Emil Orlik: Kurumaya (Japanischer Wagenzieher), 1900 © Sammlung Voss-Andreae

Museum Wilhelm Busch zeigt Emil Orlik und Gerhard Glück

Stand: 04.06.2021 16:20 Uhr

Der eine reiste Anfang des 20. Jahrhunderts nach Japan und ließ sich vom Farbholzschnitt inspirieren, der andere ist ein stiller Beobachter, der seine Umgebung seit 50 Jahren in Cartoons abbildet: Emil Orlik und Gerhard Glück. Das Museum Wilhelm Busch in Hannover zeigt ihre Werke.

von Agnes Bührig

Eine Gruppe pummeliger Touristen mit Hut und Sonnenbrille, viel blauer Himmel mit weißen Wolken, am Horizont der Eiffelturm. Statt ihn frontal zu betrachten, haben die Besucher dem Wahrzeichen den Rücken zugekehrt, recken Selfiestangen hoch, um sich mit ihren bunten Handys beim Betrachten selbst zu verewigen. Darunter der lakonische Text eines fiktiven Guides: "... und hinter sich sehen Sie jetzt den Eiffelturm".

Gerhard Glück: Blick auf das Komische in den Menschen

Ein typisches Bild für Gerhard Glück, sagt die Direktorin des Wilhelm Busch Museums, Gisela Vetter-Liebenow: "Er erkennt das Komische in den Menschen, das manchmal Absurde in ihrem Verhalten. Das ist eine stille Beobachtung, die dann in seinen Cartoons zu einem komischen Ausbruch kommt, ergänzt durch einen Text, der die komische Fallhöhe oft überhaupt erst deutlich macht."

Gerhard Glück: "… und hinter sich sehen Sie jetzt den Eiffelturm!", 2018 © Gerhard Glück
Arbeiten von Gerhard Glück sind im Museum Wilhelm Busch in Hannover zu sehen.

130 Werke des 1944 in der Nähe von Frankfurt geborenen Cartoonisten werden gezeigt. Glück zeichnete unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", die "Neue Zürcher Zeitung" und das Satiremagazin "Eulenspiegel". Skurrile Verhaltensweisen in Paarbeziehungen und auf Reisen werden da entlarvt. Auch Sprache hinterfragt der Künstler im Bild. Etwa, wenn er drei Wildschweine in einem Ausflugslokal um einen Tisch setzt und den Kellner mit dem Essen auf dem Tablett fragen lässt: "Wer von Ihnen hat das Jägerschnitzel bestellt?".

Den Blick fürs Absurde habe er schon früh entwickelt, sagt der Zeichner selbst: "Man hat natürlich die Augen auf gehabt als Kind und als Jugendlicher für irgendwelche Witzseiten in den Magazinen. Dazu kommen dann die Karikaturen der Lehrer oder einiger Mitschüler. Und irgendwann kommt der Punkt, wo man sich davon absetzt und eigenes versucht."

Emil Orlik: Japenreise, um den Farbholzschnitt zu studieren

Eine ganz andere Welt betritt, wer sich Emil Orliks Werk in der Ausstellung nähert. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Japan dem Westen gegenüber geöffnet. Im Jahr 1900 brach der deutsch-böhmische Zeichner und Grafiker zu seiner ersten Ostasienreise auf. Sein Ziel: den Farbholzschnitt zu studieren. Davon künden drei Bilder, die drei japanische Meister ihres jeweiligen Faches zeigen: Der eine malt, der nächste fertigt daraus den Holzschnitt, der dritte druckt.

Emil Orlik: Japanische Kinder, 1900 © Sammlung Voss-Andreae
Emil Orlik reiste nach Japan und ließ sich vom Farbholzschnitt inspirieren.

Auch in anderen Punkten unterscheiden sich die Traditionen, wie die Direktorin Vetter-Liebenow sagt: "Die japanische Kunst hat eine völlig andere Form des Umgangs mit dem Raum und der Perspektive. So, wie dort Farbflächen und die Farbholzschnitte gestaltet wurden, kannte man das hier nicht. Diese Darstellung von Personen und Landschaften war eine Erweiterung des Horizonts für die europäischen Künstler."

Ein europäischer Blick auf Japan

Der andere, europäische Blick auf Japan spricht auch aus weiteren der 68 Holzdrucke, Lithographien und Radierungen der Ausstellung. Etwa, wenn Emil Orlik von der traditionellen Darstellung einer Geisha mit Saiteninstrument abweicht und sie von hinten vor einem Weidenbaum darstellt. Oder wenn er einem Rikschafahrer in dessen Pause näher kommt, ein Bein leger über das andere geschlagen.

Die stille Beobachtung, sie liegt den Arbeiten beider Künstler zugrunde: Witzig-philosophisch wie dokumentarisch-nachdenklich, auf jeden Fall aber zum Schmunzeln geeignet.

Museum Wilhelm Busch zeigt Emil Orlik und Gerhard Glück

Zwei neue Ausstellungen des Museums in Hannover zeigen von Japan beeinflusste Kunst und meisterhafte Cartoons.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Wilhelm Busch - Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst
Georgengarten 1
30167Hannover
Telefon:
0511 16 9999 11
E-Mail:
mail@karikatur-museum.de
Preis:
Regulärer Eintritt 6 €, Ermäßigter Eintritt 4 €, Familien 14 €
Öffnungszeiten:
Das Museum ist freitags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 04.06.2021 | 16:20 Uhr