Stand: 26.03.2019 11:25 Uhr

Markus Huemers Thumbnail-Kunst in Hannover

von Agnes Bührig

Wie muss ein gemaltes Bild im Zeitalter der digitalen Medien aussehen? Was darf es, was kann es transportieren? Welche Möglichkeiten hat die Malerei heute? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der österreichische Künstler Markus Huemer. "Ich hätte euch auch die gleiche Ausstellung immer wieder machen können" heißt seine neue Ausstellung, die das Sprengel Museum in Hannover am Dienstag eröffnet.

Markus Huemers Thumbnail-Serie

Mehr als 200 kleine Bilder im Format 9x13 Zentimeter schmücken die große Wand in der Einblickshalle des Sprengel Museums: nebeneinander gehängt oder treppenförmig, ein Teil von ihnen auf einem langen breiten Regalstreifen stehend. Sie zeigen abstrakte florale Motive in Schwarz, Weiß und Grautönen. Es sind Miniaturkopien von Werken Markus Huemers, die er in Anlehnung an das Prinzip der Thumbnails in der digitalen Welt gemalt hat.

Huemer erklärt seine Werke so: "Im Computer gibt es Thumbnails, das kleine Bild auf dem File, so eine Art Vorschaubild. Wenn Sie den File dann öffnen, sehen Sie das eigentliche Bild. In Analogie gibt es eben hier quasi gemalte Bilder, die auf kleinen Holzboxen gemalt sind, was dann auch das Thema der Box, der Black Box, mit sich bringt, weil sozusagen: Der gemalte Thumbnail ist der Verweis auf das größere Gemälde, eine Art Black Box."

Black Boxes in Huemers Werk

Im Flugwesen enthält eine Black Box unbekannte Informationen, bei Markus Huemer ist es die Referenz auf ein Bild, das wir nicht kennen. Mit dem Prinzip des Unbekannten spielen auch seine Skulpturen in der Ausstellung: die Werkgruppe Black Boxes. Neun Holzkisten in verschiedenen Größen, an ihren Kanten sind Reste schwarzer Farbe auszumachen, als hätte jemand innen grundiert und schlampig gearbeitet, sagt der Direktor des Sprengel Museum und Kurator Reinhard Spieler: "Was ist eine Black Box? Wir kennen das aus den Flugzeugen. Wenn die abstürzen, gibt es eine Black Box, die zeichnen genau das Geschehen auf, was man nicht sieht, was man nicht mehr sehen kann. Die Black Boxen hier sind im Inneren schwarz und zeigen da schon mal an: Das Schwarz hat alle Bilder übermalt, aber jetzt können wir noch nicht einmal diese Destruktion oder Auslöschung der Bilder sehen, weil wir auch nicht in die Box reinschauen können, also doppelte Verneinung."

Marcus Huemer, VonDenDunklenLichternA, 2018
Öl und Bleistift auf Holz / Oil and pencil on wood, 9 x 13 x 3 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2019: Markus Huemer

Markus Huemer: Kunst im digitalen Zeitalter

NDR Kultur - Journal -

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Kunst in Schwarz, Weiß und Alphakanalblau

Immer wieder geht es bei Markus Huemer um das Bild, das nicht existiert. Dazu gehört auch, dass der 1968 in Linz geborene Künstler, der unter anderem an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat, in seinen Bildern die Farben Schwarz, Weiß und Alphakanalblau verwendet. Erstere zwei gelten in der Farblehre der Kunst nicht als Farben, letztere ist die Bezeichnung für einen kräftigen blauen Farbton, den digitale Medien zeigen, wenn ein geplantes Bild nicht zur Sendung kommt, sagt Reinhard Spieler: "Es ist ein Künstler, der sehr stark im Zeitalter des Digitalen arbeitet. Sein Ding ist, genau die Bilder zu malen, die man gar nicht mehr malen kann."

Eine bildästhetische Erfahrung, die einen ins Grübeln bringt, was Malerei heute noch leisten kann und sollte. Malerei macht Sinn im digitalen Zeitalter, nicht zuletzt, wenn sie uns wie in dieser Ausstellung auf Darstellungsmechanismen wie Thumbnails stößt, mit denen unsere Bildwelten von heute erschaffen werden.

Markus Huemers Thumbnail-Kunst in Hannover

Markus Huemer stellt mit seinen Werken die Frage nach der Möglichkeit von Malerei im Digitalzeitalter. Mehr als 200 seiner Bilder sind im Sprengel Museum Hannover zu sehen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Sprengel Museum
Kurt-Schwitters-Platz
30169  Hannover
Telefon:
(0511) 168 - 4 38 75
E-Mail:
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
Preis:
7 Euro, ermäßigt 4 Euro, freitags freier Eintritt
Öffnungszeiten:
Montag geschlossen
Dienstag 10 - 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr
Hinweis:
Karfreitag geschlossen
Ostersonntag und -montag 10 - 18 Uhr
1. Mai geschlossen
Himmelfahrt 10 - 18 Uhr
Pfingstsonntag und -montag 10 - 18 Uh
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 26.03.2019 | 19:00 Uhr

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