Verschneiter Dinosaurier am Landesmuseum Hannover zur Sonderausstellung "KinoSaurier. Zwischen Fantasie und Forschung". © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Ulrich Stamm/Geisler-Fotopress

Landesmuseum Hannover hofft auf Öffnungen und setzt auf Freiluft

Stand: 09.02.2021 00:01 Uhr

Der Lockdown macht allen zu schaffen, die derzeit Kultur- und Bildungsangebote planen. Wie geht das überhaupt? Ein Besuch im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover und bei Direktorin Katja Lembke.

Verschneiter Dinosaurier am Landesmuseum Hannover zur Sonderausstellung "KinoSaurier. Zwischen Fantasie und Forschung". © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Ulrich Stamm/Geisler-Fotopress
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von Agnes Bührig

"KinoSaurier" heißt die aktuelle Ausstellung im Landesmuseum Hannover, die man derzeit virtuell mithilfe eines neuen Mediaguides erkunden kann. Videos zeigen, wie viel Arbeit in den riesigen Dinosauriermodellen steckt, im Audioguide ist zu hören, wie Dinos im Film animiert werden. Doch die beste Werbung für die Schau sind die riesigen Tiermodelle vor dem Gebäude - versehen mit kleinen Schildchen, die mehr über sie verraten.

Katja Lembke © picture alliance/dpa Foto: Christophe Gateau
Landesmuseumsdirektorin Katja Lembke plant derzeit nur für kurze Zeiträume.

"Per QR-Code können Sie kleine Filmchen dazu anschauen. Wir versuchen also, diese drei Modelle, die draußen vor dem Museum stehen, zum Leben zu erwecken", erklärt Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover. "Darüber hinaus planen wir jetzt auch für die Osterferien Rundgänge mit kleinen geführten Gruppen. Wir werden höchstwahrscheinlich Veranstaltungen indoor in Bälde noch nicht machen können und deswegen werden wir eben außer Haus gehen und in der direkten Umgebung des Hauses führen."

Nur kurzfristige Planungen

Katja Lembke plant derzeit nur für kurze Zeiträume, schließlich kann sich die Lage von Woche zu Woche ändern. Spontaneität und Kreativität sind dafür gefragt, sagt die Ägyptologin pragmatisch und sieht auch Positives: Wie Raumschiff Enterprise erkunde sie derzeit mit ihrem Team neue Welten. Auf diese Weise habe sich das Landesmuseum Hannover auch weiterentwickelt, im digitalen Raum.

Jetzt appelliert die Museumsdirektorin an die Politik, auch den physischen Museumsraum wieder zu öffnen, wie einige Länder in Europa es schon vormachten. "Es ist eine politische Entscheidung, die ich natürlich nicht treffen kann", sagt sie. "Ich würde es mir aber für die Museen als Orte der Bildung wünschen, als Orte der Demokratieförderung, auch als Orte für eine soziale Kultur, wo man sich zumindest auch in kleinen Gruppen - mit der Familie etwa - aufhalten kann. Das wäre wunderbar, wenn das wieder zum Leben erweckt werden kann." 

"Im Freien - Von Monet bis Corinth" soll im Juli eröffnen

Unterdessen bleibt ihr nur, so viele physische Angebote wie möglich in den Außenraum zu verlegen. "Im Freien - Von Monet bis Corinth" heißt folgerichtig die Ausstellung, die Mitte Juli eröffnet werden soll. Sie wird die Freiluftmalerei mit rund 100 Gemälden und Plastiken aus dem Zeitraum 1820 und 1930 beleuchten.

Die abgebildete Gärten und Stadtlandschaften sollen aber auch eine Rolle im Sommer-Programm des Museums spielen. Dazu werde die Freiluftmalerei von einst von der Kunst der Gegenwart reflektiert, sagt Katja Lembke. "Wir haben ganz konkret eine Kooperation mit dem Hannoveraner Künstler Christoph Girardet, der noch einen anderen Ansatz versucht zu verfolgen, nämlich dieses Thema 'Im Freien' und das Thema impressionistische Malerei aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet, nämlich aus der Videokunst", so Lembke weiter. "Ich kann mir vorstellen, dass das auch den einen oder anderen neuen Besucher ins Haus holt."

Neue Ausstellungskonzepte locken ein neues Publikum an

Badeenten - unter anderem in Optik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte) und Che Guevara - stehen bei der Jahresvorschau-Pressekonferenz im Landesmuseum Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte/dpa
In der Ausstellung "Duckomenta" waren unter anderem Badeenten - wie in der Optik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte) - ausgestellt.

Neue Welten, die das Alte spiegeln - das ist ein Konzept, mit dem Katja Lembke schon in den letzten Ausstellungen neue Gäste ins Landesmuseum Hannover locken konnte: mit einer digitalen Variante zu Leonardo da Vinci etwa oder der "Duckomenta" - Malereigeschichte im Entenhausenformat. Ob es physisch oder virtuell weitergeht, das entscheidet jetzt die Politik. Bis dahin bleibt immerhin der Gang ins virtuelle Museum.

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Blau verfremdetes Motiv: Leere alte Bilderrahmen übereinander angeordnet. © Comstock Images

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