Isabel Nuño de Buen und Zanele Muholi

70 Jahre Sammlungsgeschichte des Sprengel Museums lagen eben überwiegend in männerdominierten Zeiten, so Reinhard Spieler. Heute ist das anders. Das zeigt sich auch am Jahresprogramm 2021. Isabel Nuño de Buen, die jüngst im Kunstverein Hannover das Publikum mit ihrer poetisch anmutenden Raumlandschaft verzauberte, wird als Trägerin des Sprengel-Preises für Bildende Kunst Ende November 2021 eine neue Ausstellung präsentieren.

Der Internationale Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen "Spectrum" geht an die südafrikanische Fotografin und queere Aktivistin Zanele Muholi. Inka Schube kuratiert die Ausstellung im Juni, in der vor allem Porträts eine Rolle spielen werden. "Diese Porträts sind von großer, wirklich poetischer Kraft", erläutert Schube. "Viele von ihnen arbeiten mit dem direkten Blick in die Kamera, sie fordern den Betrachter, die Betrachterinnen, extrem heraus. Sie erwarten, dass man zurückschaut und das Gegenüber tatsächlich wahrnimmt. Das sind Bilder, die einerseits sehr in sich ruhen, durch die Kraft der Dargestellten, andererseits aber auch eine vitale Potenz offenhalten und dazu auffordern, sich zu diesen Bildern zu verhalten."

Foto-Ausstellung "True Pictures"

Zur digitalen Fotografie hingegen können wir uns alle per Mobiltelefon selbst verhalten - oder zur professionell-künstlerischen Variante aus Nordamerika, die im November 2021 in einer Foto-Ausstellung mit dem Titel "True Pictures" zu sehen sein wird.

Wahre Bilder ist ein Sujet, um das es aber bereits im Februar geht, wenn der Jubilar aus Niedersachsen, Lienhard von Monkiewitsch, gezeigt wird. Der Künstler und langjährige Professor der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig wird 2021 80 Jahre alt, so Reinhard Spieler: "Er beschäftigt sich sehr stark mit den Fibonacci-Zahlenreihen, also mit den Maßverhältnissen, in denen seine Farbflächen im Bildformat sitzen. Und seine früheren Arbeiten haben sehr viel mit Architektur zu tun. Das werden Raumverhältnisse über architektonisch wirkende Formen erstellt - also es geht um das Verhältnis von Fläche und Raum.  

Bis dahin bleibt nur der virtuelle Besuch der aktuellen Ausstellungen im Sprengel Museum Hannover mit dem Titel Sprengel 360º.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 15.12.2020 | 16:20 Uhr