Stand: 24.04.2019 14:55 Uhr

"Es geht uns nicht um verspielte Medienkunst"

von Petra Rieß

Am 24. April beginnt in Osnabrück das 32. European Media Art Festival. Fünf Tage lang bis zum 28. April wird dann in verschiedenen Bereichen wie Film, Installation, Performance und Lectures internationale Medienkunst abgebildet. Das Herzstück ist eine Ausstellung, die dann bis Ende Mai zu sehen sein wird. Das Motto in diesem Jahr lautet "Wild Grammar". Katrin Mundt ist die Leiterin der Filmprogramme und Teil des dreiköpfigen Leitungsteams des EMAF.

Frau Mundt, das Motto in diesem Jahr lautet "Wild Grammar" - worum geht es da eigentlich?

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Katrin Mundt hat für das European Media Art Festival in Osnabrück die Filmarbeiten kuratiert.

Katrin Mundt: "Wild Grammar" war unsere Idee, uns mit dem subversiven Potenzial von Sprache auseinanderzusetzen. Also schon im Titel so eine produktive Irritation zu erzeugen, weil ja "wild" und "grammar" zunächst mal eigentlich einen Widerspruch formulieren: Einmal "Grammar" - Grammatik - als Sprache, die als Ordnung verstanden wird oder als das, womit wir Ordnung in die Welt bringen und ein Netz von Begriffen und Bezügen über die Welt legen, durch die wir die Welt verstehen. Und auf der anderen Seite das Wilde, das Chaotische, das Subversive, das dem entgegen arbeitet, vor allem aus künstlerischer Perspektive.

Das Wort "Grammatik", der Begriff ist nicht gerade sinnlich besetzt. Was sind denn die sinnlichen Anteile, die man sich unbedingt anschauen sollte, wenn man das European Media Art Festival besucht? Sie haben da ja verschiedene Bereiche. Was ragt da heraus?

Mundt: Ich glaube, was besonders sinnlich ist, ist die Ausstellung in der Kunsthalle, vor allem im zentralen Kirchenschiff, wo einen ein Parcours von Arbeiten erwartet, die alle sehr unterschiedlich lautstark und wild sind, wenn man so will. Und deshalb werden sie nacheinander gezeigt, so dass man sich jeweils auf eine Arbeit konzentriert, die dann auch nicht mit einer anderen Arbeit ins Gehege kommt. Da sind einerseits sehr lautstarke Arbeiten zu sehen und zu hören und auf der anderen Seite aber auch ganz subtile, eher konzeptuelle Licht- und Sound-Arbeiten.

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Medienkunst hat viel mit Kommunikation zu tun. Inwieweit sind denn die Besucherinnen und Besucher auch als Akteure gefragt?

Mundt: Das ist natürlich ein ganz zentrales Moment: Gerade in einer Ausstellung interagiert man natürlich allein dadurch, dass man mit dem Körper sich diesen Arbeiten aussetzt, automatisch mit den Werken.

Was heißt das, sich mit dem Körper mit den Werken auseinandersetzen?

Mundt: Man muss ja vor jeder Arbeit selbst wählen, wo man steht und wohin man schaut. Einige Arbeiten sind bewusst so angelegt, dass man nicht alle Teile gleichzeitig wahrnehmen kann. Man muss also vielleicht die Position im Raum wechseln, man muss von Arbeit zu Arbeit gehen, man wählt zum Teil - also jenseits dieses Parcours im Kirchenschiff - eben auch die eigene Reihenfolge, die Verweildauer und so weiter. Das würde ich schon als einen performativen Aspekt jedes Ausstellungsbesuchs bezeichnen. Aber auf der anderen Seite haben wir gerade dieses Jahr versucht, an den unterschiedlichen Spielorten im strengen Sinn Performance zu setzen: Künstler einzuladen, performativ im Raum zu arbeiten, sowohl im Kino als auch in den Ausstellungsräumen während der Eröffnung. Da haben wir versucht, Räume einfach auch mal anders zu nutzen als man es normalerweise kennt, die Statik der Wahrnehmung auch bewusst aufzubrechen oder dagegen zu arbeiten.

Inwieweit wollen Sie mit dem Festival auch auf politische Prozesse einwirken?

Das ist ein ganz zentraler Aspekt. Wir wollen das natürlich zunächst mal aus künstlerischer Perspektive beleuchten, aber viele der Arbeiten haben eben einen impliziten politischen Charakter oder wollen politische Statements auf unterschiedliche Art und Weise machen. Und es ist auch wichtig, bestimmte politische Aspekte der wilden Grammatik noch mal sehr sehr explizit und in Gesprächsformaten darzulegen. Also, wenn man so will, im klassischen Sinne aufklärerisch tätig zu werden. Das war immer schon ein Teil des EMAF und es ist uns ganz, ganz wichtig. Es geht uns nicht um verspielte Medienkunst, sondern um eine Kunst, die ganz stark an gesellschaftlichen Prozessen dran ist.

Die Kuratorin und Leiterin des European Media Art Festivals Osnabrück, Katrin Mundt, im Portrait. © Katrin Mundt/ EMAF

Katrin Mundt zum Start des EMAF

NDR Kultur - Klassisch unterwegs -

Das 32. European Media Art Festival in Osnabrück startet dieses Jahr unter dem Motto "Wild Grammar" - Filmkuratorin und Leiterin Katrin Mundt erklärt die Idee und das Konzept.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 24.04.2019 | 14:20 Uhr

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