Stand: 02.03.2018 16:56 Uhr

Robert Lebeck: Beeindruckende Fotos von 1968

von Janek Wiechers

Der Fotograf Robert Lebeck gehört zu den wichtigsten Fotojournalisten der Nachkriegszeit. Seine Reportagen für Zeitschriften wie den "Stern", "Geo" und "Revue" sind legendär. Viele Jahrzehnte lang setzte Lebeck in Deutschland Standards in der Pressefotografie. 2014 starb Robert Lebeck im Alter von 85 Jahren. Er hinterließ ein Archiv mit Tausenden Fotos, das heute von seiner Witwe Cordula Lebeck geleitet wird. Aus dieser umfangreichen Sammlung zeigt das Wolfsburger Kunstmuseum jetzt größtenteils unbekannte Bilder - und zwar nur solche aus dem Jahr 1968.

Fotografie des Künstlers Rober Lebeck.

Robert Lebeck: Fotos zeigen Geschichte

Hallo Niedersachsen -

Mit seinen Fotos hat Robert Lebeck die Menschen nicht nur abgebildet, sondern ihre Geschichte erzählt. Bis zum Sommer sind seine Werke im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen.

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1968 war ein ungeheuer produktives Jahr für den damals 39 Jahre alten Robert Lebeck. Er realisierte insgesamt 24 Fotoreportagen für den "Stern" - bis auf ganz wenige Ausnahmen wie stets in Schwarz-Weiß. Aus acht dieser Serien zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg nun Bilder - jenseits der Klischees, die jenes legendäre 1968 aus heutiger Sicht oftmals repräsentieren, so der Direktor des Kunstmuseums Ralf Beil. "Das ist die Produktion eines Jahres von einem begnadeten Bildjournalisten, der tatsächlich dieses Jahr auf eine andere Art und Weise zeigt, als wir es glauben zu kennen", sagt Beil. "Wir denken immer bei 1968 sehr, sehr schnell an freie Liebe, sexuelle Befreiung, Studentenunruhen und vieles mehr - und die sind diesmal nicht das Thema."

Fotografierte Geschichte mit Robert Lebeck

"Es gibt nicht nur die eine Wahrheit"

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Rudi Dutschke, Wortführer der deutschen Studentenbewegung, bei einer Rede in der Prager Karls-Universität, 3. April 1968

Robert Lebeck nähert sich den großen Ereignissen und Verwerfungen der Zeit mit seiner Kamera an anderen Orten. Er dokumentierte den Prager Frühling, indem er Rudi Dutschke auf einer Reise zu friedlich protestierenden Studenten begleitete - und zwar bevor der Prager Aufstand von den Sowjets blutig niedergeschlagen wurde. Und Lebeck fotografierte nicht jene abgedroschenen Motive einer angeblich sexuellen Befreiung in Wohnkommunen. Bei ihm zeigt sich eine damals völlig neue weibliche Selbstbestimmtheit darin, dass sie auch ohne Ehemänner ihr Leben meistern.

"Es ist schön, dass wir in dieser Ausstellung deutlich erfahren, dass es nicht die eine Wahrheit gibt", sagt Ralf Beil. "Dass es hier Bilder gibt wie den Prager Frühling, der echt ist, und eben nicht die Panzer zeigt, die sich bei uns ins Gedächtnis eingebrannt haben. Oder die geschiedenen Frauen. Die stehen für den Alltag der Beziehung von Mann und Frau, der wichtiger war, als die Tatsache, dass die freie Liebe existent war."

Die meisten Fotos wurden nie veröffentlicht

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Joseph Patrick, der älteste Sohn des ermordeten Präsidentschaftskandidaten, an der Spitze der Sargträger bei der Beerdigung von Robert F. Kennedy auf dem Nationalfriedhof von Arlington, 8. Juni 1968

Eindringlich ist auch eine Serie Lebecks, die bei der Beerdigung Robert Kennedys im Juni 1968 entstand. In der Menschenmenge sind schwarze und weißer Bürger aller sozialen Schichten in der sonst so zerrissenen US-Gesellschaft der 1960er-Jahre für einen kurzen Moment vereint. Der Schock über den Mord am demokratischen Präsidentschaftskandidaten, der das Ende des Vietnamkriegs forderte, ist deutlich in den Gesichtern der Trauernden abzulesen. 

Faszinierend an der Wolfsburger Schau ist neben der unverstellten Direktheit der Bilder Lebecks, dass die allermeisten Fotos bisher nie veröffentlicht wurden. "Bei den Reportagen wie etwa für den 'Stern' gab es zum Beispiel Hunderte Bilder von Prag - aber es würden nur fünf gedruckt", erklärt Ralf Beil. "Es gab auch Reportagen, die nicht veröffentlicht wurden. Zum Beispiel Rudi Dutschke und die Reportage in Prag. Wenige Tage später geschah das Attentat auf ihn. Da war es nicht mehr sinnvoll, Dutschke in Prag zu zeigen, wie er Reden hält."

Ausstellung zeigt die Präzision Lebecks

So gibt die Lebeck-Schau auch darüber Auskunft, wie Bildjournalismus vor 50 Jahren funktionierte. Wie willkürlich die Bildauswahl durch die Redaktionen zum Teil erfolgte. Welche Schätze dadurch in den Bildarchiven verschwanden, lässt sich gut nhand vieler Kontaktabzüge erkennen, die mit ausgestellt sind. "Mit den Kontaktbögen zeigen wir die ganze Geschichte", sagt Ralf Beil. "Wir sehen dadurch auch die Begleitbilder, die vielleicht nicht so gelungen sind und nicht ausgewählt wurden. Aber man sieht auch die Präzision Lebecks. Sehr viele Bilder auf den Kontaktbögen sind sehr gut."

Fotos eher zufällig entdeckt

Wie ergiebig Lebecks 68er-Fotoserien über das Bekannte hinaus sind, entdeckten die Kuratoren des Kunstmuseums Wolfsburg im Archiv Lebecks eher zufällig. Sie hatten ursprünglich nur nach Bildern gesucht, die der Fotograf in Wolfsburg gemacht hatte. Die fanden sie auch: seine Reportagen aus dem VW-Werk von protestierenden Studenten im ehemaligen Zonenrandgebiet weitab der Metropolen und seine architektonischen Stadtansichten überraschen. Sie sind ebenfalls in Wolfsburg zu erleben.

Robert Lebeck: Beeindruckende Fotos von 1968

Rudi Dutschke in Prag und Robert Kennedys Beerdigung: Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt zumeist unveröffentlichte Fotografien des Bildjournalisten Robert Lebeck aus dem Jahr 1968.

Datum:
Ende:
Ort:
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
38440  Wolfsburg
Telefon:
(05361) 2669-0
E-Mail:
info@kunstmuseum-wolfsburg.de
Preis:
10 Euro, ermäßigt 8 Euro, Familienkarte 16 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Karfreitag bis Ostermontag, 30. April, 1. Mai, Himmelfahrt, Pfingsten: 11 bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

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