Pieter Schoolwerths Bild "Shifted Sims #4" © Pieter Schoolwerth/Kunstverein Hannover

Kunstverein: Künstler führen online durch Schoolwerth-Ausstellung

Stand: 20.04.2021 10:32 Uhr

Live und per Internet führen jeden Mittwoch Künstler*innen durch die erste größere institutionelle Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Pieter Schoolwerth im Kunstverein Hannover.

von Agnes Bührig

Julia Schmied hat den ersten Raum der Ausstellung betreten, der an Zeiten des Okkultismus Ende des 19. Jahrhunderts erinnert. Die Wände sind lila gestrichen, zu sehen sind dort psychedelisch wirkende Kartographien: "Es ist wirklich das Collagenhafte, was auf so unterschiedliche Weise funktioniert." Mit ihnen hat Pieter Schoolwerth in den 1990er-Jahren eine Art eigene Weltordnung entworfen, sagt die Künstlerin aus Hannover: "Bei 'Thee Altered States ov Americka' (Titel der Ausstellung, d.R.), gibt es zum Beispiel Felder mit Bildfeldern in der Mitte und drumherum kleine Vignetten, die Atmosphäre kreieren. Also mal hat man eine Skulptur von Bernini, mal hat man aber auch irgendeinen Popstar oder irgendetwas."

Acht verschiedene Künstler*innen führen bis Mitte Juni durch die Ausstellung. Sie stammen aus verschiedenen Generationen, arbeiten in unterschiedlichen Stilen. Dialogführung nennt sich das Konzept, das es im Kunstverein Hannover schon länger gibt. Bisher waren es Menschen aus anderen Berufen. Jetzt sollen auch die Kulturschaffenden selbst zum Zuge kommen, um in Zeiten abgesagter und verschobener Ausstellungen präsent zu sein.

Facettenreiche Erklärungen treffen im Kunstverein auf facettenreiche Kunst

Kathleen Rahn, Direktorin des Kunstvereins Hannover, erhofft sich so viele unterschiedliche Blicke auf die Ausstellung: "Ich habe immer viel Kontakt mit Künstler*innen und finde es immer faszinierend, wie anders die schauen. Ich habe dann gleich so die ganze Kunstgeschichtskeule parat. Die aber sagen: Guck doch mal hin. Wie ist denn das da gemalt oder auch, wie kann man Digitalprinten mit Malerei verbinden? Und deshalb bin ich sehr gespannt, was für Facetten da rauskommen." 

Facettenreich ist auch das Werk von Pieter Schoolwerth selbst, das von der Musik über die Videokunst bis zur Installation reicht. 1970 in St. Louis geboren, studierte er in den 1990er-Jahren am berühmten California Institute of the Arts. Einen Namen machte er sich Anfang der 2000er-Jahre in New York zunächst mit einem eigenen Plattenlabel, den Weird Records.

Mit dem Künstler*innen-Blick: Kunst neu entdecken

Online-Führungen

Jeden Mittwoch von 19 - 20 Uhr auf kunstverein-hannover.de

Auch die Altmeister der Malerei inspirieren Pieter Schoolwerth. "Portraits of Paintings" heißt eine Serie, in der er sich auf Kunst des 16. bis 18. Jahrhunderts bezieht. Motive werden ausgestanzt, auf dunklen Hintergrund gesetzt, verfremdet und verpixelt, gedruckt und weiter übermalt. Ein Prinzip, das er später in dreidimensionale Bilder mit mehreren Schichten überträgt. Für die Künstlerin Julia Schmid eine Schnittmenge mit dem eigenen Werk: "Das wäre zum einen, dass sich die Stücke von Pieter Schoolwerth zusammensetzen aus verschiedenen Elementen, die dann aber ein Ganzes ergeben. Nicht nur innerhalb der Stücke, die collagenhaft sind, sondern auch indem, dass eine Installation mit einem Sound, mit einer Malerei zusammen kommt. Und dass es einen sehr reflektierten Umgang damit gibt."

Ihn zu entdecken, dazu will Julia Schmid mit ihrem live gestreamten Rundgang vor einem digitalen Publikum beitragen, vielleicht auch mit einem Blick auf die Videokunstwerke von Pieter Schoolwerth.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 20.04.2021 | 09:20 Uhr