Szene aus "Sun&Sea" © NDR.de Foto: Agnes Bührig

Kunstfestspiele Herrenhausen: Abschluss mit Höhepunkt

Stand: 12.10.2020 10:08 Uhr

Nach knapp drei Wochen sind am Wochenende die Kunstfestspiele Herrenhausen in Hannover zu Ende gegangen. Als Abschluss gab es die Opern-Performance "Sun&Sea" aus Litauen zu erleben.

von Agnes Bührig

Das Festival endete mit einem Höhepunkt: dem Blick auf einen Strand, an dem sich Menschen auf Handtüchern in der Sonne räkeln, Kinder Sandburgen bauen und sie dabei den Sonnencreme-Bossa-Nova oder das Lied von der Fernbeziehung singen. "Sun&Sea", 2019 mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig ausgezeichnet, zeigte einmal mehr die hohe Qualität litauischer Vokalmusik, verbunden mit meditativen Klängen zur Strand-Installation.

Es war nicht das einzige Grenzgänger-Stück. Der niederländische Komponist Michel van der Aa führte mithilfe einer VR-Brille durch seine Digital-Oper "Eight", in der man sich zu chorisch-sphärischen Klängen mal zwischen schwebenden Gesteinsbrocken, dann wieder in einer idyllischen Märchenlandschaft zurechtfinden musste. In "Vor dem Sturm" ließ das Theaterensemble krügerXweiss aus Braunschweig einen fiktiven, blinden Richter erzählen. Die Schauspieler-Stimmen erklangen nur über Kopfhörer, nachdem den Zuschauern zunächst ein Video der Nordsee gezeigt worden war. Daher sei es mehr als ein reines Hörspiel, sagt Theatermacher Christian Weiß.

Corona wird auch die kommenden Kunstfestspiele beeinflussen

Daneben gab es viel gesellschaftspolitischen Stoff. Der Jubilar Ludwig van Beethoven irrte in einem poetisch anmutenden Film zu Livemusik als historische Figur durch die jüngsten Wirren des Kampfes um den Brexit in London. Die Dokumentar-Theatermacher von Rimini-Protokoll präsentierten mit "Chinchilla Arschloch, waswas" einen nachdenklich machenden Abend zum Tourette-Syndrom. Und eine komprimierte Version des Festivals "Tanztheater International" zeigte tänzerische Adaptionen des Abstandhaltens in kurzen Stücken jüngerer Choreografen.

Die Pandemie wird auch die kommende Ausgabe der Kunstfestspiele Herrenhausen beeinflussen. Geplant ist Olivier Messiaens Werk "Des Canyons aux Étoiles" aus den 1970er Jahren, unter anderem mit der NDR Radiophilharmonie, sagt Intendant Ingo Metzmacher: "Das ist ideal für Corona-Zeiten, weil es ein Orchester von 40 MusikerInnen ist, bei dem es auch vielleicht ganz gut ist, wenn sie nicht so nah aufeinander sitzen, weil es eine Musik ist, die für einen großen Raum geschrieben ist - es handelt sich um Canyons und Sterne und Weltraum im Hintergrund dieser Musik."

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Ingo Metzmacher © Picture-Alliance / Tagesspiegel Foto: Doris Spiekermann-Klaas

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NDR Kultur | 12.10.2020 | 06:40 Uhr